DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Donnerstag, 07.05.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Welterbe Wasserwirtschaft

Potenzial statt Paukenschlag

Ein Gastbeitrag von Martin Kluger

»Denn Schwachköpfe und Ungebildete bedeuten großes Unheil bei Wasserleitungen.« Nein, damit ist mitnichten ein unfähiger Klempner gemeint. Das (historische) Zitat bezieht sich vielmehr auf etwas, mit dem Augsburg schon 2019 den Welterbestatus erlangen könnte – auf die historische Wasserwirtschaft. Sagen wir es mal so: Dass sich in dieser Stadt Schwachköpfe und Ungebildete mit dem Wasser des Lechs, der Wertach, der Singold und der Quellbäche an diesen Flüssen beschäftigt hätten, kann man den Augsburgern der letzten 600 Jahre mit Sicherheit nicht vorwerfen. Wenn hier irgendetwas – und zwar unumstritten und vorbildhaft für andere – über Jahrhunderte und bis auf den heutigen Tag bewältigt wurde, war und ist es die Nutzung der Wasserkraft und die Versorgung der Stadt mit Trinkwasser. Kaum etwas steht so sehr für das bürgerliche Selbst- und Selbstständigkeitsverständnis einer Stadt wie die Versorgung mit Wasser. Auch darum wurde die Interessenbekundung mit dem Titel »Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst in Augsburg« von den Experten auf die deutsche Tentativliste gehievt. Dies übrigens, selbst wenn das kaum ein Journalist verstanden hat oder verstehen wollte, mit sehr viel besseren Chancen als etwa die bayerischen Königsschlösser. Augsburgs Aussichten sind gut, 2019 UNESCO-Welterbe zu werden. Die Denkmäler stimmen. Das Thema stimmt. Die »Story« stimmt.

Für Fachleute kam diese Entwicklung nicht überraschend. Hämische Pressekommentare und bitterböse Leserbriefe vor der Entscheidung der Experten ließen aber erkennen, dass es manchem Augsburger und manchem Journalisten überaus suspekt ist, dass in seiner Stadt etwas weltweit einzigartig und vorbildlich sein könnte. Der lokal tief verwurzelte Selbstzerfleischungstrieb im Verein mit der Pflege eines lang trainierten Minderwertigkeitskomplexes, gepaart mit schlechten und teuer bezahlten Erfahrungen aus der Vergangenheit, ließ einen offenen Blick auf die Chance wohl gar nicht zu. Zugegeben: Lokalpolitisch zeitlich drängendere Themen gibt es allemal.

Was soll man also sagen, was hoffen, was anregen, ohne unrealistisch zu werden? Mit Sicherheit bietet sich Augsburg derzeit eine so rasch nicht wiederkehrende Jahrhundertchance, und zwar – gemessen an früheren Versuchen – mit wenig Aufwand, aber mit immenser Nachhaltigkeit. Wir reden nämlich nicht nur von der Vergangenheit, da die Historie der Augsburger Wasserwirtschaft auch eine Botschaft für die Zukunft und für die Welt ist. Wir reden auch nicht nur vom Tourismus, der mit Sicherheit vom Welterbeprädikat profitieren würde (wenn auch nicht so heftig wie das romanische Regensburg oder Köln mit seinem gotischen Dom). Wir reden nicht davon, dass Augsburg im harten (Unterscheidungs- und Image-)Wettbewerb der Städte und Regionen ein Welterbetitel gut anstünde.

Wir reden vielmehr davon, dass für diese Stadt, die ja derzeit irgendwie auf der Suche nach ihrer Identität ist, ein UNESCO-Welterbe-Prädikat nicht nur ein Werbelabel mit aufhübschender Außenwirkung sein könnte, sondern vielmehr ein identitätsstiftendes Signal nach innen. Man kann schließlich Augsburgs Werden, sein Stadtbild, seine kulturelle Entwicklung und seine Wirtschaft nicht verstehen, ohne sich mit dem Wasser auseinanderzusetzen. Wer sich auf diesen Gedanken einlässt, wird bemerken, dass beim UNESCO-Welterbe »Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst in Augsburg« nicht ein rasch vergessener Paukenschlag das Ziel sein kann, sondern das langfristige Ausschöpfen des Potenzials – übrigens nicht zuletzt für die Kultur.

Das Thema Wasser in Augsburg war für Künstler eine weite »Spielwiese« – und könnte es wieder werden. Was für Themenspektren lassen sich mit der historischen Wasserwirtschaft vernetzen: Die Qualität der Wasserversorgung war eine der schärfsten Grenzen zwischen Arm und Reich, Sterben oder Überleben. Fugger und Welser haben mit dem Wasser zu tun, die beiden Hans Holbein und Elias Holl ebenso wie die Augsburger Mozarts, Bertolt Brecht, Rudolf Diesel oder der Stadtheilige Ulrich. Es hätte die Stadt der Drucker und Verleger, des Augsburger Silbers und der riesigen frühen Textil- und Maschinenbaufabriken in dieser Form ohne das Wasser nie gegeben. Sogar mitten im Goldenen Saal des Rathauses geht es um – richtig, Wasser. Und: Wasser ist nicht nur ein nettes Kuschelthema in der Friedensstadt. Es ist vielmehr ein Kapitel voller Konflikte bis hin zum Krieg ums Wasser. Diese Liste könnte verlängert werden, und zwar nicht nur um den olympischen Eiskanal. Vielleicht also ließe sich das Funktionsprinzip historischer Augsburger Wasserwerke – »Wasser mit Wasser heben« – modifiziert auf das Augsburg von heute übertragen. »Wissen mit Wasser heben«, »den Stolz auf die eigene Stadt mit Wasser heben«, vielleicht auch generell »das Niveau mit Wasser heben« könnten auf dem Weg zum Welterbe jetztzeitige Funktionsprinzipien werden.

Was am Ende nicht vergessen werden sollte: Wasser ist – und wird es noch viel mehr werden – ein

Martin Kluger (links) mit Johannes Hintersberger und Götz Beck

Martin Kluger (links) mit Johannes Hintersberger und Götz Beck


hochpolitisches Thema. Nicht ohne Grund hat sogar Papst Franziskus zuletzt in seinem Lehrschreiben »Laudato Si« darauf hingewiesen, dass Wasser nicht zum Objekt der Spekulation werden dürfe. Dafür, wie künftig mit Trinkwasser als allgemein zugänglicher Ressource umgegangen werden wird (oder auch nicht), ist Augsburg angesichts seiner langen Historie eigenständiger städtischer Trinkwasserversorgung ganz aktuell ein spannender Testfall.

Martin Kluger ist Geschäftsführer des context-Verlags in Augsburg und Pulsgeber bei der UNESCO-Welterbe-Bewerbung. Der Beitrag erschien zuerst in a3kultur.

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Nachdem der FC Augsburg in der vergangenen Spielzeit mit einem Auswärtsspiel in die Bundesliga-Saison gestartet ist, beginnt der FCA in der kommenden Saison mit einem Heimspiel gegen Hertha BSC (15./16. August). Das erste Auswärtsspiel trägt der FCA am zweiten Spieltag (Wochenende 21. bis 23. August) bei Eintracht Frankfurt aus. Danach folgt das Heim-Derby gegen Ingolstadt (28. bis 30. August) und eine Woche später das Auswärts-Derby bei Bayern München. „Wir freuen uns, [...]

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Wieder „Konzerte im Bürgerhof“

Vom 2. bis 4. Juli 2015 finden auch dieses Jahr wieder die "Konzerte im Bürgerhof" statt, bei der sich regionale und internationale Bands ein Stelldichein geben. Ermöglicht wird die Veranstaltung, die mittlerweile Tradition ist, durch das bürgerschaftliche, freiwillige Engagement vieler Beteiligter des Bündnisses für Augsburg und des Freiwilligen-Zentrums Augsburg. Auf dem reichhaltigen Programm stehen Chansons, Balladen, Folk ebenso wie Rock'n'Roll, Reggae und Rock/NuMetal. Am zweiten Tag ist eine Trommelgruppe mit Flüchtlingen [...]

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Grüne weisen innerparteiliche „Risse und Spaltung“ zurück

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Die Farce verschüttet die Tragödie

Premiere: Herbert Achternbuschs „Gust“ im Hoffmannkeller Von Frank Heindl Ein unglaublich starker Text ist das, ein schwerer, extrem dichter, gewaltiger Text. Da sitzt jedes Wort, da sitzt jede Auslassung. Diese Sprache lässt nichts durch, keinen anderen Gedanken. Da sitzen die Worte so nah beieinander, dass kein anderes mehr dazwischen passt. Manche fehlen ganz – sie […]

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„Frei und gleich an Rechten“

Hans Joas stellte im Hollbau die Frage nach der Herkunft der Menschenrechte
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Fusion: BI startet Offensive

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Die CSU im Augsburger Stadtrat hat am Dienstag, 5. Mai 2026, Leo Dietz als Fraktions­vor­sitzenden wieder­gewählt. Die Wahl fiel einstimmig aus. Stell­vertreter wurden Matthias Fink, Ruth Hintersberger und Peter Uhl. Dietz will mit klarer Kante, politischer Erfahrung und einem starken Team an seiner Seite seine Stadtrats­fraktion führen und die Interessen der Stadt mit Nachdruck vertreten, mit […]

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Glucks, die Drachen­bezwingerin: Kindertheater im Abraxas



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Westpark-Fest: Geschichte der bayerischen Landes­vermessung wird erlebbar



Im Rahmen der Eröffnung des Westparks am 9. Mai präsentiert eine Projekt­gruppe um Thomas Hecht und Stefan Sandner die Planungen für einen „Vermessungs­garten“ auf der Freifläche nördlich des Theaters Abraxas. Von Bruno Stubenrauch Anlass ist das 225. Jubiläum der Gründung des Topo­graphischen Bureaus im Jahr 1801 – der Beginn der syste­matischen Vermessung Bayerns. Der Vermessungsgarten soll […]

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Trauer-Café im St. Vinzenz-Hospiz



Das St. Vinzenz-Hospiz in Oberhausen bietet wieder Begegnung und Austausch bei Kaffee oder Tee an. Im Trauer-Café des St. Vinzenz-Hospiz Augsburg e.V. können Trauernde in entspannter Atmosphäre bei einer Tasse Kaffee oder Tee und einem Stück Kuchen einfach da sein, zuhören oder sich mit anderen Betroffenen austauschen. Das Angebot wird von qualifi­zierten ehren­amtlichen Trauer­begleitenden begleitet. […]

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