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Samstag, 13.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Was machen wir nur mit unserem Stadttheater?

Warum das Stadttheater-System keine Zukunft hat

Kommentar von Siegfried Zagler

Das deutsche Theatersystem befindet sich in der Krise. Es stiftet weder einen Zusammenhalt der Stadtgesellschaften noch hilft es bei der Integration des Fremden. Es ermöglicht weder die kritische Reflexion des Strebens nach Vollkommenheit noch schützt es vor den Dämonen der Globalisierung.  Dabei sollten die Programme der Theater, sollte der Ausgang aus der unverschuldeten Unmündigkeit einst die „weltfremden“ Versprechungen der Religionen ersetzen. Die deutschen Großtheater sind dabei mit ihrem Aufklärungseifer an der eigenen Selbsterhöhung gescheitert. Die Stadttheater müssen sich immer stärker bezüglich ihres gesellschaftlichen Auftrags hinterfragen lassen, das ist nicht nur in Augsburg so.

Legitimationsdefizite erzeugen Spardruck. Dabei sieht es auf den ersten Blick großartig aus: 143 städtische Bühnen sowie 131 Orchester, 218 Privattheater und 73 Festspiele gehören zur einzigartigen deutschen Theaterlandschaft, über 35 Millionen Besucher zieht sie pro Jahr in ihren Bann. Sieht man aber genauer hin, fällt auf, dass in den letzten 50 Jahren der Publikumszuspruch um gut eine Million Zuschauer pro Jahrzehnt sinkt. Die Bedeutungshoheit der subventionierten Repräsentationsbühnen hat sich hinsichtlich der Herausforderungen der Moderne verflüchtigt. Mit einem Besuch in einem Theater ist längst nicht viel mehr als ein Unterhaltungsanspruch verbunden. Popkonzerte, Filmkunst und andere Formate sind für 95 Prozent der deutschen Bevölkerung längst nicht mehr niederschwelliger als ein Besuch in einem ortsansässigen Theater.

Die Theater versuchen diesem Trend entgegenzuwirken. Veranstaltungen wie Lesungen, Podien, Symposien haben in den letzten Jahren heuschreckenartig zugenommen. Die Anzahl der Spielstätten wurde verdoppelt, ohne der Abwärtsspirale entgegenzuwirken. Mit immer größeren Anstrengungen erreicht man immer weniger Zuschauer. Zugleich wurde Personal abgebaut. Anfang der 90er Jahre waren deutschlandweit noch 45.000 Menschen im Theater beschäftigt, heute sind es noch 38.000. Gegenläufig haben sich sich die Kurzarbeitsverträge in diesem Zeitraum verdreifacht. Die Zunahme der prekären Arbeitsverhältnisse und projektgebundenen Honorare sind die Antwort auf den Sparzwang der Kommunen, deren Haushaltskulissen einen Stadttheater-Unterhalt im traditionellen Sinn politisch immer fragwürdiger erscheinen lassen. Für das Augsburger Stadttheater mit seinen knapp 380 Beschäftigen reichen zirka 24 Millionen Euro „Subventionszulage“, davon zirka 15 Millionen aus dem Augsburger Stadtsäckel, nicht zum Leben, nicht zum Sterben, während die Stadt Augsburg sich diese Beträge für den normalen Betriebsunterhalt ihres Stadttheaters jedes Jahr aufs Neue unter großen Schmerzen aus dem mageren Fleisch ihres Haushaltes schneidet, der von der kommunalen Aufsichtsbehörde nur noch mit Auflagen und drohendem Zeigefinger genehmigt wird.

Das „Kunstproblem“ ist nicht weniger gravierend: Zirka 90 Prozent der Zuschüsse werden von den „nichtkünstlerischen Angestellten“ des Stadttheatersystems aufgebraucht, weil sie nach Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt werden. Das System frisst die Kunst, statt sie zu fördern.

Ein weiteres Strukturproblem sind die Gehaltsdifferenzen auf der „Künstlerebene“, die weder mit Lohnabstandsgeboten noch mit üblichen Gehaltsdifferenzen beruflicher Standards zu rechtfertigen sind. Es gibt wohl außerhalb der Fifa kaum eine andere Firma, die ihre Existenz mit einem gesellschaftlichen Auftrag rechtfertigt, aber zugleich Gehaltsscheren abbildet, die an feudalistische Strukturen erinnern – wie das bei den deutschen Stadttheatern der Fall ist. Schauspieler bekommen im Schnitt in etwa 2.500 Euro brutto im Monat. Intendanten verdienen nicht selten das zehnfache. Hospitanten und Praktikanten, ohne die die Theater nach eigener Einschätzung schließen müssten, arbeiten in der Regel ohne Bezahlung, was nichts daran ändert, dass das personalintensive Theaterbetriebswesen kostensenkend nicht geführt werden kann.

Während also die Kosten für den normalen Theaterbetrieb jährlich zunehmen, nimmt die Relevanz der Theaterkunst ab – und somit auch die Akzeptanz der Schmerzen, die die Kosten bereiten. Die Stadttheater stehen vor einer grundlegenden Neustrukturierung. Drückt sich die Politik davor, implodiert mittelfristig das gesamte System. Ein System, das Subventionen zu 90 Prozent zum Systemerhalt verwendet, verliert dauerhaft Anspruch auf Förderung. Von Theaterleitern, die wie Fürsten agieren, ist keine Reformhilfe zu erwarten. Die Kulturpolitik der Kommunen ist aller Regel von durchschlagender Inkompetenz gezeichnet.

In Augsburg haben sich nach Bekanntwerden der Sanierungspläne für das Augsburger Stadttheater Bürger mit einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Kurt Gribl gewendet. Die Planung aus dem „verborgenen Nichts der Stadtverwaltung“ solle gestoppt werden, das gigantische Projekt, das ursprünglich mit 235 Millionen Euro Kosten veranschlagt war, neu gedacht und öffentlich diskutiert werden, dann könne man wieder planen. Das Resultat aus den Gesprächen der Bürger mit Vertretern der Stadt: Ein Bürgerbeteiligungsprozess zur Frage, wie die Zukunft des Theaters aussehen soll. Die Sanierungskritiker haben sich inzwischen von diesem Prozess distanziert, weil er aus ihrer Sicht eine Farce darstellt, und sie werden wohl nach Gemeindeordnung §18 a in Sachen Theatersanierung ein eigenes Bürgerbeteiligungsverfahren starten. Ob damit der erste Schritt eines langen Marsches, der aus der Strukturfalle herausführt, unternommen wird, gehört zu den spannenden Fragen der kommenden Monate.

Dem zukünftigen Intendanten, Andre Bücker, der genau dann seinen Job in Augsburg beginnt, wenn 2017 die Sanierung des Großen Hauses anlaufen soll, kann das alles ziemlich „wurscht“ sein. Er wird seine erste Intendanz in Augsburg ohne Großes Haus über die Bühne bringen müssen. Möglicherweise findet Bücker unter diesen Bedingungen sogar eine beunruhigende Antwort auf die Frage, welche Richtung das Stadttheater der Zukunft einschlagen soll.

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Solidarität mit den französischen Partnern

Als Zeichen der Solidarität mit seinen Partnerschulen erstrahlte das städtische Maria-Theresia-Gymnasium in den französischen Nationalfarben. Foto: Martin Aulbach In Anschluss an die pädagogische Konferenz am 17. November wollte das Kollegium des Maria-Theresia Gymnasiums mit der Beleuchtung in den Farben der Trikolore auch ein sichtbares Zeichen des Mitgefühls mit den Familien der Attentatsopfer von Paris setzen. Seit vielen Jahren bietet das Maria-Theresia-Gymnasium im Rahmen seines Fahrtenprogramms den Schülern einen Austausch mit dem Collège Jean [...]

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Kurswechsel: André Bücker wird in Augsburg Intendant

Wer in Augsburg die Nachfolge für die scheidende Theaterintendantin Juliane Votteler antritt, ist geklärt. Erstmalig in der neueren Geschichte des Stadttheaters übernimmt eine Person in Augsburg die Intendanz, die bereits in einer anderen Stadt ein Theater führte. Von Siegfried Zagler André Bücker war zuletzt fünf Jahre Generalintendant des Anhaltischen Theaters in Dessau, wo sein Vertrag, wie er selbst sagt, nicht verlängert wurde, weil man ihn dort nicht mehr wollte. Bücker ist in [...]

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Theatersanierung: Startschuss heute im Stadtrat?

Das Münchner Architekturbüro „Atelier Achatz Architekten“, spezialisiert auf Theaterbauten, hat 2014/15 erste Pläne für die Sanierung erstellt. Auf 186,3 Millionen Euro wird das Gesamtvolumen aktuell geschätzt. Darin eingerechnet sind die Sanierung des Großen Hauses (zirka 120 Millionen) sowie der Abriss und Neubau des gesamten Nord-Traktes. Zum Nord-Trakt gehören eine neue multifunktionale Spielstätte („Neues Haus“), Proberäume und Büros für die Verwaltung. Zusätzlich soll möglicherweise ein [...]

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Ist die Bürgerbeteiligung zur Theatersanierung eine Farce?

Die Debatte zur Sanierung des Augsburger Stadttheaters zielt offenbar an der Kernfrage zur Zukunft des Theaters vorbei. Von Siegfried Zagler Am vergangenen Montag ist das Bürgerbeteiligungsverfahren zur Theatersanierung gestartet. Nicht, weil dieses von Bürgern in einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Kurt Gribl gefordert wurde, sondern weil die Stadt das ohnehin vorgesehen hatte, wie Thomas Weitzel […]

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Paris im Schockzustand

DAZ-Autor Udo Legner, dessen langjährige Lebensgefährtin in Paris lebt, befand sich am Freitagabend in der Nähe von zwei Anschlagsorten in der französischen Hauptstadt, ohne sich „wirklich in Gefahr zu befinden“, wie er schrieb. Dass Legner nichts passiert ist, erfuhr DAZ-Herausgeber Siegfried Zagler kurz nach den barbarischen Anschlägen via Facebook. Legner traf sich mit Freunden zu […]

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Brecht-Preis 2016 geht an Silke Scheuermann

Der Bert-Brecht-Preis der Stadt Augsburg wird alle drei Jahre vergeben, um den großen Schriftsteller zu ehren und Persönlichkeiten auszuzeichnen, die sich in seiner Tradition durch die Auseinandersetzung mit der Gegenwart in ihrem literarischen Schaffen verdient gemacht haben. Brecht trat keineswegs nur als Theatermann, als Autor der bekanntesten modernen Dramen, als Regisseur und Theatertheoretiker in Erscheinung, […]

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FCA: Heißt das Problem Markus Weinzierl?

Der FCA spielt seit vielen Spielen so eingeschliffen denselben Stiefel, als wäre diese Spielweise trainiert worden. Kommentar von Siegfried Zagler Dass ein Fußballtrainer mit der Aussage, „die Mannschaft hat gezeigt, dass sie es kapiert hat“, nicht die Mannschaft, sondern sich selbst ins Zwielicht stellt, muss nicht besonders hervorgehoben werden. Nach dieser wohl unbewussten Selbstmontage des […]

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Poetry Slam: Augsburg im Poetenrausch

Es ist eine noch relativ junge Kunstform, die mittlerweile scharenweise junge Leute in die etablierten Bühnenräume zieht. Fünf Tage lang trafen sich nun 120 einzelne Poetry Slammer und 20 Teams aus dem deutschen Sprachraum zum Wettstreit in Augsburg. Von Halrun Reinholz 10.000 Besucher waren da, die Vorstellungen so gut wie ausverkauft und zum Finale am […]

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Erste Ballettpremiere der Spielzeit: Viel Applaus für Hamlet

Nach „Romeo und Julia“ sowie  „Medea“ wagt sich das Ballettensemble des Augsburger Theaters auch in dieser Spielzeit wieder an eine abendfüllende Geschichte. Kein geringerer Stoff als Shakespeares Hamlet steht auf dem Programm. Von Halrun Reinholz Eine vielschichtige Handlung mit vielen  tiefenpsychologischen Assoziationen – und das ganz ohne Shakespeares Wortgewalt? Der amerikanische Choreograph Steven Mills beschränkt […]

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FCA erklärt sich selbst zum Abstiegskandidaten Nr. 1

Der FC Augsburg verlor am 12. Spieltag der Fußball-Bundesliga gegen Werder Bremen zum fünften Mal zu Hause. Das Ergebnis: 1:2 (0:0). Für Bremen trafen Claudio Pizarro (58.) und Fin Bartels (69.), Augsburg gelang vor 21.122 Zuschauern in der Nachspielzeit (90+1) mittels Elfmeter der Anschlusstreffer. Verhaegh verwandelte sicher. Von Siegfried Zagler Gegen Bremen konnte FCA-Trainer Markus […]

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Theatersanierung: Fehlen jetzt 15 Millionen?

Finanzbürger­meisterin Eva Weber bezeichnet es als „solide berechnet“, AZ-Redakteur Stefan Krog sieht dagegen in seinem heutigen Kommentar „Unwägbarkeiten“: Die Rede ist vom Finanzierungs­konzept für die Theater­sanierung. Tatsache ist: In der bereits bis auf die zweite Nachkommastelle berechneten, bis 2039 laufenden Kreditrate sind weder Baupreis­steigerungen noch Zinsen enthalten. Von Bruno Stubenrauch Kompletter als das städtische Konzeptpapier: […]

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Kurznachrichten

Heimsieg für Ricarda Funk: Gold beim Weltcup in Augsburg



Die Augsburger Kanutin Ricarda Funk hat Gold bei ihrem Heim-Weltcup am Eiskanal gewonnen. Die Olympia­siegerin setzte sich im Finale des Kajak-Einers vor witterungs­bedingt spärlichem Publikum souverän durch. Der tschechische Starter Jakub Krejci triumphierte in der Männer­konkurrenz. Von Bruno Stubenrauch Für Ricarda Funk war es ein perfekter Auftakt: Die Tokio-Olympia­­siegerin gewann am Freitag, 12. Juni, den Kajak-Wettbewerb […]

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Rote Nase, ganzes Leben: Augsburger Clownin veröffentlicht erstes Buch für Erwachsene



Kirstie Handel, vielen Augsburgern als Clownin „Glucks“ vom CLOWNESS Theater bekannt, hat ihr erstes Buch für Erwachsene ver­öffent­licht: „Naserot – Geschichten aus dem Alltag einer Clownin“ erzählt von 19 Jahren auf der Bühne – mit allem, was dazugehört. Von Bruno Stubenrauch Wer in Augsburg mit Kin­dern unter­wegs ist, kennt sie viel­leicht: Kirstie Handel, Grün­de­rin des CLOWNESS […]

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Nur noch wenige Tage: „pflanz mit!“-Bewerbungsfrist endet am 30. Juni



Die Stadt Augsburg erinnert daran, dass der Begrünungs­wett­bewerb „pflanz mit!“ nur noch bis Dienstag, 30. Juni läuft. Die DAZ hatte bereits im April über den Start des Wettbewerbs berichtet – wer noch teilnehmen möchte, sollte sich jetzt beeilen. Von Bruno Stubenrauch Seit April können Bürge­rinnen und Bür­ger ihre pri­vaten Be­grü­nungs- und Ent­sie­ge­lungs­pro­jekte beim städti­schen Wett­bewerb „pflanz […]

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Hinweise der Stadt Augsburg zum Fest am Theater



Anlässlich eines Fests am Theater wird ein Teil des Umfelds der Staats­theater-Baustelle am kommenden Wochenende zur Veran­stal­tungs­fläche. Deshalb gelten von Mittwoch, 10. Juni, 7 Uhr, bis Sonntag, 14. Juni, 18 Uhr, verschiedene Verkehrs­regelungen, Parkverbote und Straßen­sperrungen. Von Bruno Stubenrauch Ab Freitag gesperrt: Ludwigstraße Ab Freitag, 12. Juni, 6 Uhr, werden mehrere Straßen in der Festzone um die Ludwigstraße für […]

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Update: Liebesgedichte von Brecht an der Kahnfahrt verschoben



Der Buchhändler Kurt Idrizovic und die Schrif­tstellerin Ulrike Schimpf lesen jetzt am Freitag, 19. Juni, Liebesgedichte von Bertolt Brecht an der histori­schen Augsburger Kahnfahrt. Die einstündige Ver­anstaltung beginnt um 19 Uhr. Eine Wiederholung findet am Mittwoch, 22. Juli statt. Von Bruno Stubenrauch Die Kahnfahrt kurz nach der Eröffnung Anfang Mai 2026 (Foto: DAZ) Bertolt Brecht, einer der berühmtesten […]

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