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Montag, 26.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Theatersanierung: Fehlen jetzt 15 Millionen?

Finanzbürger­meisterin Eva Weber bezeichnet es als “solide berechnet”, AZ-Redakteur Stefan Krog sieht dagegen in seinem heutigen Kommentar “Unwägbarkeiten”: Die Rede ist vom Finanzierungs­konzept für die Theater­sanierung. Tatsache ist: In der bereits bis auf die zweite Nachkommastelle berechneten, bis 2039 laufenden Kreditrate sind weder Baupreis­steigerungen noch Zinsen enthalten.

Von Bruno Stubenrauch

Kompletter als das städtische Konzeptpapier: Finanzierungs-Szenario DAZ

197 Millionen Euro soll die Theatersanierung bis zum Bauende im Jahr 2024 kosten. Nach Abzug der Zuschüsse, die vom Freistaat fließen, hat die Stadt Augsburg immerhin noch 90,98 Millionen zu stemmen. Diese Summe hat Eva Weber am 20. Oktober 2015 im Finanz­ausschuss vorgestellt und mit einer “Finanzierungsmatrix” unterlegt (DAZ berichtete). Die Matrix, in der Bau- und Bauneben­kosten, Zuschüsse und Kredite aufgelistet sind, hat allerdings einen Schönheits­fehler: Sie enthält weder Baupreis­steigerungen noch Kreditzinsen.

Baupreise steigen jährlich um 2,2 Prozent

Theaterarchitekt Walter Achatz hat seine Kosten­kalkulation erkenntlich mit Preisen für das Jahr 2017 erstellt. Tatsächlich wird aber bis 2024 gebaut und so lange bleiben Baupreise nicht stabil. Von 2010 bis 2015 stiegen sie im Mittel um 2,2% jährlich. Selbst deutlich höhere Preis­steigerungen will Achatz nicht ausschließen: Alleine der Effekt, müsste man die zurzeit in Deutschland tätigen osteuropäischen Subunter­nehmer irgendwann fair bezahlen, würde die Baupreise um 30 bis 50% anziehen lassen, so der Münchner Architekt Ende Juli im Stadtrat (DAZ berichtete).

Die Baupreise könnten aber auch infolge riesiger Wohnbau­programme für Millionen Flüchtlinge durch die Decke gehen. Rechnet man trotzdem konservativ nur mit dem Preisindex der letzten fünf Jahre, würde allein dies zu Mehrkosten in Höhe von 6,07 Mio. Euro führen, wohlgemerkt nur für den städtischen Anteil der Baukosten. Die Zuschüsse des Freistaats müssten ebenfalls um einen ähnlichen Millionenbetrag angepasst werden.

Auch günstige Förderkredite kosten Geld

Ebenso unkalkulierbar sind die Kreditzinsen. Eine der ersten Adressen zur Finanzierung kommunaler Infrastruktur dürfte die zu 80% dem Bund gehörende KfW-Bankengruppe sein: “Dass wir möglichst besonders zinsgünstige Förderkredite nutzen werden, ist selbstverständlich”, so Eva Weber am 3. November 2015 in einer Pressemitteilung. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) bietet Kommunen Kredite mit 30-jähriger Laufzeit aktuell mit einem Sollzinssatz von 0,84 Prozent an (Stand 6. November 2015). Für vergleichbar lang laufende Kredite auf dem freien Markt wären mehr als zwei Prozent Zinsen fällig. Rechnet man optimistisch mit einer Vollfinan­zierung über Förderkredite zu heutigen KfW-Konditionen, summieren sich die Kreditzinsen trotzdem auf beachtliche 9,15 Mio. Euro.

Kreditlaufzeit bis 2043

Baupreissteigerungen und Zinsen zusammen werden also – heutige Verhältnisse vorausgesetzt – zu rund 15 Millionen Euro Mehrkosten und zu einem städtischen Kostenanteil an der Theater­sanierung von 106 Millionen Euro führen. Behält man den von Finanzreferentin Eva Weber als “jährlich vertretbare Tranche” bezeichneten Haushalts­ansatz in Höhe von 3,85 Mio. Euro bei, ist man zudem nicht wie bisher kalkuliert im Jahr 2039 mit der Bedienung des 80-Millionen-Kredits fertig. Der städtische Haushalt wird vielmehr um vier weitere Jahre bis 2043 belastet werden müssen. Im Jahr darauf wird Alt-OB Dr. Kurt Gribl seinen 80. Geburtstag feiern.

» Baupreisindex, Statistisches Bundesamt

» KfW-Investitionskredit für Kommunen

» KfW-Investitionskredit für Kommunen (Screenshot vom 07.11.2015)

» Unterlagen Finanzausschuss mit Finanzierungsmatrix (via Stadt Augsburg)

» Finanzierungs-Szenario DAZ (pdf 38 kB, vom 06.11.2015)

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Anm.: Der Artikel wurde kurz nach seinem Erscheinen um einen Absatz gekürzt. Dieser enthielt einen spekulativen Ansatz zur Finanzierung mit einem Zinssatz von 0 Prozent.