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Samstag, 13.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Es kommt ein Mölders geflogen

Sascha Mölders war von Beginn an beim Bundesligaabenteuer des FCA dabei. Zur kommenden Rückrunde wurde er wie ein „Weihnachtsgeschenk auf Zeit“ an den Zweitligsten 1860 München verliehen. Sein Auf und Ab, sein Wirken beim FCA spiegelt auf gewisse Weise die gesamte Situation des FC Augsburg wider.



Siegfried Zagler über Sascha Mölders

Sascha Mölders beim Flugkopfball

Sascha Mölders beim Flugkopfball - Foto: sport-in-augsburg.de


Im ersten Bundesligajahr des FCA ließ Trainer Jos Luhukay das Mittelfeld mit langen Bällen überbrücken, die fast ausschließlich auf Mölders gespielt wurden, der, allein auf sich gestellt, diese bestenfalls behaupten, aber eben nicht verwerten konnte. Luhukay spekulierte mit dem zweiten Ball oder mit der Ballbehauptung durch Mölders, der die aufrückenden „Rückraumstürmer“ in den Angriff mitnehmen sollte. Mölders machte das sehr gut, kam selbst aber kaum zu Torchancen. Damals spielte der FCA fast alles hoch und zentral auf Mölders, und war somit von jeder Abwehr einfach auszurechnen. Langsam schien es Jos Luhukay zu dämmern, dass der FCA so dem Abstieg nicht entgehen konnte. Am 23. Spieltag stellte Luhukay sein System um. Mölders verschwand aus der Startformation. Das war die Stunde von Ja-Cheol Koo und Torsten Oehrl. Der FCA gewann mit 3:0 gegen Hertha BSC und spielte von nun an dynamisch mit Tempo und überraschend direkten Kombinationen aus dem Mittelfeld heraus Richtung gegnerischen Strafraum. Lässt man die Aufstellung Revue passieren, fällt auf, dass der FCA damals zur Rückrunde einen bundesligatauglichen Kader hatte: Sankoh, Langkamp,Verhaegh, Ostrzolek, Callsen-Bracker, Hosogai, Koo, Baier bildeten ein ausgezeichnetes Korsett. Mölders schoss nach seinen ersten drei Toren in den ersten beiden Spielen für den FCA kaum noch Tore. Um es anschaulicher zu sagen: Mölders erzielte nach dem zweiten Spieltag in der Saison 2011/12 in 20 folgenden Spielen, in denen er immer in der Startformation stand, nur noch zwei Tore. Das ist eine Quote von 0,1 Toren pro Spiel.

„Ein Sturmbulle, gefangen im Körper eines Riesenbabys“

In der zweiten Bundesligasaison verstärkten sich die Augsburger in der Sturmmitte, indem sie Aristide Bance verpflichteten. Mölders zog sich in der Vorbereitung auf die Saison 2012/13 eine schwere Knöchelverletzung zu. Seine Zeit beim FCA schien abzulaufen, doch dann konnte Bance die Erwartungen nicht erfüllen und Mölders feierte ein vielversprechendes Comeback am 11. Spieltag gegen Dortmund. Damals hatte der FCA nur sechs Punkte auf dem Konto. Den Umschwung hatten Mölders Einsätze und seine vier Tore bis zum Ende der ersten Halbserie nicht gebracht. Die Wende kam aber in Düsseldorf als Mölders von zwei krassen Abwehrfehlern der Fortuna profitierte und quasi ohne großes Zutun zwei absurde Treffer zum ersten Auswärtserfolg der Augsburger beisteuerte (2:3). Danach schoss Mölders am 21. Spieltag sein siebtes Tor gegen Mainz (1:1) und schließlich sein achtes in Leverkusen.  Am 23. Spieltag gewann der FCA seine “Schicksalspartie” gegen Hoffenheim mit 2:1. Mölders schoss den Führungstreffer, sein 9. Tor in seiner 13. Partie der Saison 2012/13. Das entsprach einer Quote von 0,7 Treffer pro Spiel. Diese Serie und ein gebrochenes Nasenbein brachten ihn in die großen Schlagzeilen. Die Nobody-Truppe des FCA hatte plötzlich ein „Medien-Gesicht“, nämlich das von Sascha Mölders mit einer gebrochenen und blutverklebten Nase. Es sollte ein Ritterschlag folgen: Nach Helmut Haller wurde mit einem zeitlichen Abstand von 40 Jahren der zweite Augsburger Fußballspieler in das Aktuelle Sportstudio eingeladen. Schauspieler Michael Günther Bard las eine Hommage an den letzten Mittelstürmer-Rumpler der Bundesliga vor: „Sascha Mölders spielt keinen Fußball, er arbeitet ihn. Jede Sekunde seines Spiels erinnert an dreckigen Kreisliga-Fußball auf nassen Ascheplätzen. Er treibt Ästheten in den Wahnsinn. Er ist ein Sturmbulle. Gefangen im Körper eines Riesenbabys. Er beschränkt sich auf die Grundtugenden des Spiels: Laufen, passen, schießen. Das ist so herrlich und erfrischend anzusehen.“

Der FCA hat sich in die Bundesliga hinein entwickelt, Mölders heraus

Danach verschwand Mölders als Torschütze wieder in der Versenkung. Als sich der FCA in seiner zweiten Bundesligasaison ein zweites Mal im Schlussspurt aus der Abstiegszone herauskatapultierte, schossen die Tore andere. Mölders war außerhalb der Medien-Poetik nie das Gesicht des FCA und auch nicht sein Retter. Zwei Treffer standen nach der Saison 13/14 zu Buche. Einer davon war das Siegtor gegen den FC Bayern München, dennoch sinkt der kurz aufgeglühte Stern des Sascha Mölders weiter. Sein einziges Tor in der vergangenen Saison erzielt er nach seiner Einwechslung am letzten Spieltag.

In der aktuellen Saison spielte Mölders keine Rolle mehr in der sportlichen Planung von Trainer Markus Weinzierl. Er schaffte es nicht in den Europa-League-Kader und auch in der Liga saß er zuletzt kaum noch auf der Bank. Sascha Mölders hatte sich in der Bundesliga im Gegensatz zu vielen anderen ehemaligen Zweitligaspielern des FCA nicht weiter entwickelt. Das Spiel von Sascha Mölders war nie „herrlich und erfrischend anzusehen“, sondern in allzu langen Phasen eine brotlose Kunst, die in erster Linie davon lebte, im Strafraum eine Direktabnahme zu suchen. Die Fixierung auf Direktabnahmen war bei Mölders zu stark ausgeprägt und brachte deshalb in der Summe zu wenig, und zwar nicht nur deshalb, weil er dabei zu wenig Tore machte, sondern auch deshalb, weil er für den ballführenden Spieler flach kaum anspielbar war, da er zu wenig die Schnittstellen suchte, zu wenig kreuzte und somit kaum Räume für Passgeber generierte. In Eins zu Eins Situationen wirkte Mölders in der Tat wie ein schwerfälliger Rumpler. Das Gleiche gilt für seine Fähigkeit, eigene Mitspieler in Szene zu setzen. Mölders fror das Spiel nach vorne ein. Das machte das Offensivspiel des FCA für jede Abwehr leicht berechenbar. Sascha Mölders legte mit seinen linierten Laufwegen das Augsburger Angriffsspiel zu statisch an.

Der FCA hat sich in die Bundesliga hinein entwickelt, Sascha Mölders heraus. Die Entscheidung, Mölders an die schwer angeschlagenen Münchner zu verleihen, war ein kluge Entscheidung. Einer wie Mölders könnte den Münchnern helfen. Deutlicher können die Welten, die heute zwischen dem TSV 1860 München und dem FC Augsburg liegen, nicht beschrieben werden.

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