Freistoß der Meinung vom Elfmeterpunkt
Nun ist die Hysterie der Wokeness also mitten in die seriöse Presselandschaft geschwappt. Der Leitartikel der Augsburger Allgemeinen vom 25. März – Man(n) muss sich für Männer schämen – liest sich wie Graffiti an der Brandmauer zum Boulevard.
Gastbeitrag von Dietmar Sigl
KI-Bild „Digitale Vergewaltigung“
Der vom Chef des AZ-Kulturressorts verfasste Leitartikel dreht mit dem Deep-Fake-Drama des ehemaligen Ehepaares Collien Fernandes und Christian Ulmen – Kindern der leichten Muse der deutschen Unterhaltungsbranche – am Riesenrad des Rummels um gesellschaftspolitische Ethik und Moral: Die Gruppe der Männer und das Verstummen an der Schwelle zur Frauenverachtung.
Der authentischen Emotionalität und heißen Nadel des Textes ist dabei durchaus das Bemühen anzumerken, das intrinsische Spannungsfeld privater und öffentlicher, realer und virtueller intersexueller Beziehungen auf die dialektische Ebene herunterzubrechen, um das Primat der Unschuldsvermutung im vorliegenden Einzelfall nicht komplett medial dem postmodernen Kraken der politischen Korrektheit zu opfern. Aus den Echokammern aktivistischer Halböffentlichkeiten dringen jedoch grelle Parolen in das Wabern bourgeoiser Vernunft: Vergeltung der Frauen an den Männern! Männer aufhängen und kastrieren! Oder die softe Variante: Man(n) muss sich für Männer schämen! Eine Frage der Zeit, bis der Humbug im Bundestag aufschlägt… (der Aufschlag im Landtag ist schon erfolgt!)
Die von Habermas evozierte digitale Fragmentierung der Öffentlichkeit wird von dem substanzlosen Politpostulat der Spaltung der Gesellschaft pulverisiert. In den Augenwinkeln der Paradigmen einer regelbasierten Ordnungsmacht lauern die systemischen Reservate der Eliten. KI-generierte Pornomalien rauben den Trieben die Unschuld und den Gerechten den Schlaf. Die monumentalen Fragezeichen der menschlichen Existenz, die ubiquitäre Fallibilität unserer Erkenntnisfähigkeit karamelisieren in der deindividualisierenden Globalität der realen Alltagspraxis zur Ideologie des kapitalistischen Proporzes, der die Rolle der prekären Majorität als Meme programmiert.
Den Lesenden des bürgerlichen Leitmediums Augsburger Allgemeine ist bei der Lektüre des besagten Leitartikels das Frühstücksei in die Luftröhre gerutscht. „Frauen empören sich über die Missstände. Männer schweigen. Das muss sich ändern.“ Ich kann nicht mehr, keucht der Lovepriest. Jo mei, japst die Gruberin. Ich schäme mich für mein Geschlecht, heult Jo Schück. Lisa Neubauer und Leonie Löwenherz haben sich ausgekotzt. Die semantische Manövriermasse zwischenmenschlicher Verständigung denaturiert im Speichel publizistischer Marktschreierei zu einem einzigen blinden Fleck auf der hypertrophen Big Gender Agenda.




