Tag der Pflege: „Pflege braucht Freiraum und muss bezahlbar sein“
AWO Schwaben fordert verlässliches System
Zum Tag der Pflege am 12. Mai spricht Dieter Egger, Vorstandsvorsitzender der AWO Schwaben, Klartext: Die Eigenanteile in der Pflege müssen gedeckelt, Ausbildungskosten vom Staat übernommen und Investitionen in Pflegeheime staatlich gefördert werden.
Von Bruno Stubenrauch

Dieter Egger, Vorstandsvorsitzender der AWO-Schwaben (Foto: Guido Köninger)
Die hohen Eigenanteile in der stationären Pflege belasten viele Senioren massiv. Dieter Egger, dessen Verband 22 Seniorenheime betreibt, betont: „Gute Pflege hat ihren Preis.“ Der Anteil der Personalkosten liege bei über 70 Prozent. Dennoch müsse Pflege bezahlbar sein – die AWO spricht sich seit Jahren für eine Deckelung des Eigenanteils aus.
Kritik an gesetzlichen Regeln
Besonders ärgert Egger, dass Ausbildungskosten für Pflegekräfte gesetzlich auf die Bewohner umgelegt werden müssen. „Dies entbehrt jeglicher Sozialstaatlichkeit“, kritisiert er. Auch die fehlende staatliche Förderung von Investitionskosten (etwa für Instandhaltung oder Neubauten) sei ein Skandal – schließlich sei dies in anderen Bereichen wie Kita- oder Schulbau selbstverständlich. „Pflege ist ein gesamtgesellschaftliches Thema und Altenpflege ist eindeutig eine Aufgabe des Staates“, so Egger.
Forderungen an die Politik
Die AWO Schwaben fordert:
- Staatliche Übernahme der Ausbildungskosten in der Pflege;
- Wiedereinführung der Investitionskostenförderung für Pflegeheime;
- Verlässliche Rahmenbedingungen für Träger und Pflegebedürftige.
Mehr individuelle Pflege
Statt „Standardpflege von der Stange“ brauche es Freiräume für eine individuelle, bedürfnisorientierte Pflege. „Pflege muss sich immer an den Bedürfnissen des einzelnen Menschen orientieren und darf nicht durch starre, von außen vorgegebene Kriterien bestimmt werden“, so Egger. Zudem plädiert er für mehr solitäre Kurzzeitpflege-Einrichtungen, um den Übergang vom Krankenhaus zurück ins eigene Zuhause zu erleichtern.
Die AWO Schwaben ist ein Verband der Freien Wohlfahrtspflege mit mehr als 2.800 MitarbeiIter*innen. Der Bezirksverband betreibt rund 100 Einrichtungen und Dienste in den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, Altenhilfe, Behindertenhilfe und Gesundheitshilfe. Hierzu zählen unter anderem 37 Kindertageseinrichtungen, 22 Seniorenheime, das Sozialzentrum in Neuburg a. D., zwei Fachklinken für Suchtkranke sowie das Zentrum für Aidsarbeit Schwaben (ZAS). Damit gehört der AWO Bezirksverband zu den größten sozialen Dienstleistern in Schwaben. In 13 Kreisverbänden und rund 70 Ortsvereinen sind fast 7.000 Mitglieder ehrenamtlich organisiert.