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Sonntag, 10.05.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Tag der Pflege: „Pflege braucht Freiraum und muss bezahlbar sein“

AWO Schwaben fordert verlässliches System

Zum Tag der Pflege am 12. Mai spricht Dieter Egger, Vorstands­vor­sitzender der AWO Schwaben, Klartext: Die Eigen­anteile in der Pflege müssen gedeckelt, Ausbil­dungs­kosten vom Staat über­nommen und Investi­tionen in Pflege­heime staatlich gefördert werden.

Von Bruno Stubenrauch

Dieter Egger, Vorstandsvorsitzender der AWO-Schwaben (Foto: Guido Köninger)

Die hohen Eigen­anteile in der statio­nären Pflege be­lasten viele Seni­oren massiv. Dieter Egger, dessen Verband 22 Seni­oren­heime be­treibt, betont: „Gute Pflege hat ihren Preis.“ Der An­teil der Per­so­nal­kosten liege bei über 70 Pro­zent. Dennoch müsse Pflege bezahl­bar sein – die AWO spricht sich seit Jah­ren für eine Decke­lung des Eigen­an­teils aus.

Kritik an gesetzlichen Regeln

Besonders ärgert Egger, dass Ausbildungs­kosten für Pflege­kräfte gesetz­lich auf die Bewohner umgelegt werden müssen. „Dies entbehrt jeglicher Sozial­staat­lich­keit“, kriti­siert er. Auch die fehlende staatliche Förderung von Investi­tions­kosten (etwa für Instand­haltung oder Neubauten) sei ein Skandal – schließlich sei dies in anderen Bereichen wie Kita- oder Schulbau selbst­ver­ständ­lich. „Pflege ist ein gesamt­gesell­schaft­liches Thema und Altenpflege ist eindeutig eine Aufgabe des Staates“, so Egger.

Forderungen an die Politik

Die AWO Schwaben fordert:

  • Staatliche Übernahme der Ausbildungskosten in der Pflege;
  • Wiedereinführung der Investitions­kosten­förderung für Pflegeheime;
  • Verlässliche Rahmen­bedingungen für Träger und Pflege­bedürftige.

Mehr individuelle Pflege

Statt „Standardpflege von der Stange“ brauche es Freiräume für eine indi­viduelle, bedürfnis­orien­tierte Pflege. „Pflege muss sich immer an den Bedürf­nissen des einzelnen Menschen orientieren und darf nicht durch starre, von außen vorgegebene Kriterien bestimmt werden“, so Egger. Zudem plädiert er für mehr solitäre Kurz­zeit­pflege-Einrich­tungen, um den Übergang vom Krankenhaus zurück ins eigene Zuhause zu erleichtern.

Die AWO Schwaben ist ein Verband der Freien Wohlfahrts­pflege mit mehr als 2.800 Mit­arbeiIter*innen. Der Bezirks­verband betreibt rund 100 Ein­richtungen und Dienste in den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, Altenhilfe, Behin­derten­hilfe und Gesund­heits­hilfe. Hierzu zählen unter anderem 37 Kinder­tages­ein­richtungen, 22 Senioren­heime, das Sozial­zentrum in Neuburg a. D., zwei Fachklinken für Suchtkranke sowie das Zentrum für Aidsarbeit Schwaben (ZAS). Damit gehört der AWO Bezirks­verband zu den größten sozialen Dienst­leistern in Schwaben. In 13 Kreis­verbänden und rund 70 Orts­vereinen sind fast 7.000 Mitglieder ehren­amtlich organisiert.