Italo auf deutschen Gleisen: SPD warnt vor Rosinenpickerei
Der angekündigte Markteintritt des italienischen Bahnbetreibers Italo im deutschen Schienenfernverkehr sorgt für politischen Widerstand. Die Augsburger Landtagsabgeordnete Anna Rasehorn (SPD) fordert klare Regeln – und warnt davor, dass Augsburg zum Durchfahrtsbahnhof werden könnte.
Von Bruno Stubenrauch
Italienischer Hochgeschwindigkeitszug (Symbolbild)
Ab 2028 will das italienische Bahnunternehmen Italo auf deutschen Schienen fahren – geplant sind unter anderem die lukrativen Strecken München–Berlin und München–Dortmund, mit möglichst wenigen Zwischenhalten. Für Rasehorn ist genau das das Problem: Private Anbieter hätten einen starken wirtschaftlichen Anreiz, sich auf profitable Hauptachsen zu konzentrieren – während weniger rentable Verbindungen und Regionalhalte unter Druck geraten.
„Augsburg darf nicht zum Durchfahrtsbahnhof werden, nur damit private Anbieter auf dem Papier ein paar Minuten schneller sind“, betont Rasehorn. Reisezeitgewinne im deutschen Netz seien ohnehin meist nicht durch höhere Geschwindigkeit möglich – sondern durch das Auslassen von Zwischenhalten wie Augsburg, Ulm oder Donauwörth.
Querfinanzierung in Gefahr
Bislang wird der Schienenfernverkehr in Deutschland eigenwirtschaftlich betrieben – ohne staatliche Bestellung wie im Nahverkehr. Die Deutsche Bahn finanziert dabei weniger profitable Strecken intern quer. Genau dieses System könnte ins Wanken geraten, wenn Italo der DB auf den stärksten Achsen Fahrgäste abwirbt. SPD-Verkehrsexpertin Sabine Gross warnt: Städte wie Augsburg, Ingolstadt und Bamberg könnten laut einer Analyse der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG ihre ICE- und IC-Anbindung verlieren.
„Wir sagen Ja zum Wettbewerb auf der Schiene – aber nur unter fairen Bedingungen“, so Gross. Es könne nicht sein, dass ein Unternehmen ein Komplettprogramm erfüllen müsse, während ein anderes sich die lukrativsten Verbindungen herauspicke.
Klare Regeln vor dem Markteintritt
Rasehorn fordert, große Markteintritte so lange zu verzögern, bis der Bund eine verbindliche Marktordnung geschaffen hat. Denkbar sei ein Modell, bei dem Fernverkehrslinien künftig in Paketen ausgeschrieben werden – attraktive und weniger rentable Strecken gemeinsam. Auch die Staatsregierung sieht sie in der Pflicht: Die SPD-Fraktion im Landtag hat einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, der Bayern auffordert, sich in Berlin für klare rechtliche Rahmenbedingungen einzusetzen.
„Wenn der Bund im Fernverkehr keine klare Ordnung schafft, geraten am Ende Regionalzüge, Takte und Halte unter Druck. Das kann niemand wollen“, so Rasehorn.




