Augsburg kann Brecht
Ein Nachtrag zur Inszenierung der „heiligen Johanna“ im Großen Haus
Von Frank Heindl
Darum, wer unten sagt, dass es einen Gott gibt und ist keiner sichtbar /
Und kann sein unsichtbar und hülfe ihnen doch /
Den soll man mit dem Kopf auf das Pflaster schlagen /
Bis er verreckt ist.
(Bertolt Brecht: Die Heilige Johanna der Schlachthöfe)
Kurze Vorbemerkung
Ich habe bis zu diesem Monat nahezu die komplette Augsburger Theatersaison sowie das komplette Brechtfestival verpasst. Auch die politischen Diskussionen – besser: das politische Schweigen – zum Thema der Sanierung des Stadttheaters kenne ich nur aus der DAZ und aus „der Zeitung“.
Statt Internationalität nur Peymann
Das – mir nur von der Website bekannte – Programm des diesjährigen Brechtfestivals schien mir in einem wichtigen Punkt ein herber Rückschritt im Vergleich zum Vorjahr: Das ungarische Katona Jószef Theater mit seiner mutigen Adaption des „Lebens Eduards des Zweiten“ und das neapolitanische Teatro Elicantropo mit einer slapstickhaften „Mutter“ standen 2014 für den Versuch, aktuelle Brecht-Produktionen aus anderen Ländern nach Augsburg zu holen. Diesmal gab’s nur eine inländische und – dem Hörensagen nach – „typisch konservative“ Claus-Peymann-Inszenierung aus Berlin. Die Gründe für diese Änderung am Konzept wären noch zu recherchieren. Schade jedenfalls.
Aus Augsburg eine bemerkenswerte „Johanna“ (mehr …)