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Sonntag, 28.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Musik

Gesampelte Sounds der Welt und des Lebens

Walter Bittners Zakedy Music mit neuer CD in der „Kiste“

Von Frank Heindl

Es begann ganz akustisch, mit einer brasilianischen „Choro“: Akkordeon, Bass, Klarinette, Tamburin. Doch so folkloristisch angehaucht blieb der Abend nicht lange, als Walter Bittner und seine Band „Zakedy Music“ am Montagabend in der Kiste ihre neue CD vorstellten. Denn die neue Scheibe „Imago“ versteht sich als “moderne Suite“, sie vereinigt viel Gegensätzliches und damit vieles von dem, was Bittner im Laufe seines musikalischen Lebens gemacht hat (siehe DAZ-Interview).

„Imago – A Modern Suite“ von Walter Bittners Zakedy Music ist bei GLM Music erschienen und im CD-Handel erhältlich.


Schon beim zweiten Stück des Konzerts, dem ersten der CD, sind deshalb auch erstmals Bittners Samples zu hören – kurz gesagt sind diese eine Mischung aus computerproduzierten Sounds und selbst aufgenommenen Originalklängen, die der Drummer an einem speziellen Gerät mittels Schlagzeug-Stick abrufen kann. Das ergibt schöne Effekte, etwa wenn der ganze Groove von der Elektronik kommt und Bittner sich währenddessen auf dem Schlagzeug anderweitig hochkomplex austoben kann. Ihre Spannung bezieht Bittners Musik aber nicht nur vom Gegensatz zwischen Trommeln und Elektronik – von vielen weitere Unvereinbarkeiten speist sie sich. Da ist zum Beispiel noch im selben Stück die Energie freisetzende Reibung zwischen Weihnachtslied (O Tannenbaum, o Tannenbaum, du trägst ein grünes Kleid) und Techno-basiertem Groove und auch das virtuos subtile Akkordeonspiel von Daniel Mark Eberhard, das sich funkensprühend an den Maschinensound vom Sampler schmiegt.

Originalsound vom ersten Diesel-Motor

Auch mit ihrer Version von „Fuchs du hast die Ganz gestohlen“ demonstriert die Band eine alte Weisheit: dass nämlich ein paar komplexe Jazzakkorde aus den einfachsten Kadenzen einen unglaublichen harmonischen Wirbel entfachen können. Hier steuert der Sampler noch eine traumhafte Wald- und Wiesenidylle bei, die im originalen Kinderlied leider nie vorkam, aber auf diese Weise dessen Duktus des kindlich empfundenen „einfach Schönen“ erhält.

Diese Technik vollendet die Band anschließend in „Maienzeit“, einem weiteren Volkslied, in dem Klavier (ebenfalls Daniel Mark Eberhard) und Klarinette (Stephan Holstein, auch an den Saxophonen) sanft malen und träumen und aus dieser „stillen Leidenschaft“ heraus selbst dann keine harten Töne finden, wenn sie gleichzeitig dynamisch, laut und kraftvoll drücken und treiben. Im sanften wie im lauten Teil trägt Uli Fiedler am Kontrabass kraftvoll-gefühlvoll entscheidend zum Gelingen bei.

Musik in ständiger Bewegung wie ein Schiff im Sturm

In diesem Sinn das Unvereinbare immer neu vereinbarend, ging das Konzert im bis über den letzten Platz hinaus gefüllten Puppenkiste-Foyer vor jubelndem Publikum weiter. Im zweiten des von Bittner als autobiographische Suite gedachten Konzeptalbums geht es um die Brüche, die das Leben nicht nur des Musikers ausmachen. Unter anderem in „Diesel“, einem Stück, das Bittner und Holstein für den Erfinder des Dieselmotors geschrieben haben und dessen Groove auf einem Sample des ersten funktionierenden Dieselmotors basiert – von Bittner eigenhändig im MAN-Museum gesampelt. Extrem dynamisches Auf und Ab ist in diesem Teil zu hören, teils ändert sich innerhalb eines Stücks mehrfach das Tempo, die Musik ist in ständiger Bewegung wie ein Schiff im Sturm, es treffen Sounds aufeinander, die definitiv nicht zueinander gehören und doch ein einheitliches Bild in impressionistischen Farben ergeben – überhaupt könnte man über das ganze Konzert leicht auch in Begriffen der Malerei sprechen.

Im dritten Teil seiner Suite führt Bittner viel von dem zusammen, was für seine Musikerleben wichtig war und ist. Auch seine Ex-Band „Double you-be“ hört man da gerne noch einmal heraus. Bezeichnenderweise beginnt das Stück „Urbanity“ mit Marktklängen aus Indonesien, vereinigt coolen Barjazz mit dem Geräusch eines davonfliegenden Helikopters, Ambient  mit hippen Saxklängen – die Stadt als Sampler des Sounds  der Welt, im Zentrum Bittners Schlagzeug, das mit Groove und Percussion die Musik in Bereiche der Ekstase davon trägt. Großer Applaus für ein Konzert der Oberklasse – das wird auch bestätigt von der im Nachhinein gehörten CD.

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