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Donnerstag, 04.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Museen

Dr. Carmen Reichert wird neue Leiterin des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben

Nach dem Wechsel von Dr. Barbara Staudinger nach Wien wird Dr. Carmen Reichert (36) zum 1. Mai 2022 die Direktion des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben übernehmen. Die Literaturwissenschaftlerin, Historikerin und Pädagogin kehrt mit dem Wechsel nach Augsburg in ihre Geburtsstadt zurück.

Carmen Reichert — Foto: © Silvio Wyszengrad

„Wir sind froh, innerhalb so kurzer Zeit jemanden gefunden zu haben, der den erfolgreichen Weg von Dr. Barbara Staudinger fortsetzten wird.“, so Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Hans-Eberhard Schurk, Vorstand der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben. „Das Jüdische Museum Augsburg Schwaben wird von Dr. Carmen Reicherts breit gefächerten Interessen und Kompetenzen außerordentlich profitieren.“

Reichert freut sich darauf, mit der neuen Aufgabe zwei ihrer Arbeitsschwerpunkte vereinen zu können, die sie bisher nebeneinander verfolgt hat: die Wissenschaft und die Öffentlichkeitsarbeit. Während ihres Studiums und ihrer Promotionszeit an der LMU München arbeitete sie als freie Journalistin u.a. für die Augsburger Allgemeine, das dpa Landesbüro München und verschiedene jüdische Medien. 2018 wechselte sie an die Universität Augsburg, wo sie ein interdisziplinäres und internationales Projekt zu jüdischen Sprachdebatten im frühen 20. Jahrhundert koordiniert hat. Zurzeit unterrichtet sie an der LMU München jiddische Literatur, zugleich arbeitet sie bei der Europäischen Janusz-Korczak-Akademie im Bereich der Erwachsenenbildung, u.a. am Ausstellungsprojekt „Mit Davidstern und Lederhose“.

Ihre Kenntnisse aus der journalistischen Arbeit möchte sie für die Gestaltung einer neuen Dauerausstellung nutzen, die sie sich an moderne Lese-, Seh- und Hörgewohnheiten anpasst und Menschen anspricht, die vielleicht zum ersten Mal in Berührung mit jüdischen Themen kommen. Zugleich soll das Angebot für besonders Interessierte und Expert*innen erweitert werden – durch vertiefende Audio- und Videobeiträge in der Dauerausstellung ebenso wie auf der Webseite und in Form von Publikationen. Bei den Wechselausstellungen und Projekten möchte an den bisherigen, erfolgreichen Kurs anknüpfen: „Das Museum zu den Menschen zu bringen, anstatt zu warten, bis sie den Weg ins Museum finden, ist ein Gedanke, der auch meine Arbeit prägen wird.“

Wichtig sei ihr, jüdisches Leben in der Vergangenheit und heute in seiner Vielfalt und seinen Widersprüchen darzustellen. „Aus weit über tausend Jahren schwäbisch-jüdischer Geschichte lassen sich unglaublich viele spannende Geschichten erzählen, die auch uns immer wieder überraschen. Es gab in Schwaben viele jüdische Händler und Hausierer, aber es gab eben auch jüdische Banditen, Biedermeier, Barrikadenkämpfer, Dirnen und Dienstboten.“, sagt die 36-Jährige. Jüdische Geschichte sei ein Teil schwäbischer Geschichte, zu dem viele Menschen den Zugang verloren hätten – nicht zuletzt in Folge des radikalen Versuchs der Nationalsozialisten, alle Erinnerung an die gemeinsame deutsch-jüdische Geschichte auszulöschen. Diese Geschichten wiederzuentdecken sei eine wesentliche Aufgabe jüdischer Museumsarbeit.

Ein besonderes Anliegen ist Reichert die Wiederentdeckung des hebräischen und jiddischen Buchdrucks in Augsburg – einem Teil der Stadtgeschichte, der heute nur sehr wenigen Expert*innen bekannt ist. Die Geschichte der jüdischen Buchdruckerei in Augsburg führe besonders deutlich vor Augen, dass jüdische und allgemeine Geschichte untrennbar verbunden sind: „Die Illustration des Augsburger Arba‘a Turim, einer wichtigen religiösen Schrift, übernahm niemanden Geringeres als Hans Holbein der Jüngere“, so Reichert.

 

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