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Freitag, 17.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Präsentation der Kunstsammlungen: Die Münzen der freien Reichsstadt Augsburg von 1521 bis 1805

Am 21. Mai 1521 wurde der Reichsstadt Augsburg das Münzrecht verliehen. Aus den rund 300 Jahren, in denen die Stadt ihre eigenen Münzen prägen durfte, sind etwa 770 verschiedene Münzen bekannt. Passend zum 500-jährigen Jubiläum der Verleihung des Münzrechts, stellt der Augsburger Münzsammler Anton Vetterle mit seinem Katalog „Die Münzen der freien Reichsstadt Augsburg von 1521 bis 1805“ nun ein neues Standardwerk vor. Große Teile davon zählen zum Bestand des Maximilianmuseums.

Genau vor 500 Jahren, am 21. Mai 1521, verlieh Kaiser Karl V. auf dem Wormser Reichstag mit dieser Urkunde das Münzrecht an Augsburg. Bildnachweis: Anton Vetterle

Das neue Standardwerk ist ein sehnsuchtsvoll erwarteter und besonders wertvoller Beitrag, auf dessen Basis die eng mit der Stadtgeschichte verknüpfte Münzgeschichte nun weiter erkundet werden kann“, so Kulturreferent Jürgen K. Enninger zur Bedeutung des Münzkatalogs von Vetterle.

Neue Sonderseite: www.kmaugsburg.de/Muenzrecht

Zur Veröffentlichung des Katalogs, der auch bislang nicht veröffentlichte Münzen in Bild und Text zeigt, gibt es auf dem Portal der Kunstsammlungen und Museen Augsburg eine multimediale Sonderseite, welche die eigentlich geplante Buchvorstellung im Maximilianmuseum ersetzt. Dort berichtet Autor Anton Vetterle in Videostatements von der Bedeutung der Münzrechtsvergabe für die Stadt. Fotos kunstvoll gestalteter und geschichtsträchtiger Münzen zeugen zudem vom Prosperieren der Kunstmetropole Augsburgs.

Münzgeschichte zeugt von Goldenen Zeiten der Reichsstadt

Vor 500 Jahren unterschrieb Kaiser Karl V. (1500-1558) auf dem Reichstag zu Worms eine Urkunde, die der Reichsstadt Augsburg das Recht gab, selbstständig Münzen zu prägen. Die Verleihung war ein Glücksfall für die Stadt, denn das Münzrecht war eine gute Einnahmequelle. Der Materialwert von Gold, Silber oder Kupfer, der für eine Münze benötigt wurde, lag unter dem eigentlichen Ausgabe-Wert der geprägten Münze. Die Differenz, der sogenannte Schlagschatz, füllte die Stadtkasse. Münzmeister, meist Mitglieder Augsburger Goldschmiede- Familien, waren mit der Herstellung der Münzen betraut. Entsprechend künstlerisch waren oft die Prägungen gestaltet.

Der kleine Heller, ein Kupferpfennig, ist die letzte Prägung der freien Reichsstadt Augsburg von 1805.
Bildnachweis: Anton Vetterle

Die Münzen der Fuggerstadt waren wegen ihrer hohen Qualität und Reinheit im ganzen Reich als Zahlungsmittel geschätzt. Die Prägetätigkeit endete erst 1805, als Augsburg mit dem Ende des Alten Reichs (1806) dem Königreich Bayern zufiel, das von nun an die Münzhoheit innehatte.

Neues Standardwerk erscheint zum Jahrestag am 21. Mai: „Die Münzen der Freien Reichsstadt Augsburg“

Pünktlich zum 500. Jahrestag der Verleihung des Münzrechts erscheint mit dem Katalog „Die Münzen der freien Reichsstadt Augsburg von 1521 bis 1805“ ein neues Standardwerk. Der Augsburger Münzexperte Anton Vetterle dokumentiert darin die rund 800 verschiedenen Münzen, die während der etwa 300- jährigen Prägetätigkeit in der Reichsstadt entstanden. Alle Münzen sind in Farbe abgebildet und genau beschrieben. Enthalten sind auch zahlreiche Münzen die bislang noch unveröffentlicht waren.

Das bisherige Standardwerk ist bereits mehr als 100 Jahre alt: Albert von Forster und Richard Schmid hatten im Jahr 1897 erstmals einen Katalog zu Augsburger Münzen veröffentlicht und mit einigen Abbildungen versehen. 1910 ließ Albert von Forster ein weiteres Buch drucken: „Die Erzeugnisse der Stempelschmiedekunst in Augsburg und Ph. H. Müller’s nach meiner Sammlung beschrieben und die Augsburger Stadtmünzen“. Ein Nachtrag dazu erschien 1914.

Ein Schatz in der Sammlung: Das Münzkabinett im Maximilianmuseum

Ein großer Teil der in Augsburg geprägten Münzen befindet sich im Bestand des Maximilianmuseums, das die größte und bedeutendste Sammlung in öffentlicher Hand besitzt. „Die Münzsammlung zeigt, wie wichtig das Münzrecht für die Reichsstadt Augsburg war“, so Dr. Christoph Emmendörffer, Leiter des Maximilianmuseums. „Der Handel mit Edelmetallen bildete nicht nur die Grundlage für die Münzgeschäfte der Augsburger Bankhäuser, sondern trug auch entscheidend zur Blüte des städtischen Goldschmiede-Handwerks bei.“ Die städtische Sammlung umfasst 1.800 Stücke. Ein Teil davon wird im Münzkabinett präsentiert. Zu sehen sind dort zudem wertvolle Augsburger Medaillen. Bei ihnen handelt es sich nicht um Zahlungsmittel, sondern um künstlerisch herausragende Gedenkmünzen auf Personen, Institutionen, historische und private Ereignisse.

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Anton Vetterle – Foto: Kunstsammlungen Augsburg

Anton Vetterle sammelt bereits seit 1966 Münzen aus verschiedenen Bereichen und Epochen. Er begann mit Münzen aus der Bundesrepublik, später nahm er auch Münzen der Weimarer Republik und des Deutschen Kaiserreichs sowie des Mittelalters und der Antike in seine Sammlung auf. Das größte Interesse aber gilt den Münzen seiner Heimatstadt Augsburg. Als Mitglied des Schwäbischen Münzclubs Augsburg hatte er bereits vor Jahren einen neuen Katalog über die Münzen Augsburgs angeregt und passend zum 500. Jubiläum der Vergabe des Münzrechts schließlich verwirklicht. 5.000 Münzen aus unterschiedlichen Sammlungen hat er dafür in den vergangenen drei Jahren im Rahmen des Buchprojektes fotografiert und dokumentiert.