Klimacamp in Augsburg: Klimaschutz oder politisches Aktionsforum?
Vom 2. bis 7. Juni schlägt das Klimacamp im Wittelsbacher Park erneut seine Zelte auf. Neben Workshops zu Klimagerechtigkeit, Energie- und Mobilitätswende umfasst das Programm in diesem Jahr auch Vorträge und Diskussionsformate, die weit über klassische Umwelt- und Naturschutzthemen hinausreichen.
Von Bruno Stubenrauch
Banner auf dem Klimacamp 2025
Ziel des Camps ist nach Angaben der Veranstalter der Austausch über Klimaschutz, Protestformen und gesellschaftliche Veränderungsprozesse. Das öffentliche Programm richtet sich ausdrücklich auch an Einsteiger und wird täglich durch Vorträge, Filmabende und Lesungen ergänzt.
Climate Change oder System Change?
Ein Blick in den Ablaufplan zeigt die breite inhaltliche Spannweite der angekündigten Veranstaltungen: Neben klassischen ökologischen Debatten finden sich dort Beiträge zu politischen Aktionsformen, gesellschaftlichen Machtstrukturen und Fragen des zivilen Ungehorsams. Einzelne Programmpunkte – darunter eine Filmvorführung zu Protestbewegungen gegen den Rechtsruck, Workshops zu herrschaftskritischen Gesellschaftsmodellen sowie Beiträge zur Seenotrettung, zu Veganismus und zu digitalen Endgeräten – erweitern den Rahmen deutlich über den eines reinen Umweltcamps hinaus.
Eingeladen ist auch die Autorin und Klimaaktivistin Lisa Poettinger, die aus ihrem Buch „Klimakollaps und soziale Kämpfe“ lesen wird. Ihre Person steht im Fokus eines öffentlichen Diskurses, der weit über die Klimabewegung hinausreicht – insbesondere im Zusammenhang mit ihrer Nichtzulassung zum staatlichen Schuldienst. Das Bayerische Kultusministerium verweist hierbei auf die strengen Anforderungen an die Verfassungstreue im öffentlichen Dienst.
Klimaschutz als Vehikel?

Klimaschutz oder AfD-Bashing? (Bilder: Pressefotos Klimanetz Augsburg)
Während die Veranstalter betonen, dass Klimafragen untrennbar mit sozialen und politischen Gerechtigkeitsdebatten verknüpft sind, sehen Kritiker in dieser Ausweitung eine zunehmende Politisierung des Formats. Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz weist in diesem Kontext allgemein darauf hin, dass linksextremistische Gruppierungen immer wieder gesellschaftlich anschlussfähige Themenfelder wie den Klimaschutz nutzen, um gezielt junge Zielgruppen zu erreichen.
Auch die wiederkehrende personelle Überschneidung von Akteuren aus dem Umfeld des Camps mit anderen Protestaktionen in der Fuggerstadt – zuletzt gegen den AfD-Neujahrsempfang oder die Live-Podiumsdiskussion der Augsburger Allgemeinen zur Oberbürgermeisterwahl wegen der Beteiligung des AfD-Kandidaten – dient Kritikern als Argument für diese These.
Eine pauschale Zuordnung des Augsburger Klimacamps zu solchen Strömungen lässt sich daraus natürlich nicht ableiten. Die öffentliche Debatte über Ausrichtung, Selbstverständnis und politische Einordnung dürfte das Format jedoch auch in diesem Jahr intensiv begleiten. Das Camp wird sich die Frage gefallen lassen müssen, ob es sich noch primär als Plattform für den Klimaschutz versteht.
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