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Mittwoch, 14.10.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

FCA

Kommentar zum FCA: Das Spiel in Leverkusen hat das Augsburger Torhüterproblem nicht gelöst, sondern eher verschärft

Ein Fußballergebnis spiegelt als Einzelereignis nicht immer den Spielverlauf wider – manchmal gewinnt die schlechtere Mannschaft mit Spielglück, manchmal verliert die bessere Mannschaft wegen Chancenwucher oder durch schwerwiegende Einflüsse von außen, wie zum Beispiel bei Fehlentscheidungen des Schiedsrichters. Dafür gibt es im Sportjournalismus, aber auch in der Rhetorik der Fußballtrainer Sprachschablonen, die man wohlwollend als „Musteranalysen“ bezeichnen kann. 

Kommentar von Siegfried Zagler

Manchmal aber bildet ein Fußballergebnis einen Spielverlauf und die Leistungsfähigkeit der beteiligten Mannschaften so ungeheuerlich falsch ab, dass man gut daran tut, das Ergebnis nicht ernst zu nehmen. Das kommt zwar selten vor, aber wiederum nicht so selten, dass man nach dem Spiel nicht ganz so viel unbedachtes Zeug daher reden muss, wie das beim FCA nach dem Glückssieg gegen Leverkusen der Fall war.

Halten wir also fest, dass der Augsburger Sieg gegen Leverkusen glücklich zustande kam, weil die Bayer-Kicker zwar oft Großchancen herausspielten, sie aber nicht verwerten konnten. Letzteres hat nichts mit der Leistung der Augsburger zu tun, wenn man davon absieht, dass deren Torhüter Gikiewicz ein paar Bälle hielt, die Bundesligatorhüter eben zu halten haben.

FCA-Abwehr vor der Box zu unsortiert 

Die hohe Anzahl der Bayer-Großchancen hat dagegen sehr viel mit dem FCA zu tun, der es besonders auf seiner linken Seite viel zu oft zuließ, dass die Leverkusener mit einfachsten Mitteln zur Grundlinie durchkamen, um von dort mit viel Zeit zu Pässen oder Flanken zu kommen. Wurde die erste Abwehrreihe der Augsburger überspielt, hatten die handlungsschnellen Bayer-Angreifer meistens zu viele Optionen für die Box, wirkte der FCA unsortiert und unreif im Vor-dem-Strafraum-verteidigen. 

Jedem Trainer, jedem Jugendspieler sei an dieser Stelle empfohlen, das Abwehrverhalten von Elvis Rexhbecaj beim Ausgleichstreffer der Leverkusener unter die Lupe zu nehmen. Mit Bundesligafußball hat das nichts zu tun: Zuerst lässt sich Augsburgs Neuzugang mit einem einfachen Trick wie eine Litfasssäule umkurven, dann öffnet er die Arme als Zeichen der Resignation, um stehend zuzusehen, wie der Pass seines Gegenspielers im zweiten Versuch seinen Weg ins FCA-Tor findet. 

Das sind Fehler, die man selbst beim Amateurfußball nicht sieht

Auf dem Niveau einer Thekenmannschaft zeigte sich der FCA auch in der 22. Minute, als Rexhbecaj zur rechten Eckfahne lief, weil er den Eckball treten wollte, für den sich Arne Maier dort gerade den Ball zurecht gelegt hatte. Nach einem kurzen Disput trat dann doch Maier den Ball (zu kurz) vors Tor, ohne darauf zu warten, bis Rexhbecai wieder auf Position war. Beim schnellen Gegenstoß hatte Bayer auf Rexhbecajs Seite Überzahl, ohne diesen Fauxpas verwerten zu können. Das sind Fehler, die man selbst beim Amateurfußball nicht sieht.

In der 69. Minute brachte Gumny im „Zusammenspiel“ mit Gruezo Aranguiz zum erfolgreichen Torschuss, dabei war der Ball bereits abgewehrt. Das Schiedsrichtergespann entschied mittels VAR auf Stürmerfoul – und lag dabei richtig, was aber nichts mit der Leistung der FCA-Abwehr zu tun hatte, die die Riesenchance von Bayer erst generierte, indem Azmoun wie im Training kerzengerade und allein auf Gikiewicz zulaufen konnte.

FCA ähnlich fahrig wie gegen Freiburg

Um es abzukürzen: Bereits das 1:1 zur Halbzeit in Leverkusen kann man nur mit viel Augenwischerei als ein dem Spielverlauf entsprechendes Ergebnis durchgehen lassen. Dass aber der FCA die zweite Halbzeit mit einem Torschuss gegen zirka 20 Torschüsse seitens Bayer für sich entscheiden konnte, hat wenig bis nichts mit dem FCA zu tun, der in der zweiten Halbzeit ähnlich fahrig spielte, wie das gegen Freiburg der Fall war. Nach vorne ging gar nichts mehr. Hahns Treffer resultierte aus einem langen Ball von Gikiewicz. 

Jede Spielanalyse, die das Spielergebnis in irgendeinen Zusammenhang mit der FCA-Leistung bringt, ist falsch. Bayer hat das Spiel alleine verloren. Der FCA wäre, wie gegen Freiburg, mit einer Packung untergegangen, hätte Leverkusen nur jede zweite Torchance in einen Treffer umgemünzt.

Ergebnisunabhängig ist zu konstatieren, dass der Sieg in Leverkusen das Augsburger Torhüterproblem nicht gelöst hat, sondern eher verschärft, da Gikiewicz Leistung das ohnehin zu späte Handeln der FCA-Führung bei der Torhüterfindung konterkarieren konnte – jedenfalls bis zur nächsten Partie gegen Mainz.

Gikiewicz bleibt ein Unsicherheitsfaktor 

Rafal Gikiewicz ist kein spielender Torwart und bleibt wohl ein Unsicherheitsfaktor in der Augsburger Abwehr, daran ändert ein Ausreißer wie gegen Leverkusen nicht viel. Zweitens fehlt dem FCA ein defensivstarker Sechser, wie es Khedira war. Und drittens fehlt dem FCA weiter ein starker Abwehrspieler im Zentrum. Sollten Dorsch und Oxford wieder formstark zurückkommen, muss sich der FCA dennoch im defensiven wie im offensiven Zentrum verstärken. Auch die Räume auf den Außen, die die Freiburger wie die Leverkusener zu nutzen verstanden, müssen geschlossen werden.

In 22 Bundesligabegegnungen ergatterte der FC Augsburg so manchen Punkt (8 Unentschieden) gegen Leverkusen und verlor den Rest stets sang- und klanglos, manchmal auch recht hoch. Dass der FCA aber in seiner bisher wohl schwächsten Bundesligapartie gegen Bayer Leverkusen im 23. Anlauf zum ersten Mal gewinnt, hat einen hohen Ironiewert und wenig bis nichts mit der Leistung der Augsburger zu tun. 

Gerne nimmt man die Punkte mit und natürlich darf man sich auch über einen geschenkten Sieg freuen. Festzuhalten ist aber, dass der FCA kaum besser als in der Vorwoche gegen Freiburg agierte, als die Augsburger mit einem 0:4 in der zweiten Halbzeit noch gut bedient waren.

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