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Dienstag, 14.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Elias Holl: Eröffnung der großen Ausstellung im Maximilianmuseum

Anlässlich des 450. Geburtstags Elias Holls startet am morgigen Samstag, den 17. Juni, die große Augsburger Holl-Ausstellung im Maximilianmuseum. Es handelt sich um eine beeindruckende, wissenschaftlich sortierte Gesamtschau zum Leben und Schaffen von Elias Holl, dessen Bauten bis heute das Augsburger Stadtbild prägen. Die Ausstellung wird bis zum 17. September zu sehen sein. Eine DAZ-Rezension von Dr. Helmut Gier folgt.

Zweites Mittelgiebelmodell zum neuen Rathaus, 94,5 x 93 x 71,5 cm, Zeder, Tanne, farbig gefasst – Foto: Roman Tarasenko, KMA

Elias Holl zählt zu den bedeutendsten deutschen Architekten des 17. Jahrhunderts. Mit seinem Namen verbindet sich die durchgreifende Umgestaltung Augsburgs. In der Zeitspanne von nur einem Menschenleben geschaffen, prägen Holls Bauten als ein unverwechselbares historisches Erbe. Anlässlich des 450. Geburtstags Holls, der in den Jahren von 1602 bis 1630 und von 1632 bis 1635 als Stadtwerkmeister tätig war, werden sein Schaffen und seine Zeit in der Ausstellung beleuchtet.

334 Ausstellungs-Objekte im ganzen Museum

Das gesamte Maximilianmuseum, darunter auch die Modelle des Rathauses, ist in die Ausstellung einbezogen. Insgesamt werden 334 Objekte gezeigt, darunter wertvolle Leihgaben wie beispielsweise eine Lavabo-Garnitur (Kanne und Becken) aus dem Augsburger Kunstschrank für König Gustav II. Adolph von Schweden aus dem Museum Gustavianum, Universität Uppsala. Interaktive Medienstationen ermöglichen es, Holls Planungen für das Rathaus nachzuvollziehen und zeigen die ursprüngliche, im 2. Weltkrieg zerstörte Innenausstattung.

„Tag für Tag sehen wir seine Werke, seine Spuren – sie sind in Augsburg, in unserem Alltag, allgegenwärtig. Die Ausstellung zeigt in beeindruckender Weise, dass es sich lohnt auch den Meister genau zu betrachten. ‚Elias Holl (1573 – 1646) Meister Werk Stadt‘ ist des legendären Architekten und dieses großen Jubiläumsabsolut würdig. Die Ausstellung zeichnet ein präzises Bild seiner interessanten Persönlichkeit und bietet nebenbei spannende Einblicke in Holls Epoche und die Entstehungszeit unseres Augsburg als „Stadt der Renaissance“, als die es noch heute – rund 400 Jahre später – weltberühmt und für uns alle identitätsstiftend ist“, so Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber.

Holls Leben ist ein Spiegel der Zeitgeschichte

Holls Leben und Werk fallen in eine Phase einzigartiger Blüte von Kunst und Wissenschaft in Augsburg. Selbstbewusst blickte man auf eine bis in die Antike zurückreichende Geschichte und die herausgehobene Stellung als Reichsstadt im „Heiligen Römischen Reich“. Holls Leben ist ein Spiegel der Zeitgeschichte, vor allem der außergewöhnlichen Entwicklung seiner Vaterstadt, die schwer unter den Umbrüchen des 30-jährigen Krieges litt.

Eine vielschichtige Persönlichkeit

Eingang zur Ausstellung im Viermetzhof des Maximilianmuseums Foto: Monika Harrer/ KMA

Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Künstlern und Baumeistern des Frühbarocks lässt sich heute nicht nur anhand der erhaltenen Bauten, sondern vor allem aufgrund der vielen noch vorliegenden schriftlichen Quellen, darunter Holls Autobiografie, der sogenannten Hauschronik, ein Bild von der Persönlichkeit des Augsburger Stadtwerkmeisters machen. Holl war ein Baumeister und Bauingenieur, dessen Expertise als Sachverständiger und auch als Architekt weit über Augsburg hinaus gefragt war. Er zeichnete sich durch enormen Fleiß aus und war auch nicht so bescheiden, dies zu verschweigen. Er war in seinem Fach ein „Überzeugungstäter“ – immer auf der Suche nach dem besten Ergebnis. Seine bis heute erhaltenen Bauten bestätigen dies. Er wusste um seinen Wert und trat nicht nur gegenüber seinen Mitarbeitern und Amtskollegen, sondern auch gegenüber seinen Vorgesetzten bis hinauf zur Stadtspitze selbstbewusst auf. Wie die Mehrheit der Augsburger Einwohnerschaft war Holl Protestant und tief gläubig. Für seinen evangelischen Glauben opferte er daher auch seine hochangesehene und sehr gut bezahlte Stelle als Stadtwerkmeister.

Holl und seine Familie

Elias Holls Ehefrauen spielten in seinem Leben eine wichtige Rolle: Aus Liebe zu seiner ersten Frau Maria Burkhart verzichtete er auf die Gesellenwanderung. In seinen beiden Ehen, mit Rosina Reischle und Maria Burkhart, hatte er insgesamt 21 Kinder. Holl bezog seine Kinder bei offiziellen Anlässen wie der Grundsteinlegung zum neuen Rathaus oder beim Aufsetzen des Turmknopfes des Perlachturms mit ein. Großen Wert legte er zudem auf eine Ausbildung seiner Söhne bzw. auf gute Heiraten seiner Töchter.

 

Holl immer noch aktuell

Nach den Ausstellungen von 1946 (300. Todestag, Schaezlerpalais), 1973 (400. Geburtstag, Holbeinhaus) und 1985 zur 2000-Jahr-Feier (Rathaus, Goldener Saal und zwei Fürstenzimmer) handelt es sich nunmehr um die vierte, nun im Maximilianmuseum ausgerichtete Ausstellung der Stadt zu Ehren ihres einstigen Werkmeisters. „Elias Holl ist immer noch aktuell“, bestätigt Dr. Christoph Emmendörffer, Leiter des Maximilianmuseums und Kurator der Ausstellung. „Jede Zeit hat sich in ihm wiedererkannt: Ob Genie, Patriot, loyaler Staatsbürger oder Märtyrer für seinen Glauben – er ist seit über 400 Jahren Identifikationsfigur für viele Augsburgerinnen und Augsburger.“

Holl steht für eine Zeit mit fragilem Frieden

„Elias Holl steht für den Ruhm Augsburgs als Renaissance-Stadt. Er steht aber auch als Symbolfigur für eine Zeit, in der Frieden möglich war und gleichzeitig für die Fragilität dieses Friedens. Eines Friedens, für den wir auch heute in einer demokratischen Gesellschaft angesichts der Kriege und Krisen unserer Zeit immer wieder kämpfen müssen“, so Claudia Roth MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien sowie Schirmfrau der Ausstellung in ihrer Festrede im Goldenen Saal des Rathauses.

Original-Bronzen des Augustusbrunnens erstmals komplett

„Wer das Maximilianmuseum betritt und die Ausstellung durchschreitet, erlebt gleichzeitig die besondere Aura des Viermetzhofs mit dem UNESCO-Welterbe der Brunnenfiguren von Hubert Gerhard und Adriaen de Vries. Mit der kurz vor Ausstellungseröffnung erfolgten Aufstellung der restlichen Bronzen vom Augustusbrunnen präsentiert sich dieses einzigartige Ensemble erstmals komplett in seinem neuen musealen Umfeld“, so Dr. Christof Trepesch, Leitender Direktor der Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Die vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege unter der Leitung von Kerstin Brendel restaurierten Figuren, wurden im März 2023 dem Maximilianmuseum übergeben. Sie sind nun auf der Altane im Viermetzhof bei den seit 2018 dort präsentierten Original-Bronzen des Augustusbrunnens aufgestellt. Bei den Neuzugängen handelt es sich um drei weibliche Hermen (Sirenen), einen Widderkopf, ein Wappenschild mit dem Stadtpyr sowie drei Löwenmasken.

Umfassender Katalog mit 672 Seiten und 800 Abbildungen

Zur Ausstellung „Elias Holl (1573–1646). Meister Werk Stadt“ erscheint ein umfangreicher Katalog mit 672 Seiten und ca. 800 Farbabbildungen. Er enthält unter anderem 16 Aufsätze anerkannter Fachleute mit zahlreichen neuen Erkenntnissen zu Elias Holl und seiner Zeit. Editionen bislang nicht veröffentlichter bzw. neu aufgefundener Quellen, zahlreiche Neuaufnahmen der Hollschen Architekturmodelle, der bis heute erhaltenen Holl-Bauten. Beinhaltet ist ferner ein historischer Stadtplan mit Holls Bauten und ein aktuelles Luftbild von Augsburg mit seinen erhaltenen Werken sowie die erstmalige komplette Bilddokumentation der Gemäldeausstattung des Augsburger Rathauses. Das Buch ist damit ein neues Standardwerk, das die Grundlage für jede weitere Holl- Forschungen bietet. Die von Dr. Christoph Emmendörffer und Dr. Christof Trepesch herausgegebene Publikation erscheint im Michael Imhof-Verlag zum Preis von 49,90 Euro im Museum und 79,90 Euro im Buchhandel.

Turnusführungen, Vorträge und inklusive Angebote

Jeden Samstag um 14 Uhr und jeden Sonntag um 15 Uhr gibt es eine Turnusführung durch die Ausstellung (Kosten nur Eintritt). Unter dem Motto „Ins Museum und aufs Dach“ geht es jeden Samstag um 15:30 Uhr nach der Museumsführung noch hinauf zum Dachstuhl des Zeughauses. Eine weitere Führung mit dem Titel „Ins Museum und durch die Stadt“ zeigt allen Interessierten neben den Ausstellungs-Highlights markante Holl-Bauten in der Stadt. Führungen auf Englisch, Ukrainisch, Italienisch und Russisch können jederzeit beim Besucherservice gebucht werden. Vortragsreihen, wie die Ringvorlesung der Technischen Hochschule Augsburg oder die Vorträge zu Holl und seiner Zeit in Kooperation mit dem Augsburger Stadtarchiv vervollständigen das Programm. Zu den vielfältigen Vermittlungsangeboten der Holl- Ausstellung zählen zudem interaktive Schulklassenführungen, barrierefreie, inklusive Angebote, ein umfangreiches Ferienprogramm und eine Lesung. Darüber hinaus bietet die Kunst- und Kulturvermittlung Workshops mit Ankersteinen©, einem Architekturmodell-Baukasten, auch für Erwachsene. Alle Informationen zu den Terminen gibt es im Webportal der Kunstsammlungen & Museen Augsburg unterkmaugsburg.de/termine

Führungen mit KMA-App und Audioguides

Mit Führungen auf der kostenfreien KMA-App der Kunstsammlungen (www.kmaugsburg.de/app) oder vor Ort leihbaren Audioguides können sich Besuchende auch individuell durch die Ausstellung leiten lassen. In der Kindertour ist man mit dem kleinen Hans aus der Vergangenheit und der gleichaltrigen Luise aus der Gegenwart unterwegs.

Graphic Novel „Erlösung. Augsburg im Dreißigjährigen Krieg“

Zur Holl-Ausstellung erscheint die Graphic Novel „Erlösung. Augsburg im Dreißigjährigen Krieg“. Sie basiert auf dem Tagebuch des Augsburger Kunstagenten Philipp Hainhofer (1578–1647) und erzählt dieses spannende Kapitel in Augsburgs Geschichte erstmals umfassend bildlich. Christoph Emmendörffer recherchierte die historischen Hintergründe und übersetzte den frühneuzeitlichen Text in modernes Deutsch. Von Paul Rietzl stammen die Zeichnungen und das Storyboard. Die 176 Seiten umfassende Graphic Novel wurde von der Stiftung „ars & studium“ unterstützt und ist im Sandsteinverlag erschienen. Sie und in den Museumsshops für 29,90 Euro, im Buchhandel für 38 Euro erhältlich (ISBN 978-3-95498-756-6). Am Donnerstag, 13. Juli, von 17 bis 18 Uhr, findet eine Signierstunde mit Paul Rietzl im Maximilianmuseum statt.

Unterstützung durch zahlreichen Sponsoren

Die hochkarätige Ausstellung mit einem Gesamtbudget von zirka 800.000 Euro ist ohne Unterstützung zahlreicher Sponsoren nicht denkbar. Die Schau wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst aus Mitteln des Kulturfonds Bayern mit 168.000 Euro unterstützt und durch die Hauptsponsoren Sparda-Bank Augsburg und Stadtwerke Augsburg (swa) ermöglicht. Gefördert wird die Ausstellung zudem von der Ernst von Siemens Kunststiftung, dem HAUS DER STIFTER – Stiftergemeinschaft der Stadtsparkasse Augsburg, der Kurt und Felicitas Viermetz-Stiftung, der ars & studium-Stiftung, der Langner’schen Stiftung, der Stiftung „Mein Augsburg“ und vom Lions Club Augsburg-Elias Holl. Als Medienpartner begleiten klassik radio, beats radio und die Augsburger Allgemeine die Ausstellung.

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Elias Holl (1573–1646)
Meister Werk Stadt
17. Juni – 17. September 2023 Maximilianmuseum
Kunstsammlungen & Museen Augsburg Fuggerplatz 1

Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr Donnerstag von 10 bis 20 Uhr

Eintritt: 12 Euro regulär – 8 Euro ermäßigt

 

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