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Sonntag, 03.05.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Von Aggression und Zärtlichkeit

Von Dominik Sandler

Mit „Ich schwör’s, ich war’s nicht“ läuft am Kinderfilmfest eine packende und tiefgründige Tragikomödie über einen unbequemen Jungen, die auch Erwachsene in ihren Bann zieht.

„Das Leben ist vielleicht nicht für mich gemacht, aber es schaut so aus, als wäre ich für das Leben gemacht.“ Antoine L\'Écuyer als Léon Doré

„Das Leben ist vielleicht nicht für mich gemacht, aber es schaut so aus, als wäre ich für das Leben gemacht.“ Antoine L\'Écuyer als Léon Doré


Ein Junge hängt an einem Baum, die Schlinge um seinen Hals zieht sich zu und völlig unvorbereitet muss der Zuschauer dem Überlebenskampf des Zehnjährigen folgen: Gleich zu Beginn des Films wirft Regisseur Philippe Falardeau sein Publikum mit dieser Szene ins kalte Wasser- und er tut gut daran. Denn wir müssen tief eintauchen in Léon Dorés Welt, um zu begreifen, was in dem Jungen vor sich geht: Wieso legt er in der eigenen Wohnung Feuer? Warum bittet er seine Freundin um ein Messer, „das schärfste, das du finden kannst“, und schneidet sich damit selbst in die Brust? Und schließlich: Was bringt ihn dazu, sich im Garten seiner Familie aufzuhängen?

Wir tauchen also ein in Léons Leben. Und stoßen auf ein zerstrittenes Elternpaar, auf eine Mutter, die die Familie verlässt, weil sie ihr eigenes Leben führen will, sowie einen Vater, der im Gespräch mit seinen Söhnen nur auf deren korrekte Ausdrucksweise achtet, statt ihre Anliegen verstehen zu wollen. Und wir lernen mit Léon zusammen Lea kennen, die Nachbarstochter, die nicht nach Hause möchte, weil sie dort von ihrem betrunkenen Onkel geschlagen wird. Was die beiden eint, sind ihre zerrütteten Familien sowie der Neid auf die gemeinsamen Nachbarskinder, bei denen die Welt noch in Ordnung ist. So beginnen sie Pläne zu schmieden, Pläne für die Flucht aus einem Leben, das sie so nicht fortführen wollen.

Keine Märchenstunde

Hier entstehen zärtliche Bilder im Film. Es sind Augenblicke, in denen die jungen Schauspieler glänzen, durch unscheinbare Gesten, die große Gefühle ausdrücken, durch Momente voller Zärtlichkeit und Vertrauen. Doch Philippe Falardeau möchte uns kein modernes Schnulzmärchen erzählen, seine Geschichte ist hart. Sie ist hart, weil Léon, auch wenn er sich ehrlich bemüht, stets wieder brutal auf den nackten Boden der Tatsachen geschleudert wird. Sie ist hart, weil es nicht unseren Sehgewohnheiten entspricht, einen Zehnjährigen beim Selbstmord zu beobachten. Und Sie gibt keine Antwort auf die Frage, was zuerst da war, Léons Aggressivität gegen die anderen, oder die Ablehnung, die ihm entgegenschlägt. Ein Kind, das sich durch sein Verhalten selbst ins Abseits manövriert hat? Diese Interpretation ist durchaus möglich.

Dass der Film trotz dieser Härte zu keiner Zeit roh oder kalt erscheint, ist eine große Leistung des Regisseurs. Er erzählt die ganze Geschichte aus einer liebevollen Nähe zu Léon. Die wunderbaren Bilder, die die Kamera einfängt, und die große Klasse, mit der Antoine L’Écuyer den unbequemen aber trotzdem liebenswerten Jungen gibt, lassen beim Zuschauer eine tiefe Verbundenheit zur Hauptperson entstehen. Das Kinderfilmfest zeigt mit „Ich schwör’s, ich war’s nicht!“ keine leichte Kost, sondern Kinderkino auf hohem Niveau, eine wunderschöne, packende Tragikomödie, die lange im Gedächtnis bleibt.

» Die Homepage des Kinderfilmfests

» Das Programmheft zum Download (pdf)

» Die Kino-Zeittafel zum Download (pdf)

Der Film:



Ich schwör’s, ich war’s nicht! (C’est pas moi, je le jure), Kanada 2008, 110 Minuten, empfohlen ab 11 Jahren. Französischsprachige Originalversion, die deutsche Übersetzung wird beim Filmfest live eingesprochen.



Spielzeiten im Thaliakino:

Fr, 15.10.: 15.15 Uhr

Mo, 18.10.: 8.30 Uhr

Mi, 20.10.: 10.30 Uhr

Do, 21.10.: 15.30 Uhr

Sa, 23.10.: 13.30 Uhr

So, 24.10.: 18.00 Uhr

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