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Mittwoch, 06.05.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

„Goldland“in der Brechtbühne: Das Scheitern der Welser in Venezuela

Tobias Ginsburgs Auftragsarbeit bringt ein Stück Augsburger Geschichte auf die Theaterbühne.

Von Halrun Reinholz



Das Goldene Zeitalter Augsburgs tritt neuerdings wieder vermehrt ins öffentliche Bewusstsein seiner Bevölkerung. Jedenfalls seit der Eröffnung des Fugger- und Welser-Erlebnismuseums, das sich guten Zuspruchs erfreut. Nicht von ungefähr wird das Theater deshalb auch die diesjährige Auftragsarbeit mit diesem Thema verknüpft haben. Der Münchner Regisseur und Autor Tobias Ginsburg wählte aus diesem Zeitalter die Episode des Engagements der Welser in Südamerika aus – eine vergleichsweise kurze und wenig ruhmreiche Beteiligung von Augsburgern an der Kolonisation und der Entrechtung der dort einheimischen Bevölkerung, die dennoch exemplarisch steht für jene Epoche der Aufbruchsstimmung Europas im Goldrausch.

Ein Stück im literarischen Sinn ist es nicht geworden, was Tobias Ginsburg da auf der Grundlage seiner Recherchen gemacht hat. Das „Theaterprojekt“  präsentiert sich vielmehr als eine Art personalisiertes Geschichtsseminar. Anton Kölbl tritt immer wieder als Moderator auf, der die Geschichte erzählt und wie ein Referent auch die aktuellen Bezüge im direkten Dialog mit dem Zuschauer herstellt („Das hätten Sie nicht gewusst, oder?“). Gleichzeitig ist er aber dann auch immer wieder Teil des Geschehens, das die drei Protagonisten Florian Innerebner, Matthias Renger und Anton Schneider im Wechselspiel mit Sarah Bonitz den Zuschauern vor Augen führen.  Dokumentarische Fakten und überlieferte persönliche Erlebnisse Einzelner verwebt Ginsburg zu einer Geschichte der Eroberung, die mit Aufbruchsstimmung beginnt und in einem beispiellosen Blutrausch endet. „Wie Menschen zu Monstern werden“, wollte er zeigen. Hilfsmittel sind ihm außer den überlieferten Augsburger Dokumenten noch fiktionale Quellen: Einerseits der Roman „V“ von Thomas Pynchon, der sich um einen Sehnsuchtsort wie „Eldorado“ rankt, andererseits „Aguirre, der Zorn Gottes“, ein Film von Werner Herzog, wo Ginsburg vor allem die Erfahrung des Dschungels und ihre Auswirkung auf die Psyche der Eroberer interessierten. Äußerungen von Werner Herzog zu seinem Film werden deshalb im Stück auch immer wieder abgespielt. Die verwirrende Fülle an sehr unterschiedlichen Zitaten in einer geradlinigen Dramaturgie führt jedoch dazu, dass die eigentliche Intention, die Entwicklung hoffnungsfroher Menschen zu goldgierigen Monstern ohne jede Menschlichkeit (und danach nicht selten auch zu Opfern im Konflikt mit anderen Goldgierigen) emotional nicht beim Zuschauer ankommt.

Zumal die drei „Eroberer“ meist als Kollektiv in Brechtscher Sprechchor-Manie agieren und damit keine Höhepunkte im individuellen Erleben erkennen lassen. Da sind auch die Kalauer und Realitätsbezüge („Das ist mein Finger, den du da gerade anknabberst.“) eher kontraproduktiv und fallen unter die Kategorie „Auflockerung des Unterrichts“. Denn didaktisch kommt die Botschaft zweifellos an, wir haben was gelernt über die Episode der Welser in Venezuela. Schreckliches und Erbauliches – und auch, dass „das Haus der Welser“ durch die Aktion „keinen Schaden erlitten“ hat, wirtschaftlich lief es wohl auf ein Nullsummenspiel heraus. Die Opfer waren andere – auf der einen und auf der anderen Seite des Ozeans.

Foto: Nik Schölzel

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