„Das Erbe der Welt“ – eine neue Wassermusik
Das 7. Sinfoniekonzert der Augsburger Philharmoniker war dem Motto: „Das Erbe der Welt“ gewidmet und wurde in Kooperation mit dem UNESCO-Welterbe-Büro der Stadt Augsburg konzipiert. Zur Uraufführung kam dabei das Auftragswerk der Philharmoniker an den Komponisten Wolfgang Kerschek: „orbis aquarum“ – eine neue Wassermusik und als Gegenpart Beethovens Pastorale. Ein monumentaler und emotionaler Konzertabend, der viel Applaus erntete.
Von Halrun Reinholz
Foto: Jan-Pieter Fuhr
„Die Wasserstadt Augsburg ist für diese Premiere der ideale Ort“, schrieb Kulturstaatsminister Weimer in sein Grußwort anlässlich der Uraufführung, für die er die Schirmherrschaft übernommen hat. Wolfgang Kerschek hat sich viele Gedanken darüber gemacht, welche Rolle das Wasser im Alltagsleben und in der Welt spielt. Herausgekommen ist ein siebenstufiger musikalischer Streifzug durch Geschichte und Gegenwart: Vom Ursprung des Wassers über das Leben mit Wasser, „Kraft und Gefahr“, „Hitze und Tod“, Wasser als Gemeingut bis zum monumentalen Schluss-Satz, einer „Hymne des Wassers von Augsburg“. André Bücker wies im Programmheft darauf hin, dass das Staatstheater das Thema Nachhaltigkeit „strukturell verankert“ hat und speziell dem Thema „Wasser“ in der Welterbestadt ein besonderes Augenmerk gelte. In diesem Zusammenhang seien die Augsburger Philharmoniker, die auch dem Verbund „Orchester des Wandels“ angehören, offizielle Botschafter des Augsburger Welterbes.
Doch im ersten Teil des Konzerts gab es zuerst einen Rückgriff auf Beethoven, der in seiner „Pastorale“ schon am Anfang des 19. Jahrhunderts die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und Natur thematisiert hat, „geben doch Wälder, Bäume, Felsen den Widerhall, den der Mensch wünscht.“ Die lautmalerischen und naturimitierenden Klänge der Pastorale, ihr ausdrucksfrohes Pathos, ist zu Recht Teil des klanglichen Welterbes und brachte auch den Augsburger Philharmonikern unter Domonkos Héja den freundlichen Applaus des Publikums.
Nach der Pause gab es dann die Uraufführung „orbis aquarum“. Der Komponist Wolfgang Kerschek ist ein ausgebildeter Filmkomponist, das hört man auch der „neuen Wassermusik“ an. Der Jazz- und Echo-Preisträger ist in der Klassik verwurzelt, zählt aber auch internationalen Pop und den Big-Band-Sound zu seinem schöpferischen Spektrum. Unter anderem orchestrierte er die FIFA-Hymne und komponierte auch offizielle Musik für diverse andere Sport-Events.
Für seine Auftragskomposition wählte er lateinische Texte, die der Opernchor des Staatstheaters sang. Dass sich dabei eine gewissen Assoziation mit Orffs „Carmina Burana“ ergibt, ist kein Zufall. Wie Orff setzt auch Kerschek auf die Universalität des Lateinischen und auf eine gefällige Symbiose von Altem und Neuem und schafft damit ein melodisches, teils ins Pathetische und Dramatische (denn Wasser hat durchaus auch etwas Bedrohliches) schwingende Gesamtbild. Die Ursprünglichkeit und gleichzeitig weltumspannende Bedeutung des Wassers wird auch durch die Wahl der Solo-Instrumente mit Ethno-Akzenten unterstrichen: Die Hamburger Flötistin Katie Zahn bereicherte das Werk bei der Uraufführung mit indischen Bansuri-Flöten (mit denen sie schon der Filmproduktion „König der Löwen“ den unverwechselbaren Sound verlieh) und der libanesische Perkussionist Ronnie Barrak faszinierte das Publikum mit hoher Virtuosität auf der Darbuka, eine an die Djembe erinnernde Bechertrommel. Auch im Orchester war eine Vielfalt an Perkussionsklängen geboten, doch auch Bläser, Klavier und Harfe waren gefordert. Das harmonische Zusammenspiel zeigte, dass Wolfgang Kerschek bei diesem Projekt nicht zum ersten Mal mit den Augsburger Philharmonikern zusammengearbeitet hat.
Das Werk gipfelte in einem hymnischen Abschluss, der voll auf die Bedeutung des Wassers für die Stadt Augsburg fokussierte: „Aqua fluit, tempus vetat quae per longa saecula Augusta firma stat.“ – Das Wasser hält der Zeit stand und Augsburg besteht „in erhabener Festigkeit“ seit Jahrhunderten. Das sei, so der Komponist, eine „Ode an die wunderbare Stadt Augsburg“, aber „gleichzeitig eine Hymne für alle Wasser dieser Welt.“ Das Augsburger Publikum, darunter bemerkenswert viele junge Leute, schenkten der Uraufführung viel Applaus. Bleibt zu hoffen, dass es auch noch zu anderen Gelegenheiten (und nicht nur in Augsburg) zur Aufführung kommt.





