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Montag, 11.05.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

„Das Erbe der Welt“ – eine neue Wassermusik

Das 7. Sinfoniekonzert der Augsburger Phil­har­moniker war dem Motto: „Das Erbe der Welt“ gewidmet und wurde in Koope­ration mit dem UNESCO-Welterbe-Büro der Stadt Augsburg konzi­piert. Zur Urauf­führung kam dabei das Auftrags­werk der Phil­har­moniker an den Kompo­nisten Wolfgang Kerschek: „orbis aquarum“ – eine neue Wasser­musik und als Gegenpart Beethovens Pastorale. Ein monu­mentaler und emotio­naler Konzert­abend, der viel Applaus erntete.

Von Halrun Reinholz

Foto: Jan-Pieter Fuhr

„Die Wasserstadt Augsburg ist für diese Premiere der ideale Ort“, schrieb Kultur­staats­minister Weimer in sein Grußwort anlässlich der Urauf­führung, für die er die Schirm­herr­schaft übernommen hat. Wolfgang Kerschek hat sich viele Gedanken darüber gemacht, welche Rolle das Wasser im Alltags­leben und in der Welt spielt. Heraus­gekommen ist ein sieben­stufiger musi­kalischer Streifzug durch Geschichte und Gegenwart: Vom Ursprung des Wassers über das Leben mit Wasser, „Kraft und Gefahr“, „Hitze und Tod“, Wasser als Gemeingut bis zum monu­men­talen Schluss-Satz, einer „Hymne des Wassers von Augsburg“. André Bücker wies im Programm­heft darauf hin, dass das Staats­theater das Thema Nach­haltig­keit „struktu­rell verankert“ hat und speziell dem Thema „Wasser“ in der Welterbe­stadt ein beson­deres Augenmerk gelte. In diesem Zusammen­hang seien die Augs­burger Phil­har­moniker, die auch dem Verbund „Orchester des Wandels“ angehören, offi­zielle Bot­schafter des Augsburger Welterbes.

Doch im ersten Teil des Konzerts gab es zuerst einen Rückgriff auf Beethoven, der in seiner „Pastorale“ schon am Anfang des 19. Jahr­hunderts die Sehnsucht nach Ursprüng­lich­keit und Natur themati­siert hat, „geben doch Wälder, Bäume, Felsen den Widerhall, den der Mensch wünscht.“ Die laut­male­rischen und natur­imi­tierenden Klänge der Pastorale, ihr ausdrucks­frohes Pathos, ist zu Recht Teil des klang­lichen Welterbes und brachte auch den Augsburger Phil­har­monikern unter Domonkos Héja den freund­lichen Applaus des Publikums.

Nach der Pause gab es dann die Urauf­führung „orbis aquarum“. Der Komponist Wolfgang Kerschek ist ein ausge­bildeter Film­komponist, das hört man auch der „neuen Wasser­musik“ an. Der Jazz- und Echo-Preisträger ist in der Klassik verwur­zelt, zählt aber auch inter­natio­nalen Pop und den Big-Band-Sound zu seinem schöpfe­rischen Spektrum. Unter anderem orche­strierte er die FIFA-Hymne und kompo­nierte auch offizielle Musik für diverse andere Sport-Events.

Für seine Auftragskomposition wählte er lateinische Texte, die der Opernchor des Staats­theaters sang. Dass sich dabei eine gewissen Asso­ziation mit Orffs „Carmina Burana“ ergibt, ist kein Zufall. Wie Orff setzt auch Kerschek auf die Uni­versa­lität des Latei­ni­schen und auf eine gefällige Symbiose von Altem und Neuem und schafft damit ein melodisches, teils ins Pathe­tische und Drama­tische (denn Wasser hat durchaus auch etwas Bedroh­liches) schwingende Gesamtbild. Die Ursprüng­lich­keit und gleich­zeitig welt­um­spannende Bedeutung des Wassers wird auch durch die Wahl der Solo-Instru­mente mit Ethno-Akzenten unter­strichen: Die Hamburger Flötistin Katie Zahn berei­cherte das Werk bei der Urauf­führung mit indischen Bansuri-Flöten (mit denen sie schon der Film­produk­tion „König der Löwen“ den unver­wechsel­baren Sound verlieh) und der liba­nesische Per­kussio­nist Ronnie Barrak faszi­nierte das Publikum mit hoher Virtu­osität auf der Darbuka, eine an die Djembe erin­nernde Becher­trommel. Auch im Orchester war eine Vielfalt an Per­kussions­klängen geboten, doch auch Bläser, Klavier und Harfe waren gefordert. Das harmo­nische Zusammen­spiel zeigte, dass Wolfgang Kerschek bei diesem Projekt nicht zum ersten Mal mit den Augsburger Phil­har­monikern zusammen­gearbeitet hat.

Das Werk gipfelte in einem hymnischen Abschluss, der voll auf die Bedeutung des Wassers für die Stadt Augsburg fokussierte: „Aqua fluit, tempus vetat quae per longa saecula Augusta firma stat.“ – Das Wasser hält der Zeit stand und Augsburg besteht „in erhabener Festigkeit“ seit Jahr­hunderten. Das sei, so der Komponist, eine „Ode an die wunderbare Stadt Augsburg“, aber „gleich­zeitig eine Hymne für alle Wasser dieser Welt.“ Das Augsburger Publikum, darunter bemerkens­wert viele junge Leute, schenkten der Urauf­führung viel Applaus. Bleibt zu hoffen, dass es auch noch zu anderen Gelegen­heiten (und nicht nur in Augsburg) zur Auf­führung kommt.



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