StadtGestalten – Augsburger im Porträt
Zwischen zwei Jahrzehnten Volkspartei und dem paneuropäischen Aufbruch
StadtGestalten: Thorsten Frank (Volt)
Wir sitzen in der Kälberhalle, einem Ort, der Transformation atmet. Vor mir sitzt Thorsten Frank. Er ist eines der neuen Gesichter im Stadtrat, doch seine politische Vita ist alles andere als die eines Neulings. Bevor wir beginnen, klären wir die Etikette: „Lieber Herr Stadtrat, soll ich Sie jetzt siezen? Oder reichen 19 Jahre Freundschaft aus, um hier im Du fortzufahren?“ Thorsten lacht. Er fände es befremdlich, wenn wir so täten, als würden wir uns gar nicht kennen. Wir bleiben beim bewährten „Du“ – unter Freunden, aber objektiv in der Sache.
Ein Interview zum Thema „Erfahrung trifft Vision – Volt im Augsburger Stadtrat“ von Sait İçboyun
Sait İçboyun: Lieber Thorsten, du bist einer von 28 neuen Stadträten und das neue Gesicht von Volt in Augsburg. Du warst auch zuvor lange politisch aktiv, von 1998 bis 2025 in der SPD. Was hat dich an Volt so fasziniert, dass du bereit warst, als Spitzenkandidat anzutreten und nach deiner Wahl sofort in die aktive Politik einzusteigen?
Thorsten Frank: Ich bin bei Volt eingetreten, weil ich den Eindruck hatte, dass ich dort meinen bisherigen Werdegang optimal mit meinen europapolitischen Ansichten kombinieren kann.
Sait İçboyun: Das ist ein spannender Punkt – die Verbindung von großer Europapolitik und der Arbeit hier vor Ort. Volt wirbt ja oft damit, gute Ideen aus anderen europäischen Städten zu übernehmen. Wenn du auf deinen neuen Arbeitsplatz im Rathaus blickst: Welches konkrete „Best Practice“ brennt dir am meisten unter den Nägeln?

„Copy with pride“: Thorsten Frank
Thorsten Frank: Der Kerngedanke ist auf jeden Fall richtig. Das heißt einfach „Copy with pride“. Das bedeutet, wenn sich in einer ähnlichen Stadt in Europa etwas bewährt hat, könnte das ja auch Vorbildcharakter für Augsburg haben. So kann man von guten Beispielen anderer Städte lernen, wie man das auch in Augsburg nutzen kann. Man muss ja nicht immer das Rad neu erfinden, sondern wenn sich irgendwo beispielsweise in Sachen Radverkehr was bewährt hat, kann man sich diese Lösung auch mal genauer angucken und muss in Augsburg nicht eine neue Lösung finden, sondern von diesen Best-Practice-Modellen lernen.
Was natürlich auch super wichtig ist: Nicht nur von diesen Modellen zu lernen, sondern im zweiten Schritt auch noch zu überlegen: Wie kriegen wir denn das finanziert? Viele Parteien schlagen ja etwas vor, das irgendwie nur kostet, aber sie haben gar keine Ahnung, wie sie das jeweils finanzieren sollen. Ich finde die Besonderheit bei Volt ist, sich auch Gedanken darüber zu machen, wo nötige Mittel dafür herkommen können.
Sait İçboyun: Damit die Augsburger dich noch besser kennenlernen: Welchen beruflichen Background bringst du mit und bei welchen Themen brennst du am meisten darauf, deine Expertise einzubringen – auch wenn die Ausschüsse noch nicht final verteilt sind?
Thorsten Frank: Also von meinem beruflichen Background bin ich erst mal von der Ausbildung her Diplom-Geograph, was mich relativ breit aufstellt. Da habe ich mich unter anderem auch schon früher um Stadtentwicklung gekümmert. Das heißt, das ist tatsächlich ein Punkt, der mich interessiert: Wie soll die Stadt in zehn Jahren aussehen? Wie kann man das Zusammenleben von Menschen so erleichtern, dass sich alle möglichst wohlfühlen und wie kann man das gezielt entwickeln? Und wie soll Augsburg in zehn Jahren aussehen?

„Analoge Menschen nicht abhängen“ (Fotos: Sait İçboyun)
Von mir bekannt ist, dass ich ehrenamtlich im Europa-Bereich engagiert bin – ich bin ja weiterhin Landesvorsitzender der überparteilichen Europa-Union und war zehn Jahre lang Vorsitzender in Augsburg. Insofern ist Europa ein Schwerpunkt, den ich gerne verfolgen möchte. Mich interessiert auch Verkehr; ich habe in Augsburg unter anderem bei „Bei Anruf-Auto“ mitgewirkt als stellvertretender Vorsitzender und konnte das ein bisschen voranbringen. Wir haben da auch den Zukunftspreis der Stadt Augsburg 2014 gewonnen.
Mir geht es darum: Wie kann man in Augsburg die Expertise, die man hat, einbringen? Dazu gehört für mich auch, dass ich in der Akzeptanz-Kommunikation für Großprojekte aktiv bin, was Infrastruktur- und Stadtentwicklungsprojekte anbelangt, die in einem größeren Maßstab sind. Ich glaube, es ist gut, wenn man sich da einbringt, wo man auch eine Ahnung davon hat. Was noch dazu kommt: Volt steht ja auch für Digitalisierung und ich habe den Eindruck, da geht in Augsburg schon auch noch was.
Sait İçboyun: Du hast die „Akzeptanz-Kommunikation“ angesprochen. Als Stadtrat bist du nun das Bindeglied zwischen den Plänen im Rathaus und den Menschen. Wie möchtest du die Bürger bei diesem Wandel mitnehmen?
Thorsten Frank: Man wird merken, dass die Digitalisierung nicht bedeutet, dass die analogen Menschen abgehängt werden sollen, sondern dass Vorgänge, die manchmal als munteres „Pingpong“ zwischen Verwaltungseinheiten und Bürgern hin und her spielen, hoffentlich reibungsloser funktionieren. Das spart allen Zeit und Nerven. Mir geht es darum, dass eine Stadt sinnvoll entwickelt wird und nicht nur aufgrund von Druck irgendwie „vor sich hin gewurschtelt“ wird, sondern tatsächlich zielführend entwickelt wird – ob das Wohnen ist, Verkehr, Wirtschaft oder andere Grunddaseinsfunktionen. Man kann eine Stadt so entwickeln, dass man perspektivisch weiß, wo sie hin will.
Sait İçboyun: Zum Abschluss: Wenn wir uns in ein paar Jahren wieder hier in der Kälberhalle treffen – welches Detail im Stadtbild wird zeigen, dass der frische Wind von Volt einen Unterschied gemacht hat?
Thorsten Frank: Also hätte ich eine Glaskugel, würde ich gerne Mutmaßungen anstellen. Jetzt bin ich aber nur ein Mensch. Ich glaube, was die Menschen von mir nach dieser Stadtratsperiode auf jeden Fall sehen werden, ist, dass da ein sehr fleißiger, geradliniger, aufrechter Mensch sich für Augsburg eingesetzt hat. Und wenn ich mich da einbringen kann, wo ich mich gerne einbringen möchte, wird man sicherlich merken, dass Augsburg tatsächlich eine Europastadt ist. Man wird feststellen, dass Augsburg digitaler aufgestellt ist und dass der Verkehr an der ein oder anderen Stelle vielleicht auch so geregelt ist, dass alle entspannter unterwegs sein können. Und last but not least – dass eine systematischere Entwicklung der Stadt erkennbar wird.
Sait İçboyun: Vielen Dank, lieber Thorsten Frank, für das offene Gespräch. Wir von der DAZ wünschen dir für deine Arbeit im Augsburger Stadtrat viel Erfolg und eine glückliche Hand im Namen unserer Bürgerinnen und Bürger.
StadtGestalten – Augsburger im Porträt.





