Augsburg „blau-grün“ denken
Die designierte Stadtentwicklungsreferentin Andrea Krupski von Mansberg hat am vergangenen Donnerstag in ihrer Vorstellungsrede vor dem Augsburger Stadtrat skizziert, wie sie Augsburg künftig entwickeln möchte: Klimaresilienz, Mobilität und bezahlbarer Wohnraum sollen stärker zusammengedacht werden. Eine besondere Rolle spielen dabei Wasser, Grünräume und die Entwicklung der Quartiere.
Von Bruno Stubenrauch
Andrea Krupski von Mansberg wird Referentin für Stadtentwicklung, Mobilität und Klimaschutz (Bild: Ruth Plössel / Stadt Augsburg)Krupski von Mansberg will vorhandene Konzepte und Strategien der Stadt zunächst sichten, auf ihre Aktualität prüfen und stärker bündeln. Der Stadtrat wählte die Architektin und Stadtplanerin am Donnerstag mit 53 von 56 gültigen Stimmen zur Leiterin des neu geschaffenen Referats 2 „Stadtentwicklung, Mobilität und Klimaschutz“. In ihrer Rede beschrieb die 58-Jährige zugleich ihr Rollenverständnis: Sie wolle der Politik fachlich fundierte Entscheidungsgrundlagen erarbeiten, auch unterschiedliche Varianten aufzeigen und demokratische Entscheidungen anschließend loyal umsetzen.
Klima, Mobilität und Wohnraum zusammen denken
Bei der Klimaanpassung gehe es sowohl um Vorsorge als auch um konkrete Maßnahmen im Stadtraum. Grünräume könnten miteinander vernetzt, Bäume und Verschattung gestärkt und Flächen entsiegelt werden. Bei der Mobilität nannte sie unter anderem einen leistungsfähigen ÖPNV sowie Fahrradverbindungen und sprach sich für pragmatische Lösungen aus.
Auch beim Wohnungsbau sieht die neue Referentin Potenzial innerhalb der bestehenden Stadt. Augsburg werde weiter wachsen, sagte sie. Deshalb müsse geprüft werden, wo eine stadtverträgliche und qualitativ hochwertige Nachverdichtung möglich sei, ohne dafür immer weitere Flächen zu versiegeln. Bestand, Umnutzung und Konversion könnten dabei ebenso eine Rolle spielen.
Wasser, Grün und Mobilität verbinden
Krupski von Mansberg sieht in Stadtwald, Grünräumen und dem historischen Wassermanagement mit Lech, Wertach und den zahlreichen Kanälen eine besondere Chance für Augsburg. Daraus könne eine integrierte „blau-grüne“ Stadtentwicklung entstehen.
Wasser- und Grünräume sollten dabei auch mit Fuß- und Radverbindungen sowie Mobilität verknüpft werden. Das UNESCO-Wassererbe wolle sie als lebendige Stadtinfrastruktur weiterdenken. Ihr Ansatz reicht damit über einzelne Grün- oder Verkehrsprojekte hinaus: Die verschiedenen Funktionen sollen gemeinsam geplant werden.
Konkret skizzierte sie eine mögliche räumliche Verbindung vom Stadtwald über Siebentischpark und Hochablass, entlang der Lechkanäle und durch die Innenstadt bis zur Wertach und weiter Richtung Westpark beziehungsweise zu neuen Grünräumen. Entlang einer solchen „Wasser-Grün-Achse“ könnten unter anderem neue Baumstandorte, Schwammstadtflächen, Retentionsräume, entsiegelte Plätze, renaturierte Gewässerabschnitte sowie neue Fuß- und Radverbindungen und Aufenthaltsräume entstehen.
Ihr Stichwort dafür lautete „22 Orte – 22 Stadträume“ – eine Zahl, die zugleich an die 22 Objekte des Augsburger Wassermanagement-Systems erinnert.
Stadtentwicklung mit begrenzten Mitteln
Auch die angespannte finanzielle Situation der Stadt spielte in ihrer Rede eine Rolle. Krupski von Mansberg will nach eigenen Worten nach Möglichkeiten suchen, Stadtentwicklungsimpulse zu setzen, ohne dafür allein auf große städtische Investitionen angewiesen zu sein.
Als mögliche Instrumente nannte sie die Internationale Bauausstellung (IBA), Olympia und eine mögliche Landesgartenschau. Solche Formate könnten zusätzliche Förder- und Investitionsmöglichkeiten eröffnen und verschiedene Stadtentwicklungsprojekte miteinander verbinden.
Bei einer Landesgartenschau gehe es ihr ausdrücklich nicht nur um die Veranstaltung selbst. Entscheidend sei der dauerhafte räumliche Mehrwert für Augsburg. Klimaanpassung, Freiraum, Wasser, Biodiversität und Quartiersentwicklung könnten dabei gemeinsam betrachtet und bestehende Projekte beschleunigt werden.
Quartiere als Mittelpunkt des Alltags
Neben großen Vorhaben wie dem Universitätsklinikum richtet Krupski von Mansberg den Blick deshalb auf die einzelnen Stadtteile. Das Leben der Menschen spiele sich im Alltag vor allem auf Quartiersebene ab, sagte sie. Dort müsse es kurze Wege zu Kindergärten, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten sowie kulturellen und gastronomischen Angeboten geben.
Auch das Universitätsklinikum könne nach ihrer Einschätzung ein wichtiger Entwicklungsimpuls werden. Die große Baumasse und die entstehenden Arbeitsplätze böten die Möglichkeit, im Umfeld weitere Wohnangebote und möglicherweise ein neues Quartier zu entwickeln. Zugleich müsse ein solches Großprojekt verkehrlich und infrastrukturell gut angebunden werden.
Krupski von Mansberg wird ihr Amt am 15. November antreten. Vor dem Stadtrat formulierte sie zum Abschluss vor allem eines: Sie freue sich darauf, die beschriebenen Aufgaben gemeinsam mit der Politik anzugehen.




