„Augsburg Tribunal“ thematisiert Stadtgeschichte und Kolonialismus
Eine Geschichtsperformance auf dem Welserplatz und ein anschließendes Gespräch im Grandhotel Cosmopolis beschäftigen sich am 1. Oktober mit der Augsburger Stadtgeschichte, dem Kolonialismus und den Bauernaufständen des 16. Jahrhunderts.
Von Bruno Stubenrauch

Bild: AG Süd – Initiative 500 Jahre Widerstand
Die Initiative „500 Jahre Widerstand“ lädt am Donnerstag, 1. Oktober, zum „De-kolonialen Herbst“ nach Augsburg ein. Im Mittelpunkt stehen eine Straßenperformance auf dem Welserplatz sowie eine Abendveranstaltung mit zwei Aktivistinnen aus Lateinamerika.
Performance auf dem Welserplatz
Um 17 Uhr beginnt auf dem Welserplatz die Performance „Augsburg Tribunal I“. Nach Angaben der Veranstalter beschäftigt sie sich mit den Verbindungen zwischen der Augsburger Stadtgeschichte, der Familie Welser, dem Kolonialismus und den Bauernaufständen von 1524 bis 1526.
Die Veranstalter stellen dabei insbesondere die Rolle der Augsburger Kaufmannsfamilien Welser und Fugger in den Mittelpunkt. Die Performance ist als fiktives Tribunal angelegt: Jakob Fugger, Bartholomäus Welser und Georg von Waldburg sollen dabei symbolisch auf der „Anklagebank“ sitzen. Mabel Robledo aus Mexiko und Esther Sulub aus Honduras treten als Zeuginnen auf.
Nach Darstellung der Initiative soll die Performance auch die Frage aufwerfen, wie koloniale Geschichte und ihre Folgen im heutigen Stadtbild und in der Erinnerungskultur berücksichtigt werden können.
Bei Regen soll die Veranstaltung im Grandhotel Cosmopolis stattfinden. Nach Regen sieht es allerdings nicht aus. Die Wetter-Apps sagen für die ganze kommende Woche niederschlagsfreies Wetter mit Temperaturen über 20 Grad voraus.
Gespräch über „Buen Vivir“
Ab 18 Uhr geht es im Grandhotel Cosmopolis, Springergässchen 5, mit einem veganen Abendessen weiter. Um 19.30 Uhr ist ein Gespräch mit Mabel Robledo und Esther Sulub zum Konzept des „Buen Vivir“ vorgesehen.
Dabei geht es unter anderem um den Umgang mit kolonialen Kontinuitäten, Landverteidigung und die Frage, welche Bedeutung das aus Lateinamerika stammende Konzept des „Guten Lebens für alle und überall“ für die Gegenwart haben kann.
Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Spanisch statt. Ab 21 Uhr ist Live-Musik angekündigt.
Die Veranstaltung ist Teil einer Kampagne von „500 Jahre Widerstand“, die sich mit den europäischen Bauernaufständen von 1524 bis 1526 und deren historischem Kontext auseinandersetzt. Ein zweiter Teil des „Augsburg Tribunals“ ist für das Frühjahr 2027 angekündigt.
Wer oder was ist „500 Jahre Widerstand“?
„500 Jahre Widerstand“ versteht sich nach eigenen Angaben als Bündnis, als Zusammenschluss verschiedener Initiativen, Gruppen und Einzelpersonen mit einem demokratischen und lebensbejahenden Weltbild. Es verweist auf internationale Bezüge zu sozialen Kämpfen in Lateinamerika und im Mittleren Osten und möchte vergessene oder in der vorherrschenden Geschichtsschreibung wenig beachtete Perspektiven sichtbar machen. Dazu zählen insbesondere die Geschichte ländlicher und bäuerlicher Gesellschaften, die Geschichte kolonialisierter Menschen sowie die Geschichte von Frauen und weiteren unterdrückten Geschlechtern. Zugleich setzt sich das Bündnis nach eigener Darstellung für solidarische Lebensweisen und eine gerechte Zukunft ein.
Augsburg Tribunal – Programm am 1. Oktober
- 17 Uhr: „Augsburg Tribunal I“, Performance auf dem Welserplatz*)
- ab 18 Uhr: „Küche für alle“, veganes Abendessen im Grandhotel Cosmopolis
- 19.30 Uhr: Gespräch mit Mabel Robledo und Esther Sulub über „Buen Vivir“
- ab 21 Uhr: Live-Musik
- Veranstaltungsankündigung online
- Flyer (pdf)
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*) Der Welserplatz in Augsburg ist ein kleiner Platz in der Fußgängerzone an der Ecke Annastraße und Unter dem Bogen. Es gibt ihn seit 2011. Die Stadt ehrt damit die historische Patrizier- und Kaufmannsfamilie Welser, die neben den Fuggern zu den bedeutenden globalen Handelsherren der frühen Neuzeit gehörte.