DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Freitag, 02.10.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Wissen

Wassercent: Die Klima-Kirche bittet zur Kollekte

Bayern will einen sogenannten „Wassercent“ einführen – eine Abgabe auf die Entnahme von Grundwasser, zu dessen Schutz. Dies hat das Kabinett am 29. Juli 2025 beschlossen. 100 Millionen Euro will der Freistaat damit einnehmen. Die Begründung ist dünn.

Symbolbild

Noch ist der Wassercent nicht rechtskräftig; zuerst muss der bayerische Landtag ein entsprechendes Gesetz beschließen. Doch die Zustimmung von CSU, Freien Wählern, SPD und Grünen gilt als sicher. Voraussichtliches Datum für das Inkrafttreten ist der 1. Juli 2026. Damit würde Bayern als letztes Flächenbundesland nachziehen: In 13 anderen Bundesländern ist ein Wasserentnahmeentgelt schon Praxis.

Grundwasser: aus Regenwasser wird Trinkwasser

Grundwasser ist ein zentraler Bestandteil des Wasser­kreislaufs und die wichtigste Trinkwasser­ressource Deutschlands; es deckt rund 70 Prozent des Bedarfs. Das Augsburger Trinkwasser besteht sogar zu 100 Prozent aus Grundwasser.

Grundwasser stammt hauptsächlich aus versickerndem Regenwasser. Es füllt die Hohlräume im Untergrund. Der Grundwasser­körper wird unten durch undurchlässige Bodenschichten begrenzt. Die obere Begrenzung heißt Grund­wasserspiegel.

Follow the science!

Ziel der Einführung des Wassercents ist es, mit dem Erlös den sorgsamen Umgang mit der Ressource Wasser zu fördern. Denn Grundwasser soll knapp werden. Der Klimawandel stelle die Verfügbarkeit zunehmend infrage, so die Experten: Mehr Trockenperioden, höhere Temperaturen und eine höhere Verdunstung würden dazu führen, dass weniger Nieder­schlags­wasser in den Boden sickert.

Die Experten sehen auch eine verstärkte Saisonalität als Problem: Zwar würden sich die Grundwasser­speicher in feuchten Wintern und Frühjahren oft wieder auffüllen, doch extreme Tiefststände in trockenen Sommern würden immer häufiger und markanter.

Gläubige Politiker

Aufgrund dieser von den Experten propagierten Szenarien geht die Politik davon aus, dass die Grund­wasser­ressourcen in Bayern langfristig unter Druck stehen und geschützt werden müssen. Die Einführung des Wassercents ist die direkte politische Antwort darauf. Die so erzielten Einnahmen – bei rund einer Milliarde Kubikmeter Grund­wasser­entnahme pro Jahr könnten es mehr als 100 Millionen Euro sein – sollen zweckgebunden in den Wasserschutz fließen.

Stimmt das wirklich?

Doch stimmen die von Experten gern als „grundlegende hydrologische Tatsachen“ bezeichneten und von Politikern geglaubten Aussagen überhaupt, nämlich dass in Bayern der Grundwasserspiegel im hydrologischen Sommerhalbjahr (Mai bis Oktober) niedriger ist als im Winter (November bis April) und dass der Grundwasserspiegel langfristig sinkt?

Zeit für einen Faktencheck

Die Grund­wasser­messstelle 596 im Stadtteil Göggingen ist eine der wichtigsten und am besten dokumentierten Messstellen in der Region. Sie gilt als besonders repräsentativ für das Grundwasser in Augsburg. Der Grund­wasser­spiegel liegt dort etwa 10 Meter unter der Gelände­oberfläche und kann um über drei Meter schwanken.

Die Messstelle 596 gehört zum offiziellen staatlichen Messnetz und wird vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) betrieben. Die Daten sind öffentlich. Die Datenreihe reicht bis 1974 zurück und ermöglicht es, nicht nur kurzfristige Schwankungen, sondern auch langfristige Trends über Jahrzehnte hinweg zu analysieren. Es liegt deshalb nahe, mit diesen Daten die „hydrologischen Tatsachen“ zu überprüfen.

Das Gegenteil ist richtig

Berechnet man aus der Datenreihe die durchschnitt­lichen Pegelstände der hydro­logischen Sommer- und Winter­halbjahre der letzten 20 Jahre, ergibt sich folgendes Bild: Weder geht das Grundwasser zurück noch ist der Pegel im Sommer niedriger als im Winter. Das Gegenteil ist richtig: Sowohl für den Sommer als auch für den Winter zeigt der Trend des Grund­wasser­spiegels nach oben. Und die Pegelstände liegen im Sommer im Schnitt 34 cm über den winterlichen. Nur in vier*) der 20 betrachteten Jahre war der Sommerpegel niedriger: 2011, 2014, 2018 und 2022 (die Daten für 2025 sind noch unvollständig).

Grafik: DAZ

Ein Wassercent = zehn Eurocent

Nicht nur die wacklige wissen­schaftliche Begründung, sondern auch der Name „Wassercent“ hat einen schalen Beigeschmack. Es geht nämlich nicht um EINEN Cent, sondern um ZEHN Cent, die auf den Kubikmeter Wasser aufgeschlagen werden. Auch Söders beschwich­tigende „Nur fünf Euro“, die jeder Bürger zusätzlich im Jahr abdrücken soll, klingen stark nach Trittins Kugel Eis für die Energiewende.

Eins ist jedenfalls klar: Bezahlen wird den „Zehn-Cent“ der Bürger. Direkt erhoben wird die Abgabe zwar von den Wasser­versorgern und der Industrie und Landwirtschaft. Doch Versorger wie die Stadtwerke Augsburg dürfen die zusätzlichen Kosten an die Verbraucher weitergeben.

Bei Wasserpreisen zwischen 2,02 und 2,41 Euro pro Kubikmeter zuzüglich eines monatlichen Grundpreises von 10 bis 15 Euro macht der „Zehn-Cent“ eine Erhöhung von drei bis vier Prozent aus. Und in den Preisen aller wasser­intensiven industriellen und landwirt­schaftlichen Produkte wird sich der Wassercent ebenfalls wiederfinden. Beispielsweise verbraucht die Produktion eines Liters Milch etwa 1.000 Liter Wasser, also einen Kubikmeter.

———
*) In der ursprünglichen Version des Artikels stand, dass der Pegel nur in drei der letzten 20 Jahre im Sommer niedriger war als im Winter. Tatsächlich war das in vier Jahren der Fall; der Artikel wurde entsprechend korrigiert.

gesamten Beitrag lesen »



Veranstaltungsreihe zur Klimainsel startet

Am Donnerstag, den 24. Juli, bietet das Umweltamt einen Rundgang durch die Innenstadt an. Start ist um 17 Uhr an der Klimainsel. Der einstündige Rundgang führt zu ausgewählten Standorten in der Innenstadt, an denen verschiedene Aspekte der Klimaanpassung thematisiert werden. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf einem skizzenhaften Überblick zu ausgewählten aktuellen Planungen, wie der Sanierung des Bauernmarktes […]

gesamten Beitrag lesen »



Gründen, snacken, netzwerken – Picknick für Startups

Die Wirtschaftsförderung der Stadt Augsburg lädt am Donnerstag, den 24. Juli, von 11:30 bis ca. 13 Uhr zu einem Gründungspicknick ein. Die Veranstaltung ist kostenlos und findet im Picnic, Maximilianstraße 41, 1. OG statt. Sie bietet Gründern sowie Gründungs­interessierten die Möglichkeit zum Austausch über den Gründungsalltag. Saskia Reuter, Gründerin der aluco GmbH, hält einen Impulsvortrag zum Thema […]

gesamten Beitrag lesen »



Migrationshintergrund: Was ist das?

308.040 Einwohner hatte Augsburg am 31.12.2024. Davon hatten laut Strukturatlas der Stadt 50,7 Prozent einen Migrations­hintergrund, erstmals in der Augsburger Geschichte mehr als die Hälfte der Wohnbevölkerung. Doch wie ist Migrations­hintergrund überhaupt definiert? Von Bruno Stubenrauch Eine einheitliche Definition gibt es in Deutschland nicht. Mikrozensus, kommunale Statistiken, Kinder- und Jugend­hilfe­statistiken und Schul­statistiken unterscheiden sich methodisch. Das Bundesamt […]

gesamten Beitrag lesen »



Eintritt frei in der Fuggerei

Anlässlich der Jakober Kirchweih 2025 bietet die Fuggerei am kommenden Samstag und Sonntag, den 19. und 20. Juli, ab 9 Uhr freien Eintritt für ihre Besucher. Geboten wird ein abwechslungsreiches Programm für Jung und Alt. In der Fuggerei, die Teil der Kirchweih ist, öffnet an beiden Tagen ab 12 Uhr ein Waffelstand und ein Eiswagen. Darüber […]

gesamten Beitrag lesen »



Neues vom Perlach

Die neuen Treppen im Perlachturm werden flacher und damit mehr. Das ergibt sich aus einem Transparent, mit dem seit dem 14. Juli der Bauzaun am Perlach bekleidet ist. 258 Stufen mussten bis 2017 die Teilnehmer des legendären Perlachturmlaufs, einem der ältesten Treppensprintrennen in Deutschland, überwinden. In Zukunft sollen es 281 sein. Auch die Musik soll nach […]

gesamten Beitrag lesen »



Tödliche Hitze in Augsburg?

Am Montag, den 14. Juli, steht im Umweltausschuss der Hitzeaktionsplan für die Stadt Augsburg auf der Tagesordnung. Ziel des Plans ist es, die Bevölkerung besser vor Gesundheitsrisiken durch Hitze infolge des Klimawandels zu schützen. Die Begründung ist in Teilen kritikwürdig. Von Bruno Stubenrauch Eines der vier Maßnahmenpakete des Plans betrifft den Hitzeschutz im öffentlichen Raum. Als […]

gesamten Beitrag lesen »



Der digitale Altersnachweis kommt

Die Sparkasse wird erster nationaler Aussteller für digitale Altersnachweise über Google Wallet. Gemeinsam mit Google stellte sie auf der Global Digital Collaboration Conference am 2. Juli 2025 in Genf ein datenschutzfreundliches System vor, das Kunden ermöglicht, ihr Alter online sicher zu verifizieren, ohne persönliche Daten preiszugeben. Von Bruno Stubenrauch Ziel ist der Schutz von Kindern und […]

gesamten Beitrag lesen »



Blaulicht trifft Bürger: Sicherheitstag 2025 in Oberhausen

Am Samstag, den 2. August, findet von 11 bis 15 Uhr auf dem Helmut-Haller-Platz in Augsburg-Oberhausen zum dritten Mal nach 2023 und 2024 der Augsburger Sicherheitstag statt. Von Bruno Stubenrauch Symbolbild Der Augsburger Sicherheitstag ist ein Format, das darauf abzielt, die Sicherheitslage in der Stadt transparent zu machen und den Bürgern Informationen und praktische Tipps zu […]

gesamten Beitrag lesen »



Warnung vor geringer Hitze

Alles halb so schlimm mit dem Hitzesommer, meint msn.com. Am Sonntag, 29. Juni 2025 um 17 Uhr meldet das Portal zwar sommerliche 32°C für Augsburg, warnt aber nur vor „geringer Hitze“. Update: Auch heute, am 30. Juni 2025 um 13 Uhr warnt msn.com die Augsburger wieder vor geringer Hitze!

gesamten Beitrag lesen »