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Donnerstag, 18.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Aktion

„Schwabenwand“: Stadt gibt Wände für legales Graffiti frei

Das Büro für Popkultur, das Tiefbauamt, der Graffiti-Verein „Die Bunten“ und der Kriminalpräventive Rat haben in Zusammenarbeit ein Konzept für legale Graffiti- und Street Art-Flächen erarbeitet. Ziel des neuen Projekts „Schwabenwand“ ist es, die Zahl illegaler Graffiti durch mehrere legal zur Verfügung gestellte Flächen in verschiedenen Sozialregionen der Stadt zu reduzieren.

Legales Sprayen an der Haunstetterstraße

„Gegen wildes Graffiti reichen Strafe und Überwachung allein nicht aus. Deshalb sollte mit geeigneten Flächen ein Angebot für diese spezielle Ausdrucksform gefunden werden, um illegale Graffiti einzudämmen“, so Oberbürgermeister Kurt Gribl.

Das Konzept basiert auf einem umfangreichen Regelwerk für alle Beteiligten. Danach sollen zunächst bestehende Flächen restauriert und dann mit einem transparenten Regelkatalog und mit Begrenzungs-Symbolen (Schildern) immer wieder zur Verfügung gestellt werden. Zum anderen sollen neue legale Flächen ausgewiesen werden, für die das Regelwerk ebenfalls gilt. „Das Projekt Schwabenwand ist ein gutes Beispiel dafür, dass Regeln keine Belastungen sind, sondern Chancen bergen“, wird der OB von der Pressestelle der Stadt zitiert.

Zu den Graffiti-Flächen zählen als öffentliche Angebote die „Hall of Fame“ in der Unterführung an der Haunstetterstraße/ Rumplerstraße, sowie die Unterführungen an der Pfarrer-Bogner-Straße in Göggingen und in der Rentmeisterstraße in Haunstetten. Die Fläche bei der Sportanlage St. Ursula an der Schwibbogenmauer ist ein privates Angebot. Nach der einjährigen Erprobungsphase wird eine Bewertung des Konzeptes durchgeführt. Nach dieser Bewertung soll entschieden werden, ob und in welcher Form weitere Freiflächen zur Verfügung gestellt werden.

Grüne: Gribl schmückt sich mit fremden Federn

Die Bunten: Daniel Tröster in Aktion

Die Bunten: Daniel Tröster in Aktion


Die Freiflächen, die mit einem Erkennungslabel gekennzeichnet sind, bieten vor allem auch Entfaltungsmöglichkeiten für Anfänger, die sich in der Graffiti-Kunst erproben wollen, und dabei gern auf Adrenalinschübe verzichten, die illegale Aktionen evozieren. Für die Freiflächen sollen „Patenschaften“ aus der Szene übernommen werden, um auf diese Weise den Kontakt in die Verwaltung zu halten. Neben den festgelegten Nutzungsbedingungen wird die „Hall of Fame“ auch mit Ansprechpartnern ausgestattet. Sie sollen helfen, Verstößen durch Unwissenheit vorzubeugen.

Zu Beginn dieser Woche monierten die Augsburger Grünen in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Gribl, dass das Projekt von ihrer Fraktion erarbeitet und als Antrag eingebracht wurde. Weder Gribl noch die CSU-Fraktion wären aktiv an diesem Konzept beteiligt gewesen. Es zeuge nicht von Souveränität und Überparteilichkeit eines Oberbürgermeisters, dass er den Erfolg für sich reklamiere ohne zu erwähnen, dass das Konzept auf einen Antrag der Grünen zurückgehe.

In dem Antrag der Grünen vom 8. Oktober 2009, der mit Vertretern der „Bunten“ und Richard Goerlich dem Kulturausschuss vorgelegt wurde, geht es inhaltlich im Kern ziemlich genau darum, was nun von der Stadt und Kurt Gribl als „Angebot für spezielle Ausdrucksformen“ ausgewiesen wurde.

Informationen zum Standort der Flächen und zum Regelwerk im Internet:

» www.graffiti.augsburg.de

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