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Sonntag, 28.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Sozialpolitik

Wohnen im Wandel der Zeit

Mit einem kleinen Festakt wurde gestern die Ausstellung „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Wohnen im Wandel der Zeit“ in der Neuen Stadtbücherei eröffnet. Anlass der Ausstellung ist das hundertjährige Jubiläum des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen e.V. (VdW).




Bürgermeister Hermann Weber wies in seinem Grußwort darauf hin, dass das Wohnen, wie wir es heute kennen, keine Selbstverständlichkeit sei und gab einen historischen Abriss der Geschichte des sozialen Wohnungsbaues. Im 19. Jahrhundert herrschten in den Arbeitervierteln der wachsenden Industriestädte noch unbeschreibliche hygienische und soziale Zustände. Die allmählich entstehenden Baugenossenschaften machten es sich zur Aufgabe, die Wohnungssituation zu verbessern. In Augsburg wurde am 16. November 1900 die Wohnungsgenossenschaft Augsburg Nord-Ost gegründet. Es dauerte dann noch bis 1909, ehe sich die immer zahlreicher werdenden Genossenschaften zu einem Dachverband zusammenschlossen.

Gewaltige Wohnungsnotstände gab es jeweils nach den beiden Weltkriegen. Erst ab Mitte der 70er Jahre normalisierte sich der Wohnungsmarkt weitgehend. Mit dem Fall der Mauer verschärfte sich die Lage nochmals. Entspannung trat nach dem Ende des Kalten Krieges mit dem Abzug ausländischer Streitkräfte ein. Augsburg sei seit 1997 kein Gebiet mit erhöhtem Wohnraumbedarf mehr, so Weber abschließend.

Hohe Nachfrage bei der staatlichen Wohnraumförderung

Regierungspräsident Karl Michael Scheufele wartete mit Zahlen zur Förderung des Mietwohnungsbaues in Bayern auf. Im Jahr 2008 konnte mit staatlicher Hilfe für 12.500 Haushalte Wohnraum geschaffen oder modernisiert werden. Nach Schwaben flossen dabei 24 Mio. Euro. Trotz eines historischen Tiefs im Wohnungsbau insgesamt habe die Wohnraumförderung in 2008 um 17 Prozent zugelegt. Handlungsfelder der Zukunft seien das Wohnen im Alter und die Steigerung der Energieeffizienz, so Scheufele.

VdW-Verbandsdirektor Xaver Kroner

VdW-Verbandsdirektor Xaver Kroner


Zur Geschichte des VdW Bayern sprach anschließend Verbandsdirektor Xaver Kroner. Einhundert Jahre VdW seien auch einhundert Jahre Ringen um bessere Wohnverhältnisse in Bayern, gerade für einkommensschwächere Menschen. Zielsetzung bei der Verbandsgründung am 16. Mai 1909 in München war „die Verbesserung der Wohnungsverhältnisse im Allgemeinen und insbesondere der minderbemittelten Bevölkerung als eine der wichtigsten sozialen Aufgaben der Gegenwart“. Zu den 14 Gründungsmitgliedern gehörten auch drei Augsburger Baugenossenschaften.

Bis heute sei die Kernaufgabe des VdW die gleiche geblieben: Allen Menschen eine angemessene Teilhabe am Leben in unserer Gesellschaft zu ermöglichen. Dies drücke auch der Slogan „gut und sicher wohnen“ des VdW Bayern aus, so Kroner.

Kritik am schnellen Geldverdienen mit der „Ware“ Wohnen

Der Verbandsdirektor bedauerte die Entwicklung auf dem freien Wohnungsmarkt, bei der das Thema Daseinsvorsorge über Bord geworfen werde, um mit der „Ware“ Wohnen schnelles Geld zu verdienen. Dieses kurzfriste Denken habe „in eine der größten Krisen der Weltwirtschaft“ geführt. Das 100-jährige Jubiläum des VdW Bayern inmitten dieser Krise symbolisiere, dass es noch Unternehmen und Organisationen gebe, die durch alle Wirtschaftszyklen hindurch Kontinuität und Stabilität gewährleisten.

Zeigen die Größe einer Wohnküche des Jahres 1930: Karl Michael Scheufele, Hermann Weber, Xaver Kroner und WBG-Geschäftsführer Edgar Mathe (v.l.)

Zeigen die Größe einer Wohnküche des Jahres 1930: Karl Michael Scheufele, Hermann Weber, Xaver Kroner, WBG-Geschäftsführer Edgar Mathe (v.l.)


Die hohe Qualität des sozialen Wohnungsbaues sieht Kroner darin bestätigt, dass diesem nie der Makel von Armenquartieren anhing. Er verwies auf ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, das den Hauptgrund für die niedrige Eigentumsquote in Deutschland im stark ausgeprägten sozialen Wohnungsbau mit hohem baulichen Standard sieht. Mieter seien dadurch nie stigmatisiert worden.

Die Ausstellung zeigt auf einer Reihe von Schautafeln die kontinuierliche Verbesserung des Wohnstandards im sozialen Wohnungsbau vom Kleinwohnungsbau – eine Kleinstwohnung für 3-4 Personen aus dem Jahr 1930 mit einer Wohnfläche von 28 m2 ist in Originalgröße aufgebaut – bis zu heutigen Sozialwohnungen, die sich mit Wohnflächen von 90 m2 für vier Personen kaum noch von freifinanzierten Mietwohnungen unterscheiden. Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt noch bis 6. Januar 2010 im Foyer der Neuen Stadtbücherei zu sehen.

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