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Donnerstag, 09.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Politik

Italo auf deutschen Gleisen: SPD warnt vor Rosinenpickerei

Der angekündigte Markteintritt des italienischen Bahn­betreibers Italo im deutschen Schienen­fern­verkehr sorgt für politischen Widerstand. Die Augsburger Land­tags­abgeordnete Anna Rasehorn (SPD) fordert klare Regeln – und warnt davor, dass Augsburg zum Durch­fahrts­bahnhof werden könnte.

Von Bruno Stubenrauch

Italienischer Hochgeschwindigkeitszug (Symbolbild)

Ab 2028 will das italienische Bahn­unternehmen Italo auf deutschen Schienen fahren – geplant sind unter anderem die lukrativen Strecken München–Berlin und München–Dortmund, mit möglichst wenigen Zwischen­halten. Für Rasehorn ist genau das das Problem: Private Anbieter hätten einen starken wirtschaftlichen Anreiz, sich auf profitable Haupt­achsen zu konzentrieren – während weniger rentable Verbindungen und Regional­halte unter Druck geraten.

„Augsburg darf nicht zum Durch­fahrts­bahnhof werden, nur damit private Anbieter auf dem Papier ein paar Minuten schneller sind“, betont Rasehorn. Reise­zeit­gewinne im deutschen Netz seien ohnehin meist nicht durch höhere Geschwindigkeit möglich – sondern durch das Auslassen von Zwischen­halten wie Augsburg, Ulm oder Donau­wörth.

Querfinanzierung in Gefahr

Bislang wird der Schienen­fern­verkehr in Deutschland eigen­wirtschaftlich betrieben – ohne staatliche Bestellung wie im Nah­verkehr. Die Deutsche Bahn finanziert dabei weniger profitable Strecken intern quer. Genau dieses System könnte ins Wanken geraten, wenn Italo der DB auf den stärksten Achsen Fahrgäste abwirbt. SPD-Verkehrs­expertin Sabine Gross warnt: Städte wie Augsburg, Ingolstadt und Bamberg könnten laut einer Analyse der Eisenbahn- und Verkehrs­gewerkschaft EVG ihre ICE- und IC-Anbindung verlieren.

„Wir sagen Ja zum Wettbewerb auf der Schiene – aber nur unter fairen Bedingungen“, so Gross. Es könne nicht sein, dass ein Unter­nehmen ein Komplett­programm erfüllen müsse, während ein anderes sich die lukrativsten Verbindungen herauspicke.

Klare Regeln vor dem Markt­eintritt

Rasehorn fordert, große Markt­eintritte so lange zu verzögern, bis der Bund eine verbindliche Markt­ordnung geschaffen hat. Denkbar sei ein Modell, bei dem Fern­verkehrs­linien künftig in Paketen aus­geschrieben werden – attraktive und weniger rentable Strecken gemeinsam. Auch die Staats­regierung sieht sie in der Pflicht: Die SPD-Fraktion im Landtag hat einen Dringlich­keits­antrag eingebracht, der Bayern auffordert, sich in Berlin für klare rechtliche Rahmen­bedingungen einzusetzen.

„Wenn der Bund im Fern­verkehr keine klare Ordnung schafft, geraten am Ende Regional­züge, Takte und Halte unter Druck. Das kann niemand wollen“, so Rasehorn.

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