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Freitag, 03.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Lokalpolitik

Augsburger Hitzeaktionsplan: weder Aktion, noch Plan

Die Stadt Augsburg hat am Montag, den 14. Juli 2025, im Umweltausschuss ihren Hitzeaktionsplan vorgestellt, den die Verwaltung jetzt umsetzen wird. Der Plan erntete viel Kritik.

Von Bruno Stubenrauch

Der Aktionsplan hat zum Ziel,

  • die negativen Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit der Bevölkerung zu vermindern,
  • für die Gefahren von Hitze zu sensibilisieren und
  • Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wie man sich vor Hitzebelastung schützen kann.

Die Hitze sei damit „nicht nur selbst angekommen, sondern auch in der Politik und Verwaltung“, so Umweltreferent Reiner Erben, der die Sitzung leitete.

Vier Themen, 18 Maßnahmen

Vorgestellt wurde der Hitzeaktionsplan von Sarah Fritz vom Gesundheitsamt, Bereich Gesundheitsregionplus, wo er maßgeblich erarbeitet wurde. Er umfasst vier Themencluster:

  • Planung & Koordinierung: Einrichtung einer städtischen Koordinierungsstelle und eines jährlichen Steuerungskreises,
  • Kommunikation & Sensibilisierung: Aufbau einer digitalen Informationsplattform, gezielte Hitzewarnungen und Aufklärungskampagnen,
  • Vorbereitung des Gesundheits-, Sozial- und Bildungssystems mit Informationen und Hitzeschutzkonzepten und
  • Hitzeschutz im öffentlichen Raum: Darstellung kühler Rückzugsorte, temporäre Begrünung, Hitzeschutz auf Spielplätzen und Checklisten für Veranstaltungen.

Soll sensibilisieren: die am 14. Juli eröffnete Klimainsel – Foto: DAZ

Besonderen Wert legt der Plan auf den Schutz vulnerabler Gruppen wie ältere Menschen, Kinder, Schwangere, Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen, Obdachlose und Menschen mit Suchterkrankung. Insgesamt 18 Maßnahmen werden benannt, darunter die Schaffung von „Klimainseln“ mit mobiler Begrünung (DAZ berichtete), weitere öffentliche Sensibilisierungskampagnen sowie Checklisten für Veranstalter. Die Umsetzung der Maßnahmen soll jährlich evaluiert werden.

Bei Hitze einfach in den Schatten gehen?

In der anschließenden Aussprache kam zunächst herbe Kritik von Christian Pettinger (ÖDP). Der Hitzeaktionsplan, den die ÖDP schon seit zwei Jahren anmahne, sei eine „akribische Sammlung wohlfeiler Ratschläge, aber weder Aktion, noch Plan“. Anstelle von Maßnahmen mit Breitenwirkung, für die die Stadt natürlich Geld in die Hand nehmen müsste, stehe dort nur, „wenn’s warm ist, soll man schauen, dass man ein kühles Eck erwischt“.

Begrüßt wurde der Plan dagegen von Peter Rauscher (Grüne). Die Zahlen des Robert-Koch-Instituts, das von geschätzt 3.000 Hitzetoten in Deutschland im Schnitt der letzten drei Jahre ausgeht, seien ein klarer Handlungsauftrag. Bruno Marcon (Augsburg in Bürgerhand) setzte noch eins drauf: eine aktuelle, im Fachmedium „Nature“ veröffentlichte Studie gehe sogar von 6.300 Hitzetoten im Jahr aus (Anm. d. Redaktion: Wie wichtig die Definition „Hitzetote“ und die Unterscheidung „AN oder MIT Hitze gestorben“ ist, zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamts, das „nur“ 37 Tote p.a. führt, bei denen als unmittelbare und hauptsächliche Todesursache Hitze festgestellt wurde; DAZ berichtete).

Im Weiteren schloss sich Bruno Marcon allerdings – auf das Hitze-Portal der Stadt anspielend – der Kritik von Christian Pettinger an: „Wir müssen tätig werden, nicht nur eine Plattform anbieten“. Als konkrete Maßnahmen nannte er das Angebot von Trinkwasserstellen in wirklich jedem Stadtteil, die Erhöhung des Grünflächenanteils von derzeit 15 Prozent bei neuen Bebauungsplänen, die Entsiegelung im Bestand und die Erweiterung des Grünvolumens. „Solche Maßnahmen fehlen im Plan“, so Marcon.

Die meisten Weltbürger leben mit höheren Temperaturen

Raimond Scheirich (AfD) gab zu bedenken, dass 82 Prozent der Länder und damit 85 bis 90 Prozent der Weltbevölkerung mit höheren Durchschnittstemperaturen leben würden als Augsburg. Deshalb stelle sich für ihn die Frage, wie sinnvoll ein Hitzeaktionsplan überhaupt sei, der zudem Mittel binde.

Lars Vollmar (FDP) erklärte, er sei nach dem ersten Einlesen in den Plan zunächst enttäuscht gewesen. „Der Name klingt nach mehr, als er ist“, so Vollmar. Dann habe er aber festgestellt, den Namen hätte sich der Freistaat ausgedacht. Für die FDP gebe es viele Bereiche, „wo wir uns wünschen, dass es mal losgeht“. Der Plan sei nur ein „erster Aufschlag“.

Kein Maßnahmenkatalog, sondern ein Leitfaden

Das Schlusswort hatte Reiner Erben. „Man kann auch alles schlecht reden“, so der Umweltreferent. Unter Bezug auf Lars Vollmar erklärte er dem Ausschuss, mit dem Aktionsplan hätte man genau die vom Freistaat Bayern gemachten Vorgaben umgesetzt, nämlich einen Leitfaden zur Sensibilisierung der Bevölkerung zu erstellen. Der Hitzeaktionsplan sei kein Maßnahmenkatalog. Um konkrete Maßnahmen umzusetzen, „brauche ich von euch, vom Stadtrat, mehr Geld. Dann kann ich schneller agieren!“

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