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Sonntag, 21.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kulturpolitik

Pro Augsburg wettert gegen Leipprand

Von Siegfried Zagler

„City of Peace“, Kulturstadion auf dem Augsburger Rathausplatz

Oberbürgermeister Kurt Gribl findet die Stimmung in der Innenstadt derzeit „richtig geil“ und Pro Augsburg spricht davon, dass die Stadt „Charme und Herz“ zeige. Die Rede ist vom Veranstaltungsreigen des Rahmenprogramms zur Frauen WM. Ein Festival, das neue Qualitätsmaßstäbe in Augsburg eingeführt hat – und sehr viel Geld gekostet hat, das nun woanders eingespart werden muss. Pro Augsburg hat sich gestern im Rahmen dieses Festivals eine im Tonfall beispiellose Attacke gegen die Grünen im Allgemeinen und gegen die ehemalige Kulturreferentin Eva Leipprand im Besonderen geleistet. Um den pöbelhaften Ton der Pressemitteilung, die von der Fraktionsvorsitzenden Beate Schabert-Zeidler und dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Rolf Harzmann unterzeichnet wurde, unverfälscht widerzuspiegeln, dokumentiert die DAZ die Pressemitteilung im Wortlaut:

„Diese Stadt zeigt Charme und Herz. Allen Kreativen, Organisatoren und Akteuren, die das ermöglicht haben, gilt unser Dank. – Schade nur, dass die GRÜNEN im Vorfeld, zwischendurch und wahrscheinlich auch im Nachgang wieder mäkeln, mosern und schlecht reden. Nichts war ihnen recht. Angefangen bei der Bewerbung zur Frauen-WM, weiter ging es mit den Konzepten für Modular und City of Peace. Nicht einmal Peter Grabs Personalentscheidung, Richard Goerlich zum Gesamtleiter des Rahmenprogramms zu machen, fand man zielführend. Nicht auszudenken, wenn Frau Leipprand noch Kulturreferentin wäre, Augsburg wäre auf der Frauenfußball-Weltkarte gar nicht erst aufgetaucht, die Stadt in sommerlicher Lethargie! Augsburg als seelenlose Enklave der Hochkultur. Gut, dass wir das geändert haben!“

„Die Abseitsfalle“: So grauenvoll, dass man sich kaum Freikarten verschenken traut

Selbst beim zweiten Lesen kann man es kaum glauben, dass es sich hierbei um eine offizielle Pressemitteilung einer Rathausfraktion handelt, die mitregiert und den Kulturreferenten stellt, und nicht etwa um einen Sprücheklopferwettbewerb einer Schar angetrunkener Stammtischbrüder. Mal abgesehen davon, dass vier Stadträte der sechsköpfigen Grünen Stadtratsfraktion für die Frauen WM gestimmt haben, steht gerade das Festivalkonzept von „City of Peace“ dafür Pate, dass die Unterscheidung zwischen Hochkultur und Populärkultur nicht immer haltbar ist. Und zu dieser Einsicht passt paradoxerweise der extreme Qualitätsausreißer, „Die Abseitsfalle“, eine Nummernrevue auf der Freilichtbühne, die so grauenhaft ist, dass man sich kaum Freikarten verschenken traut. Verantwortlich für diesen Mega-Flop ist das Augsburger Stadttheater. Eine Einrichtung, die man reflexartig der Hochkultur zuordnet. Eine Instanz der lokalen Hochkultur sozusagen, die möglicherweise einzige in dieser Stadt.

Gut, dass Gedankenlosigkeit nicht wehtut

Eine Instanz, die sich derzeit ebenfalls einem außerordentlichen Angriff ausgesetzt sieht: Finanzreferent Hermann Weber will dem Stadttheater 2012 nur 13 Millionen städtische Gelder zuschießen, womit dem Theater zirka 1,6 Millionen Euro für den laufenden Betrieb fehlen würden. Pro Augsburgs Kulturreferent Peter Grab wehrt sich dagegen mit Händen und Füßen, während er gleichzeitig mit seinem „Biennale Diskussionspapier“ der Betriebsamkeit der städtisch subventionierten Festivals einen gemächlicheren Gang verordnen will. Nicht bei der sogenannten Hochkultur, sondern in anderen Bereichen will Grab sparen. Nicht dass das per se verwerflich wäre, aber just in dem Moment, in dem Kulturreferent Peter Grab sein ohnehin nicht konzeptfähiges Wahlkampfmotto „Kultur für alle“ preisgibt, um auf „Dachmarken“ zu setzen (Frieden, Brecht, Mozart), also just in dem Moment, in dem Grab zu priorisieren und zu agieren beginnt, wie man es von einem Kulturreferenten erwartet, und sich dabei nicht unbedingt unauffällig an Leipprands „Leuchttürmen“ ausrichtet, singt seine Fraktion ein aberwitziges Spottlied auf die „seelenlose Enklave der Hochkultur“. Um es im Tonfall von Pro Augsburg zu sagen: Gut, dass Gedankenlosigkeit nicht wehtut.

Bodenlos ist Pro Augsburgs Pöbelei auch in einem anderen Zusammenhang. Es trifft nämlich nicht zu, dass Peter Grab Richard Goerlich zum Gesamtleiter des Rahmenprogrammes gemacht habe. Diese „Personalentscheidung“ fiel aus einer krisenhaften Situation heraus – in allerletzter Sekunde und auf Intervention von außen, nachdem Peter Grab monatelang nicht erkennen wollte, dass das WM Büro mit dieser Aufgabenstellung überfordert war.

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„Ich bin ein Teamspieler, nicht das große Alphatier, das sich jeden Tag auf die Brust schlägt und einsame Entscheidungen verkündet“

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„Ich bin derjenige, der die Prügel bekommt, wenn es schiefgeht“

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