Klamauk auf der Metaebene
Enemy Alien Brecht: BB vor dem Sensemble-Untersuchungsausschuss
Von Frank Heindl
Dass „DAZ-Bashing“ angesagt sein würde, ging schon aus dem Programmheft hervor. DAZ-Autor Manfred Seiler hat beim letzten Brechtfestival heftig polemisiert, und das haben – verständlicherweise – nicht alle Betroffenen goutiert. Sebastian Seidels Auftragswerk zum Brechtfestival mit dem Titel „Enemy Alien Brecht“ setzt nicht neue Polemik dagegen, sondern will sich lustig machen über den Umgang Augsburgs mit „seinem“ Dichter und seinem Brechtfestival. Das gelang nur bedingt.

Feindlicher Ausländer in Augsburg? Ralph Jung als Bertolt Brecht (sitzend), Florian Fisch als Untersuchungsbeamter in Sebastian Seidels „Enemy Alien Brecht“ (Foto: Nina Hortig).
Seidel, der fürs Brechtfestival 2012 aus den Protokollen Augsburger Stadtrat-Sitzungen ein Stück geschnipselt hatte (DAZ berichtete), schaute diesmal nicht ein halbes Jahrhundert, sondern hauptsächlich auf die letzten drei Brechtfestivals zurück – und auf die Diskussionen, die drum herum geführt wurden. Formal findet auf der Bühne des Sensemble-Theaters eine Untersuchung statt, in der ein „künstlich am Leben gehaltener“ Bertolt Brecht Verantwortung übernehmen soll auch für das, was posthum mit seinem Werk geschieht – und zwar in Anlehnung an jene Brecht-Befragung vor dem amerikanischen McCarthy-Ausschuss im Oktober 1947, in deren Folge der Dichter sich erneut ein anderes Exilland suchte und schließlich in der DDR landete.
Dieses künstliche Setting ist eine Crux von Seidels Stück, denn es will und will nicht einleuchten, warum sich ein Untersuchungsbeamter (Ralph Jung) im Jahr 2013 derart ungehalten dem toten Brecht (Florian Fisch) gegenüber zeigen sollte, warum einer sich aufführt wie Rumpelstilzchen, bloß weil’s ihn ärgert, dass Brecht mal so und mal anders interpretiert wird. Er habe Brechts Werke gelesen, behauptet dieser Choleriker, sei aber „nicht schlau draus geworden.“ Das geht vielen so, aber dafür kann Brecht nichts. Der Beamte aber fordert Bekenntnisse, verbietet es dem Dichter aber, irgendwelche Erklärungen zu verlesen.
So unkonkret war Brecht nun doch nicht (mehr …)