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Donnerstag, 19.03.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Musik

Prima Donna: Eine zähe Geschichte des schönen Scheins

Die deutsche Erstaufführung der Oper von Rufus Wainwright stellt die Geduld der Zuschauer hart auf die Probe

Von Halrun Reinholz

Rufus Wainwrights "Prima Donna" mit Sally du Randt, Roman Poboinyi (c) Jan-Pieter Fuhr

Rufus Wainwrights "Prima Donna" mit Sally du Randt, Roman Poboinyi (c) Jan-Pieter Fuhr


Ein Popmusiker schreibt eine Oper. Er sei seit seinem 10. Lebensjahr mit Oper aufgewachsen, bekennt Rufus Wainwright im Interview und tatsächlich legt die Musik seiner Oper „Prima Donna“, die in deutscher Erstaufführung im Augsburger Martinipark zu sehen ist, Zeugnis ab von der „klassischen“ Schule, die Wainwright wohl durchlaufen hat. Zwischen modernen Tönen zitiert er Klassik geschickt, um das Thema, die Nöte einer Operndiva, die nicht mehr die gewohnte Leistung erbringen kann, darzustellen. Doch Wainwright hat sich nicht damit begnügt, eine zweifellos reizvolle Geschichte in Töne zu setzen, er hat auch das Libretto geschrieben, gemeinsam mit Bernadette Colomine. Und da hätte er vielleicht jemanden mit mehr dramaturgischem Gespür heranlassen sollen.

Die Handlung der Oper ist dürftig: Eine Diva, Madame Régine Saint Laurent, die nach einem traumatischen Stimmverlust von der Bühne abtreten musste, bereitet ihr Comeback vor, doch die Angst vor einem weiteren Scheitern lähmt sie und führt letztlich dazu, dass das Comeback ausbleibt. Soweit die dürre Geschichte, die zwar mit einigen skurrilen Personen und Situationen garniert wird, nicht jedoch mit einem noch so schwachen dramatischen Spannungsbogen. Da nützt es auch nichts, dass man den französischen Originaltext ins Deutsche übersetzt hat.

Die Diva (Sally du Randt, die ihre Töne erwartungsgemäß sehr wohl im Griff hat) wird von einem Journalisten interviewt (Roman Poboinyi), der selbst als Tenor dillettiert und sich überreden lässt, mit Madame Régine Saint Laurent das berühmte Duett aus der (fiktiven) Oper Aliénor zu singen, die der Diva seinerzeit zum Verhängnis geworden war. Völlig unverständlich, warum der Butler Philippe (Wiard Witholt) und das Dienstmädchen Marie (beeindruckend: Jeannette Wernecke als Gast) so eine Macht über die Sängerin haben, als wären sie ihre Agenten. Dazwischen schleichen Menschen durchs Haus, feiern oder stehen dekorativ herum und ein Kameramann hält alles fest. Für eine Stunde wäre das vielleicht unterhaltsam gewesen, aber zweieinhalb Stunden ziehen sich da ganz schön hin.

Lancelot Fuhry bemühte sich sehr, mit dem philharmonischen Orchester ein bisschen musikalischen Schwung in den Martini-Park zu bringen, doch schließlich war der Applaus des Publikums vor allem ein Ausdruck der Erleichterung über das Ende der Veranstaltung. Und eine Anerkennung für die Leistung der Sängerinnen und Sänger. Fazit im Detail: Statt Dramaturgie viel Atmosphäre beim Bühnenbild und den Kostümen, selbst die unsäglichen Kameraaufnahmen waren nur wenig störend. Stimmig die Ausführenden, auch die Statisten, die bei der seltsamen Geschichte Professionalität, ja fast Vergnügen vermittelten.

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