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Montag, 27.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Festival

Von Gundremmingen bis nach Neapel und Kinshasa

„Lust auf Wirklichkeit“ – Filmtage contra Traumfabrik

Von Frank Heindl

Sich einlullen lassen von den – zugegeben: oftmals phantastischen, atemberaubenden, schönen – Ideen der Filmindustrie, das ist die eine Seite des Mediums Film, die eine Möglichkeit des Kulturorts Kino. Es ist auch die profitablere Seite, die mit den meisten Zuschauern, es ist die Sparte, die den Platz auf den Zeitungsseiten für Filmbesprechungen füllt. Aber es gibt noch eine andere Art Kino. „Lust auf Wirklichkeit“ nennen die Tage des Unabhängigen Films Augsburg den Teil des Programms, der sich mit den Widrigkeiten, Absurditäten, Banalitäten, mit dem Hässlichen, Abseitigen, aber auch mit dem Einzigartigen, dem Schönen, dem Echten befasst, mit unserem Alltag, mit der Realität.

„Lust auf Wirklichkeit“: In Bertram Verhaags Film „Gekaufte Wahrheit“ geht es um Gentechnik. Verhaags These: Wir sind längst zu Versuchskaninchen der Konzerne geworden, denn es geht um knallharte Geschäfte und enorme Profitaussichten.

„Lust auf Wirklichkeit“: In Bertram Verhaags Film „Gekaufte Wahrheit“ geht es um Gentechnik. Verhaags These: Wir sind längst zu Versuchskaninchen der Konzerne geworden, denn es geht um knallharte Geschäfte und enorme Profitaussichten.


Realität macht nicht immer Spaß, dafür ist sie aber auch nie einseitig, hat viele Aspekte, bietet immer Stoff zum Nachdenken, zum Lernen. Und der Spaß des Zuschauers findet seinen Ursprung nicht nur in Bildern, sondern auch in der intellektuellen Auseinandersetzung mit ihren Sujets. Die Befürchtung, man müsse sich hier auf dröge Schwarz-Weiß-Dokumentationen einstellen, entbehrt allerdings bei den 16 Filmen, die das Filmfest unter dem Motto „Lust auf Wirklichkeit“ vorstellt, jeder Grundlage. Da ist zum Beispiel die Musik. Sie spielt etwa in John Turturros „Passione“ eine große Rolle. Es geht um Neapel – eine Stadt, in der laut Turturro Pop und Klassik zu einem italienischen „Buena Vista Social Club“ verschmelzen. Eine ganz andere Rolle spielt die Musik in „Benda Bilili“ aus der Republik Kongo. Für die Straßenkinder, die in der Hauptstadt Kinshasa Musik machen, ist das nicht nur Broterwerb, sondern Flucht und Befreiung aus einer tristen Welt voller Armut und Zerstörung. Sie spielen auf uralten oder selbstgebauten Instrumenten. Mag uns Turturros Neapel schon als fremdartige südliche Metropole vorkommen – Kinshasa, seine Musik und seine Kinder sind im europäischen Kontext kaum denk- und vorstellbar. „Lust auf Wirklichkeit“ bedeutet hier auch Neugier auf fremde Welten, die trotz Globalisierung und Informationsgesellschaft unendlich weit von der unsrigen entfernt scheinen.

Künstler und Koma, Atomkraft und Glücksversprechen

Auch die Welten von Künstlern und Schriftstellern sind der unseren fremd, wenn nicht gar entgegengesetzt. Ein Typ wie Tom Kummer spielt da eine besondere Rolle – er hat der Medienwelt nicht nur den Spiegel vorgehalten, sondern sie auch schlichtweg betrogen. Kummer belieferte jahrelang die deutsche Presse mit tollen Reportagen und Interviews. Die Redaktionen erhielten, was sie sich wünschten, die Leser bekamen zu lesen, was sie hören wollten. Der Haken daran: Kummers Texte waren genial – erfunden. Klar, dass das ein Skandal war, klar, dass Kummer in der Medienwelt verfemt war, als dann alles aufgeflogen war. Gut, dass das Thema in Miklós Gimes‘ nun im Kino auftaucht – denn auch hier geht es ja um „nachempfundene“ Wirklichkeit, um den schmalen Grat zwischen Wahrheit und Illusion, zwischen Lüge und Erkenntnis. Der Regisseur von „Bad Boy Kummer“ wird in Augsburg selbst über seinen Film Auskunft geben. Ebenso wie Christoph Rüterl, der Regisseur einer Filmcollage über den Dichter, Filmemacher und Schriftsteller Thomas Brasch, die vor kurzem auf der Berlinale uraufgeführt wurde. „Brasch – das Wünschen und das Fürchten“ heißt der Film.

Lust auf Wirklichkeit? Larissa Trueby kümmert sich um die Lust aufs Glück im ausufernden Markt der Ratgeberliteratur. „Glücksformeln“ sei „ein kluger Film über kleine und große Weisheiten“, behauptet das Programmheft. Vielleicht geht es hier ja auch um einen gewissen Gegensatz zwischen Glücksstreben und Wirklichkeit. Alle Filme des Programms „Lust auf Wirklichkeit“ aufzuzählen, ginge zu weit. Thematisch sind sie weit gestreut: Um Atomkraft geht es in „Unter Kontrolle“, gedreht unter anderem im AKW Gundremmingen und erschreckend aktuell – ein Thema, bei dem einem womöglich die Lust auf die Realität verloren gehen könnte. „Verborgen in Schnuttenbach“ widmet sich der Kriegsvergangenheit in einem kleinen schwäbischen Dorf, dessen Bewohner sich an ein Lager für Zwangsarbeiter erinnern. Dass Wirklichkeit trotz aller Authentizitätsansprüche ein subjektives Kriterium ist, kann man schließlich in „Zwischen Welten“ erfahren. Regisseur Marc Haenecke – auch er zu Gast auf dem Filmfest – hat im Klinikum Augsburg und im Therapiezentrum Burgau gedreht und Menschen beobachtet, die aus dem künstlichen Koma erwachten. Sie haben einen speziellen Blick darauf, wo die Wirklichkeit anfängt, aufhört, weitergeht. Ein intensiver Blick in eine unbekannte Welt – vielleicht schon ein wenig jenseits unserer „Wirklichkeit“, sicher aber hochspannend für offene Augen mit Lust am Sehen.

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Gegen „erwachsene“ Dummheit

Das Kinderfilmfest beginnt mit „Harun Arun“ aus Indien Von Frank Heindl Am Anfang kommt das alles sehr holzschnitthaft daher: Wie der nach Pakistan emigrierte Großvater seinen Enkelsohn zurück nach Indien bringen will, wie sie beide von der Polizei auseinandergerissen werden, wie der kleine Harun von Kindern aufgenommen wird, die ihn zuhause verstecken. Doch Vinod Ganatras […]

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Maxfest: Stadtrat genehmigt Ausfallbürgschaft

Wie erwartet hat gestern der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung die Ausfallbürgschaft über 180.000 Euro genehmigt. Die Ausfallbürgschaft wurde von CIA-Geschäftsführer Heinz Stinglwagner aufgrund der verstärkten Sicherheitsauflagen gefordert. Falls die dreitägige Massenveranstaltung Mitte Juli nicht kostendeckend verläuft, müsste die Stadt bis maximal 180.000 Euro der CIA beispringen. Der Antrag der Freien Wähler, mit gestaffelten Eintrittspreisen das […]

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Stadtrat: Entscheidung über Max 11

Der Stadtrat entscheidet am heutigen Donnerstag im nichtöffentlichen Sitzungsteil darüber, ob das erweiterte Maxfest in diesem Jahr stattfindet oder nicht. Wie bereits mehrfach berichtet, haben sich aufgrund der verschärften Sicherheitsauflagen die Kosten der dreitägigen Massenveranstaltung erheblich erhöht, weshalb die „City Initiative Augsburg“ (CIA) als Veranstalter von der Stadt Augsburg eine Ausfallbürgschaft von 180.000 Euro fordert. […]

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Wie leicht wäre es gewesen, einen Neustart einzuleiten

Warum das Maxfest den Blick auf weiterführende Konzepte verstellt Kommentar von Siegfried Zagler Es ist ein Jammer, dass sich heute der Stadtrat vermutlich dem Diktat der Augsburger Allgemeinen und den Geschäftsinteressen der Augsburger Szenegastronomie unterwerfen wird. Wie leicht wäre es gewesen, angesichts der Frauen-WM einen Neustart in die Wege zu leiten. 2011 hätte sich durch […]

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Bert Brecht – tourismuskompatibel

Ein Kommentar zum Brechtfestival von Frank Heindl Es waren tolle Veranstaltungen. Zehn Tage lang hat sich die DAZ-Redaktion auf dem Brechtfestival herumgetrieben, und danach ging es uns fast wie den Mitgliedern des Kulturausschusses: Wir waren müde und zufrieden. Bis dann im wieder ausgeschlafenen Zustand viel Erlebtes schnell seinen Glanz verlor. Werden wir in uns in […]

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Oh Scheibe, ist das schön!

Brechtfestival-Nachtrag: Dominique Horwitz Von Frank Heindl „Oh Scheibe, ist das schön!“ – Der Seufzer, den Dominique Horwitz ganz am Schluss ausstieß, war herrlich doppeldeutig. Denn zum einen meinte er damit Jan-Christof Scheibe, den Arrangeur, Keyboarder und Gitarristen seiner Band. Zum anderen aber drückte sich damit aus, was Horwitz in seinem „Best of Drei-Groschen-Oper“-Konzert konsequent umgesetzt […]

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Frauen-WM 2011: Kulturprogramm, neuster Stand

Vom 26. Juni bis 10. Juli 2011 zieht in Augsburg der FIFA-Zirkus seine Kreise. Die impuls arena mit den Frauen-Kicks und die Augsburger Innenstadt mit zahlreichen sportkulturellen Ereignissen werden in diesen beiden Sommerwochen im Zentrum des Interesses stehen. Richard Goerlich, Popkulturbeauftragter der Stadt Augsburg, stellte am Dienstag dem FIFA-WM-Ausschuss ein vielschichtiges Potpourri kultureller Veranstaltungen vor, […]

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Anstrengend, verstörend, fesselnd

Brechts „Maßnahme“ im tim – ein großer Brechtabend Von Frank Heindl Der Andrang war enorm: Als am Sonntagabend im Textilmuseum (tim) zum Abschluss des diesjährigen Brechtfestivals „Die Maßnahme“ gespielt wurde, war nicht nur die Vorstellung schon seit Wochen ausverkauft. Auch zur vorangehenden Einführung kamen weit mehr Menschen, als die Veranstalter erwartet hatten. Und sogar nach […]

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„Das bisherige Brecht-Bild wird von Grund auf erneuert“

Professor Jan Knopf wird in der Gilde der Literaturwissenschaftler weltweit als führender Brecht-Experte gehandelt. Für das gestern zu Ende gegangene Augsburger Brechtfestival stand Knopf als wissenschaftlicher Berater zur Verfügung. Im DAZ-Interview zog der Literaturwissenschaftler ein insgesamt positives Fazit. „Wir sind auf dem rechten Weg“. Das Festival habe es geschafft, den Künstler Brecht, der vor allem […]

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