DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Sonntag, 24.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Gegen „erwachsene“ Dummheit

Das Kinderfilmfest beginnt mit „Harun Arun“ aus Indien

Von Frank Heindl

Am Anfang kommt das alles sehr holzschnitthaft daher: Wie der nach Pakistan emigrierte Großvater seinen Enkelsohn zurück nach Indien bringen will, wie sie beide von der Polizei auseinandergerissen werden, wie der kleine Harun von Kindern aufgenommen wird, die ihn zuhause verstecken. Doch Vinod Ganatras Film „Harun Arun“, der am heutigen Donnerstag um 19 Uhr im Mephisto-Kino das Augsburger Kinderfilmfest eröffnet, ist für Kinder gemacht – da braucht es einfache Botschaften. Und die Botschaft von „Harun Arun“ ist gar nicht so naiv, wie es am Anfang scheinen mag.

Der Vorname „Harun“ macht das Flüchtlingskind als Muslim kenntlich – und Muslime sind in Indien mancherorts nicht erwünscht. Also nimmt der Junge die Gelegenheit wahr und lässt sich von den Kindern Arun nennen. Ein Buchstabe kann so viel Unterschied machen! Kinder denken nicht so kompliziert wie Erwachsene – sie versorgen Arun, unterschlagen der Mutter Brot, Milch, Decken, besorgen beim Arzt Medizin. Und als alles auffliegt, stellt sich heraus, dass Arun nicht nur gut singen, sondern auch sticken, kochen und so manches mehr kann – das Waisenkind erlangt die Zuneigung der Gastgeber. Wenn nur nicht irgendwann der fremde Glaube auffliegen würde. Irgendjemand scheint den Indern erzählt zu haben, dass der Islam „nicht zu ihrer Gesellschaft gehört“ – oder so ähnlich. Harun/Arun wird von der Frau verstoßen, die er schon Mutter genannt hatte – doch die Kinder und ein guter „Onkel“ bringen nach mancherlei Wirren und Abenteuern alles wieder in Ordnung.

Vinod Ganatras Film ist ein typisch indisches Produkt – das zeigt sich nicht nur im manchmal klischeehaften Plot, sondern auch in der Filmmusik sowie in Musical- und Balletteinlagen. Doch Ganatras Botschaft ist erschreckend international – sie dürfte überall auf der Welt verstanden werden: Klischeevorstellungen vom Fremden, vom fremden Glauben zumal, bestimmen Vorurteile über Menschen. Wenn es, wie in diesem Fall, auch noch Kinder sind, funktioniert der Mitleidseffekt auf Anhieb. Kaum ein Zuschauer dürfte den kleinen Arun dafür strafen wollen, dass er sich dabei erwischen lässt, wie er sich gen Mekka verneigt. Und wie sich eine Horde mutiger Knirpse gegen die Herrschaft der Dummheit, gegen überkommene Dorfbräuche und festgefahrene Grenzen in den Köpfen durchsetzt – das sollte Kindern Mut machen für ein Leben jenseits „erwachsener“ Blödheit.

Wer neben einem guten Film noch einen zusätzlichen Kick braucht: Regisseur Vinod Ganatra (er hat für „Harun Arun“ den Friedenspreis der Chicago International Children’s Film Festival erhalten) und sein 13-jähriger Hauptdarsteller Hemang Mota sind bei der Präsentation des Films anwesend und stellen sich im Anschluss den Fragen des Publikums.

Findet in Indien eine neue Heimat und eine Mutter: Der Waise Harun in Vinod Ganatras Film „Harun Arun“, mit dem am Donnerstag das Augsburger Kinderfilmfest eröffnet wird.

Findet in Indien eine neue Heimat und eine Mutter: Der Waise Harun in Vinod Ganatras Film „Harun Arun“, mit dem am Donnerstag das Augsburger Kinderfilmfest eröffnet wird.


Weitere Termine von „Harun Arun“:



Fr, 1.4. um 10.45

So, 3.4. um 13.30

Di, 5.4. um 10.45

Mi, 6.4. um 8.30

Mi, 6.4. um 17.30

Fr, 8.4. um 8.30

Fr, 8.4. um 15.30

So, 10.4. um 13.30

jeweils im Thalia-Kino.



Mehr Info unter www.lechflimmern.de/filmtage2011