Ob das dem Brecht gefallen hätte?
Erstmals im Theater: Am Freitag wurde das Brechtfestival 2013 eröffnet
Von Frank Heindl
Hier hätte Brecht sich „am wohlsten gefühlt“, meinte Juliane Votteler bei ihrer Begrüßungsrede – zum ersten Mal findet 2013 das Augsburger Brechtfestival zum allergrößten Teil in den Räumen des Stadttheaters statt, erstmals auch wurde es hier eröffnet – und nicht mehr im Goldenen Saal.

So sah er aus, der junge Brecht. Ob ihm das Augsburger Festival wohl gefallen hätte? (Foto: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg).
Wer sich auf die Eröffnung des Festivals freut, der muss sich jedes Jahr durch eine Reihe von Begrüßungsreden quälen, die nicht unbedingt wirklich erhellend sind. Juliane Votteler schaffte mit einem Vergleich von Brecht und Wagner intellektuelles Niveau, wenig Neues gab es anschließend von OB Kurt Gribl und Festivalleiter Joachim Lang. Ärgerlich vor allem die mangelnde Absprache der Festredner: Ein Kniefall vor der spendierfreudigen Stadtsparkasse hätte durchaus genügt, nach mehrmaligen Dankesbekundungen war mal wieder Fremdschämen angesagt. Ein als Lästermaul bekannter Stadtrat fragte in der Pause spöttisch nach, ob den Journalisten „die vier gleichen Reden gefallen“ hätten. Es waren zwar nur drei, der Politiker hatte trotzdem recht: Denn Moderatorin Anja Marks wiederholte in schöner Regelmäßigkeit, was schon gesagt war – auch Vottelers Vermutung, „Brecht hätte sich hier sicher wohler gefühlt“.
Der Umzug ins Theater bringt organisatorische und räumliche Vorteile für das Festival: Erstmals gibt es einen einheitlichen Spielort, erstmals weiß man, wo man nach den Vorstellungen, Diskussionen und Konzerten Gäste, Macher, Schauspieler, Regisseure treffen und ein Bier trinken kann, erstmals steht für alle Aufführungen die Infrastruktur des Theaters zur Verfügung. Doch ob das dem Brechtfestival inhaltlich viel Neues einbringen wird, darf man nach der Eröffnung noch heftig bezweifeln. (mehr …)