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Sonntag, 19.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Das „Gratis“-Märchen: Wenn Zehn­tausende für eine noch teurere Rechnung klatschen

Während in den deutschen Metropolen zehn­tausende Aktivisten unter dem Jubel von Greenpeace und Campact für eine noch schnellere Energie­wende trommeln, zeigt sich ein faszi­nierendes Phänomen moderner Massen­psycho­logie: Man demon­striert leiden­schaftlich für die Beschleu­ni­gung eines Projekts, dessen wahre Kosten man offenbar gar nicht kennen möchte.

Kommentar von Bruno Stubenrauch

„Erneuerbare Energien verteidigen“: Demo am 18. April (Symbolbild)

Die bunte Welt der Slogans

In München und Köln werden Plakate hochge­halten, die behaupten, Sonne und Wind bräuchten keine kompli­zierten Handelswege. Was auf den Schildern fehlt, ist der klein­gedruckte Teil der Wahrheit: Sonne und Wind brauchen statt­dessen Milli­arden aus dem Bundes­haushalt, um die Strom­rechnung künstlich unter der 40-Cent-Marke zu halten. Während die Menge gegen „fossile Bedro­hungen“ skandiert, scheint niemand zu merken, dass sie gerade für die Ausweitung einer „10-Cent-Lücke“ demon­strieren, die am Ende vom Steuerzahler – also ihnen selbst – geschlossen werden muss.

Der Spielverderber mit dem Taschenrechner

Kontrastprogramm in Berlin: Fernab der bunten Trommel­gruppen sitzt der AfD-Abge­ordnete Raimond Scheirich und tut etwas, das in der aktuellen Stimmung fast schon als unhöflich gilt – er verlangt Zahlen. Während die Demon­stranten „Signale“ an das Wirt­schafts­mini­sterium senden, liefert die Antwort der Regierung auf Scheirichs Anfrage die nüchterne Quittung: Der Strompreis ist nur deshalb nicht bei fast 50 Cent, weil die Regierung das Geld heimlich aus der anderen Tasche der Bürger zieht.

Moral schlägt Mathematik

Es ist ein bizarres Schauspiel: Auf der Straße fordern gutgläubige Bürger von Ministerin Reiche ein höheres Tempo für ein System, das sich öko­nomisch längst in der Sackgasse befindet. Sie kämpfen für einen Ausbau, der die Netz­entgelte weiter in die Höhe treiben wird, während sie gleich­zeitig glauben, für „günstigen“ Ökostrom zu stehen.

Am Ende bleibt das Bild einer gespal­te­nen Nation: Hier die „Genera­tion Hoffnung“, die glaubt, Energie werde durch bloße Willens­kraft bezahlbar – und dort die nüchterne Oppo­si­tion, die schwarz auf weiß belegt, dass die Energie­wende längst zu einem 50-Milli­arden-Euro-Subven­tions­grab geworden ist, das nur noch durch buch­halte­rische Tricks am Leben erhalten wird.


„Energiewende-Lüge“: AfD-Politiker kritisiert versteckte Stromsubventionen