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Ausstellungen

Ausstellung: Die Erklärung der Welt – Guckkastenbilder aus der Sammlung Joachim von Prittwitz und Gaffron im Grafischen Kabinett

Am heutigen Freitag (28. Januar) startet in Augsburg die neue Ausstellung der städtischen Kunstsammlungen „Die Erklärung der Welt. Guckkastenbilder aus der Sammlung Joachim von Prittwitz und Gaffron“ im Grafischen Kabinett (Maximilianstraße 48). Die Schau zeigt eine Auswahl von etwa 50 Blättern der rund 2.400 Guckkastenbilder, die die Kunstsammlungen und Museen Augsburg im Jahr 2020 als Schenkung der Familie des Münchner Sammlers Joachim von Prittwitz und Gaffron erhielten.

Guckkastenbilder zeigten Sehenswürdigkeiten und exotische Länder, aber auch besondere Ereignisse wie die Belagerung der Stadt Madras (heute: Chennai) in Indien durch Haidar Ali im Jahr 1781 – © Kunstsammlungen & Museen Augsburg.

Guckkastenblätter, die meist exotische und farbenfrohe Bildwelten zeigen, wurden den Menschen im 18. und 19. Jahrhundert in sogenannten Guckkästen unter anderem auf Jahrmärkten zur Unterhaltung und Bildung vorgeführt. Der Guckkasten und seine Grafiken prägten damit häufig das Weltbild breiter Bevölkerungsschichten. Sie zählen somit zu den ersten Massenmedien.

Guckkasten als eines der ersten Massenmedien

Im Inneren eines hölzernen Guckkastens konnten einzelne Grafiken in perspektivischer Darstellung täuschend echt illusionistisch präsentiert werden. In den Holzkasten wurde eine Grafik eingelegt, die durch eine runde Öffnung betrachtet werden konnte. Ein Spiegel und eine Linse sorgten für die Illusion von Dreidimensionalität. Durch den Einbau von Kerzen, die die Bilder von hinten beleuchteten sowie lichtdurchlässigen Ausstanzungen auf den Blättern, wurde dieser Effekt noch verstärkt. Die Grafiken zeigten die Sehenswürdigkeiten der Welt, exotische Länder, Tagesereignisse, aber auch Militär und Schlachten zu Wasser und Land, bis hin zu Katastrophen wie Erdbeben und Großbränden. Bei den Bildern war weniger die topografische Exaktheit wichtig als vielmehr der Blick auf ferne, nicht leicht zu erreichende Orte. Als Betrachtungsgerät fremder Welten erfreute sich der bereits in der Renaissance entwickelte Guckkasten, vor allem seit dem 18. Jahrhundert zunehmender Beliebtheit und Bekanntheit.

Augsburg: Die Bilderfabrik Europas

Im 18. Jahrhundert wurden Guckkastenbilder in vier europäischen Städten hergestellt: London, Paris, Bassano (Venetien) und Augsburg. Die Stadt Augsburg übernahm ab ca. 1765 die aus Paris und London kommende Modewelle des Guckkastenbildes, übertraf qualitativ schnell die Produktionen im Ausland und wurde so als „Bilderfabrik Europas“ zum Zentrum der Guckkastenproduktion nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Es gab fünf Augsburger Kupferstecher und Verleger, die sich zwischen 1765 und 1830 mit der Produktion von Guckkastenbildern befassten: Georg Balthasar Probst, die Kaiserlich Franziskische Akademie, Marx Abraham Rupprecht, Dominikus Fietta und Joseph Carmine. Dr. Christof Trepesch, der leitende Direktor der Kunstsammlungen und Museen, betont: „Die Ausstellung unterstreicht Augsburgs Ruf als Stadt der Künste, nicht nur in der Renaissance, sondern auch im 18. und 19. Jahrhundert. Wir danken der Familie von Prittwitz und Gaffron, die diese Schau durch ihre Schenkung möglich gemacht hat.“

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Der Sammler Joachim von Prittwitz und Gaffron

Joachim von Prittwitz und Gaffron (1931-2021) wurde am 9. Januar 1931 in Leipzig geboren. Nach einer vom Krieg geprägten Jugendzeit, absolvierte er zunächst eine Ausbildung in der Textilbranche, bevor er Jura studierte. Neben seiner juristischen Tätigkeit bei der Münchner Lebensversicherung und später als Personalchef bei der Allianz München war von Prittwitz auch als ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht München tätig. Zu seiner großen Familie zählen vier Töchter und vier Stiefkinder aus zwei Ehen sowie inzwischen zehn Enkel. Seine Reiseleidenschaft brachte Joachim von Prittwitz und Gaffron in alle Länder der Welt, nach Indien zog es ihn sogar 50 Mal. Bereits in der Ausbildung hatte er die Gelegenheit Australien und Neuseeland zu bereisen. Für das Reiseunternehmen Marco Polo bzw. Studiosus Reisen, das einer seiner Kommilitonen gegründet hatte, war er gleich zu Beginn als Reisebegleiter unterwegs. Diese Begeisterung für ferne Länder spiegelt auch seine Sammlung von knapp 2.400 Guckkastenbildern, die er über einen Zeitraum von 50 Jahren zusammentrug.

Joachim von Prittwitz verstarb im Alter von 90 Jahren im November 2021 in seiner Wahlheimat München.

 

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