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Samstag, 18.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Städtische Kunstsammlungen

Ausstellung: Um angemessene Kleidung wird gebeten

Sobald es die Staatsregierung bezüglich ihrer Infektionsschutzverordnungen ermöglicht, gibt es im Augsburger Schaezlerpalais eine neue Ausstellung zu sehen:  „Um angemessene Kleidung wird gebeten. Mode für besondere Anlässe von 1770 bis heute“. Bereits heute gibt im Web eine Sonderseite, die mit Videos, Texten und Bildern erste Einblicke zeigt.

Cocktailkleid von Heinz Oestergaard, Berlin, um 1954/55, Seidenorganza mit Pailletten und Bastfäden. Bildnachweis: Sammlung Ralf Schmitt

Ballkleider, Hochzeitskleider, Kommunion und Taufe: Besondere Anlässe im Leben sind stets verbunden mit besonderer Kleidung. Angemessen soll sie vor allem sein. Was das heißt, über vier Jahrhunderte hinweg, zeigt die neue Ausstellung im Schaezlerpalais: „Um angemessene Kleidung wird gebeten.Mode für besondere Anlässe von 1770 bis heute“. Sie wird nach Ende des Lockdowns eröffnet.

Neue Sonderseite gibt erste Einblicke

Einen ersten Einblick in die Präsentation bieten die Kunstsammlungen und Museen Augsburg schon jetzt auf einer multimedialen Ausstellungsseite unter www.kmaugsburg.de/angemesseneKleidung. Zum Einstieg geht es um Outfits, die besonders in Erinnerung blieben. Davon berichten unter anderem Kulturreferent Jürgen K. Enninger und Kunstsammlungschef Dr. Christof Trepesch. Zu sehen gibt es außerdem Ausstellungs-Impressionen zu angemessener Kleidung für die Hochzeit oder auch zum Ball. Sammler Ralf Schmitt weiß zu den Stücken die eine oder andere Anekdote oder Kuriosität zu berichten. Mit Kuratorin Julia Quandt und der jungen Modedesignerin Paula Forster geht es zudem auf eine kunsthistorische und modische Zeitreise durch die Jahrhunderte. Bilder und Texte vervollständigen die Sonderseite.

Exponate aus Privatsammlung von Ralf Schmitt

Anhand von Damen-, Herren-, Kinder- und Puppenkleidung aus vier Jahrhunderten geht die Ausstellung modischen Entwicklungen vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart nach, beginnend mit der Zeit der Erbauung des Schaezlerpalais mit seinem bekannten Rokoko-Festsaal um 1770.

Die Exponate der Ausstellung stammen zum großen Teil aus der umfangreichen Privatsammlung von Ralf Schmitt. Er lebt in Trier und arbeitet dort an der Hochschule im Fachbereich Gestaltung, Fachrichtung Modedesign. Seit seiner Kindheit sammelt Schmitt historische Mode von 1750 bis 1960 und restauriert sie. Teile seiner umfangreichen Sammlung waren in den letzten Jahren als Leihgaben in verschiedenen Museen in Europa zu sehen.

Porträts der Kunstsammlungen treten in Dialog

Ergänzt wird die Ausstellung durch Gemälde aus dem Bestand der Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Zu sehen sind 19 Porträts aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert, die zum Teil zum ersten Mal ausgestellt werden. Sie treten in einen Dialog mit den Kleidungsstücken und veranschaulichen den Modegeschmack der jeweiligen Zeit sowie das zur jeweiligen Zeit vorherrschende Frauenbild.

Mode begleitet den Menschen durch sein Leben

Ralf Schmitt, Modedesigner und Sammler  aus Trier – Foto: Monika Harrer/ Kunstsammlungen Augsburg

Als „zweite Haut“ dient Bekleidung nicht nur als Schutz, sondern auch als Schmuck. Für besondere Anlässe wurde daher schon immer zu einer speziellen Garderobe gegriffen – ob zu religiösen Festen, gesellschaftlichen Events oder im Berufsleben. Über Jahrhunderte bestimmten festgelegte Kleiderordnungen, wie man sich anzuziehen hatte. Materialien, Schnitte, Farben, Dekore und Accessoires wurden dem Anlass und Stand entsprechend vorgegeben – mitunter sogar per Gesetz. Der Bruch mit diesen Dresscodes war noch bis in die 1960er Jahre so gut wie unmöglich und konnte gesellschaftliche Sanktionen nach sich ziehen.

Revolutionen und gesellschaftliche Umbrüche spiegeln sich auch in der Mode

Aufstände, Revolutionen und Kriege verändern strenge Vorgaben der Bekleidungsvorschrift. So stellten beispielsweise die Französische Revolution von 1789 und die Studentenrevolte von 1968 vormalige Konventionen infrage und definierten Kleidung neu. Manch ein Anlass und dadurch auch die entsprechende Bekleidung kamen „aus der Mode”.

Auch wenn heute die individuelle Einstellung zur Mode eine größere Rolle bei der Kleiderwahl spielt, wird die Frage nach einem angemessenen Outfit immer noch viel diskutiert. Over- oder underdressed? Sittlich-moralische, geschlechtliche und soziale Codes haben nach wie vor Einfluss auf unsere Kleidung – mal mehr, mal weniger bewusst. Auch der Bruch mit modischen Normen wird dabei zum Statement. Diesen Fragen spürt dieAusstellung „Um angemessene Kleidung wird gebeten“ mit ihrenüber 100 Objekten nach.

Öffnung nach dem Lockdown

Die Präsentation im zweiten Obergeschoss des Schaezlerpalais öffnet nach dem Lockdown. Sie war 2019 zunächst im Stadtmuseum Simeonstift in Trier zu sehen und wandert nach der Präsentation in Augsburg nach Schloss Wernigerode, Zentrum für Kunst und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts.