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Dienstag, 28.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

FCA

Kommentar zum FCA: Ein großartiger Fußballabend mit Wermutstropfen

FCA-Torhüter Rafal Gikiewicz hat sich nach seinen gehaltenen Elfmetern in Augsburg und in Bremen verhalten wie diverse Figuren aus den Fallbeispielen des berühmten Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick.

Kommentar von Siegfried Zagler

Gikiewicz steht im Tor des FC Augsburgs, um Bälle zu halten. Gelingt einem Torhüter das auf großartige Weise, dann hat das selbstverständlich Auswirkungen auf das Spielergebnis. So ist das bei allen Fußballspielen – von der Kreisklasse bis zur Champions League. Dass ein Torwart mit seinen Leistungen zum Matchwinner wird – oder eben quasi das Spiel verliert, ist nichts Besonderes.

Hält ein Keeper einen Elfmeter in letzter Sekunde und rettet somit den Sieg seiner Mannschaft, dann ist das ein Vorgang, der Euphorie auslöst und von Mannschaft wie Fans dementsprechend gefeiert wird. Dass ein offenbar leicht zu kränkender Torhüter nun zum zweiten Mal einen gehaltenen Elfmeter zum Anlass nimmt, um auf der falschen Ebene falsche Inhalte zu kommunizieren, ist doppelt peinlich und sollte nun Konsequenzen haben, denn es handelt sich (vorsichtig formuliert) um schwere Verfehlungen, die angemessen thematisiert werden müssen. In Bremen hätte Gikiewicz provokatives Verhalten Richtung der Bremer Ultras ums Haar zu einer Eskalationskette geführt, die Augsburgs Keeper mit seiner pubertären Fehlkommunikation ausgelöst hätte.

Wird ein Torhüter von Journalisten kritisiert, dann kann er die Kritik durch seine Leistungen auf dem Platz ad absurdum führen und seine Meinung dazu in Interviews äußern. Wird ein Torhüter auf dem Platz von gegnerischen Fans beleidigt und angepöbelt, dann kann er nur eins machen, nämlich nichts. Besser: es ignorieren. Falls ihn Fan-Pöbeleien jedoch übers Maß triggern, dann sollte man ihm professionelle Hilfe anbieten.

Auf dem Platz ist jedenfalls Spieler-Kommunikation, die sich auf Vorgänge bezieht, die nichts mit dem sportlichen Geschehen zu tun haben, ein psychologisches Phänomen, das zu Missverständnissen und Verwerfungen führt. Gikiewicz kommunizierte auf dem Spielfeld in Bremen wieder auf der falschen Ebene und brachte sich diese Weise in erneut Misskredit. So viel zu den Wermutstropfen eines insgesamt großartigen Fußballabends, der zwei Erkenntnisse brachte.

Erstens hat Enrico Maaßen zum ersten Mal die Mannschaft taktisch richtig auf- und eingestellt, sodass sie jenen Fußball spielen konnte, zu dem sie auch in der Lage ist. Mit viel Kampf und Laufbereitschaft und mit vielen langen Bällen in die Tiefe kreierte der FCA beinahe doppelt so viele Strafraumszenen wie in den gesamten Spielen davor. Das offensive 3-4-3-System mit drei Zielspielern in der Spitze (Berisha, Demirovic, Niederlechner) sowie den beiden offensiv gestrickten Außenbahnspielern Hahn und Iago und der Dreierkette Bauer, Gouweleeuw, Gumny funktionierte gut. Nicht zu vergessen sind auch die beiden Sechser Rexhbejai und Gruezo, die mit ihren Laufwegen eben für jene Kompaktheit sorgten, die zuletzt so vermisst wurde. Es verdient ebenfalls ein Höchstmaß an Anerkennung, dass die drei Spitzen unermüdlich pressten und somit für Druck und Fehlpässe im Spielaufbau der Bremer sorgten.

Zweitens besitzt der FCA einen Kader, der nicht einfach zu coachen ist und mit technischen Defiziten zu kämpfen hat, die – falls es schnell gehen soll oder muss – zu haarsträubenden Ballverlusten und Fehlpässen führen. Gestern Abend war auf dem regennassen Rasen des Weserstadions mit Händen zu greifen, wie der FCA diese Saison zu gestalten hat. Ballbesitzfußball ist in Augsburg jedenfalls der falsche Ansatz. Am kommenden Wochenende ist auf dem Lechfeld einer der besten Klubs in Europa zu Gast. Nach der Partie gegen Bremen kann man sich darauf sogar freuen.

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