Standort Uniklinik: Erhärtet sich der Verdacht auf eine Schein-Debatte?
Die Diskussion um den Neubau der Augsburger Universitätsklinik reißt nicht ab. Nach dem gestrigen Bericht in der DAZ, dass die viel beschworene „Ergebnisoffenheit“ bei der Standortwahl (Ost oder West) faktisch vom Tisch ist, legt nun ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger mit einer Anfrage an OB Eva Weber nach.
Von Bruno Stubenrauch
In der Stadtratssitzung am 26. Februar 2026 hatten die Fraktionen ausführlich über die Bauleitplanung des Milliardenprojekts debattiert. Zentraler Streitpunkt war der Natur- und Artenschutz, der bei einer Bebauung des westlichen Feldes massiv unter Druck geraten würde. Naturschutzverbände fordern seit jeher eine echte Prüfung beider Varianten. Die Stadtregierung unter Oberbürgermeisterin Eva Weber betonte dabei stets, dass das Verfahren standardmäßig „ergebnisoffen“ geführt werde.
Blume-Brief sorgt für Zündstoff

7 Tage Postlaufzeit? Blume-Brief vom 23. Februar 2026
Doch diese Darstellung gerät nun massiv ins Wanken. Ein auf den 23. Februar 2026 datiertes Schreiben von Wissenschaftsminister Markus Blume an den BUND Naturschutz stellt klar: Eine ergebnisoffene Prüfung der Standorte habe bereits stattgefunden – und zwar mit einem klaren Fokus auf das Baufeld West.
Für Christian Pettinger ist dies ein politischer Affront. „Nur aufgrund der ständig wiederholten Behauptung, die Standortfrage werde im Verfahren ergebnisoffen betrachtet, habe ich dem Start der Bauleitplanung zugestimmt“, so der ÖDP-Stadtrat. Er ist sich sicher: Auch viele seiner Kollegen hätten anders entschieden, wäre die Festlegung des Ministeriums bekannt gewesen.
Wusste die Stadtspitze mehr?
Besonders brisant: Der Brief aus München wurde bereits drei Tage vor der entscheidenden Augsburger Stadtratssitzung verfasst. Pettinger hält es für „hochwahrscheinlich“, dass die Oberbürgermeisterin oder Baureferent Steffen Kercher über den Inhalt informiert waren. Es sei kollegiale Praxis, die Stadtführung bei solch wegweisenden Schreiben in Kopie zu setzen.
In einer offiziellen Anfrage fordert Pettinger nun Aufklärung: Wusste die Stadtspitze bereits während der Sitzung von Blumes Absage an eine erneute Standortprüfung? Und warum wurde der Stadtrat nicht informiert? Zudem verlangt er Einsicht in die Bewertungen der Staatsregierung, die zur Vorentscheidung pro „West“ geführt haben.




