DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 01.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Opernpremiere im Martinipark: Maskenball als Totentanz

Roman Hovenbitzers Inszenierungskonzept von Verdis „Un ballo in maschera“ erschließt sich dem Publikum erst allmählich. Die stimmige Fahrt Riccardos in den Untergang hätte dennoch etwas weniger Unruhe und etwas mehr Farbe vertragen.

Von Halrun Reinholz

Riccardo (Max Jota) mit der Wahrsagerin Ulrica (Kate Allen)

Der theaterverrückte König inszeniert sich und sein Leben selbst. Diese Grundidee nimmt Regisseur Roman Hovenbitzer für seine Inszenierung von Verdis Oper „Il ballo in maschera“, auch als „Maskenball“ geläufig, auf der Bühne des Martiniparks auf. Vorlage des Librettisten für den kunstaffinen König war Gustav III. von Schweden, der tatsächlich bei einem Maskenball ermordet wurde. Auf Verbot der Zensur durfte der Ermordete kein König sein, deshalb wurde die Handlung in die Vereinigten Staaten verlegt und der „König“ ist dort Gouverneur. Doch das vergisst der Opernliebhaber schnell, denn selbstverständlich geht es in bester Verdischer Manier um die Intrigen und Gebaren auf dem Hof eines absolutistischen, egozentrischen Herrschers. Riccardo (Max Jota als facettenreicher Gastsolist) gibt den Ton an, das ist von Beginn an klar, wenn er mitten im Saal am „Regiepult“ steht und sein „Assistent“ Oscar ihm zuarbeitet. Die Hosenrolle des Pagen erhält hier ein bisschen was von Cherubino und Puck und damit wesentlich mehr Gewicht als in der Original-Oper. Sie wird von der quirligen Olena Sloia stimmlich wie darstellerisch wunderbar verkörpert. Oscar hilft Riccardo in sein „Flügelkleid“, in dem er, Ikarus gleich, seinen künstlerischen Höhenflügen zustrebt. Dass die Realität der Opernhandlung, also des richtigen Lebens, diese Höhenflüge immer wieder durchkreuzt, versucht der Regisseur mit Hilfe eines durchsichtigen Vorhangs zu vermitteln, der Schein und Sein trennt. Doch es dauert eine ganze Weile, bis sich das den Zuschauern erschließt. Zumal man immer wieder abgelenkt wird vom Gehampel der Protagonisten, vor allem Riccardos, zwischen Bühne und Regiepult. Hinzu kommen großzügige und aufwendige Video-Einblendungen und zu allem Überfluss noch gesprochene Texte, die die Handlung wohl mit tieferem Sinn aufladen sollen, den musikalischen Fluss der Oper jedoch sehr stören. Ein bisschen weniger Aktionismus und Unruhe hätte gutgetan.

Riccardo (Max Jota) mit Amelia (Sally du Randt)

Zumal die Handlung sich unabhängig von Schauplatz oder zeitlicher Verortung leicht erschließt. Es geht um einen egomanen (wenn auch durchaus charismatischen) Herrscher, der sich in die Frau seines besten Freundes und Beraters verliebt: Amelia, dargestellt von der in jeder Hinsicht brillierenden Sally du Randt. Der betrogene Ehemann Renato (Shin Yeo bei der Premiere, Zweitbesetzung Wiard Witholt ) ist gerade dabei, Riccardo vor einer Verschwörung zu warnen, als er die Beziehung entdeckt und schnurstracks zu den Verschwörern überläuft. Ihn bestimmt das Los, den König bei einem Maskenball zu töten. Dieser war allerdings schon davor von der Wahrsagerin Ulrica (Kate Allen) vor seinem baldigen Tod gewarnt worden, hatte dies jedoch in fatalistischer Weise ignoriert. Diese dramatische Grundsituation setzt Verdi gewohnt meisterhaft musikalisch um, und die Sängerinnen und Sänger des Abends folgen ihm in virtuosem Zusammenspiel. Das gilt auch für die verschwörerischen Gegenspieler des Königs, allen voran Tom (Avtandil Kaspeli), die durch den Herrenchor ergänzt wurden. Für den dramaturgischen Spannungsborgen war es deshalb eher kontraproduktiv, die Bedeutung des Ehebruchs durch idyllische Familienfilmchen aus dem Alltagsleben Renatos mit Frau und Kind zu untermauern.

Maskenball als Totentanz. Vorne: Max Jota (li.), Sally du Randt (re.) – Fotos Jan-Pieter Fuhr

Der schicksalhafte Untergang Riccardos ist in diesem Regiekonzept ein düsterer Totentanz. Einförmig die Masken beim Maskenball – lauter fast gleiche Totenköpfe. Entsprechend ist das Bühnenbild die ganze Zeit über konsequent von Licht und Schatten, Schwarz und Weiß und Grau dominiert. Die Kostüme sind heutig, meist Alltagskleidung in gedeckten Farben, nur die Wahrsagerin Ulrica trägt ein satanisches Rot. Dem tödlichen Ausgang der Oper ist das vielleicht angemessen, der Theater-im-Theater-Inszenierung des kunstaffinen Egomanen wohl kaum. Dazu hätte ein farbenfroher Tanz auf dem Vulkan besser gepasst.

Großer Jubel beim Schlussapplaus des Premierenpublikums, der vor allem den Sängerinnen und Sängern, dem Chor sowie dem Orchester unter der Leitung von Domonkos Héja galt.

gesamten Beitrag lesen »



FCA: Die Trennung von Thorup und von Jurendic ist ein Fehler

Nach einer würdelosen Woche beim FCA herrscht nun wenigstens Klarheit: Trainer Jess Thorup und Sportdirektor Marinko Jurendic dürfen trotz laufender Verträge nicht weitermachen. Diese Trennung ist ein Fehler und zeigt, dass die FCA-Führung vom Leistungsgedanken abrückt. Gastkommentar von Leonhard Pitz Die Argumentation gegen Thorup nahm in den vergangenen Wochen abenteuerliche Züge an. So schrieb der […]

gesamten Beitrag lesen »



75 Jahre Banater Schwaben in Bayern: Fulminante Feier in Augsburg

Der Landesverband Bayern der Landsmannschaft der Banater Schwaben feierte am Samstag in Augsburg mit Ministerpräsident Markus Söder als Festredner das 75. Jubiläum des Landesverbandes, der hier gleichzeitig mit dem Bundesverband seine Anfänge hatte. 200 Trachtenträger zogen durch die Innenstadt. Nach dem Festgottesdienst in St. Ulrich und Afra tanzten sie auf dem Rathausplatz und trafen mit […]

gesamten Beitrag lesen »



Schluss, Aus, Vorbei: FCA vergeigt Finale

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Für den FCA bewahrheitete sich diese Binsenweisheit in fataler Weise am letzten Spieltag der Saison im Spiel gegen die Eisernen, wo es in allerletzter Sekunde der Nachspielzeit die vierte Niederlage in Folge setzte. Von Udo Legner Trotz all der beeindruckenden Ausrufezeichen, die die FCA-Fans im Vorfeld der Partie setzten, endete die […]

gesamten Beitrag lesen »



Dritte Orte – neuer Hype der Stadtplanung oder soziale Notwendigkeit?

Zur aktuellen Diskussion um die Bedeutung von möglichst konsumfreien, altersunabhängigen und gemeinnützig wirksamen sozialen Begegnungsräumen im urbanen Raum Von Peter Bommas Kulturräume schaffen und neu denken Die Augsburger Stadtratsfraktion der Grünen hatte am letzten Samstag unter dem Titel „Kulturräume schaffen und neu denken“ zu einer Podiumsdiskussion in die Stadtbücherei eingeladen. Dort wurde die Feststellung von […]

gesamten Beitrag lesen »



Brechtbühne: Der Schlager als Rettung des Kunstlieds

Warum stirbt das Kunstlied aus? Weil die Texte so langweilig sind? Die Ballermann-Schlager sind dagegen erfolgreich. Da hilft nur eins: Kunstlieder mit Ballermann-Texten! Die spaßige Idee eines Musikdozenten landete nun als Stückentwicklung „Exportschlager“ in Uraufführung auf der Brechtbühne. Ein musikalischer Spaß, der es in sich hat. Von Halrun Reinholz Das Premierenpublikum wird schon beim Eintreten […]

gesamten Beitrag lesen »



Schlappe im Schwabenderby

Trotz respektabler Rückrundenbilanz: Nach der 0:4 Niederlage in Stuttgart droht der Thorup-Truppe ein trostloses Saisonfinale wie im letzten Jahr. Von Udo Legner Wenn es um Nichts mehr geht, dann geht beim FCA bestimmt nichts mehr. Diese Binsenweisheit scheint für den FCA wie in Stein gemeißelt. Aller schlechten Dinge sind drei So verlor der FCA am […]

gesamten Beitrag lesen »



Erstes Augsburg DOK-Filmfest

Bei der Eröffnung des DOK-Fests dankte Kulturreferent Jürgen Enninger den Betreibern des Liliom und Thalia Kinos für deren unermüdliches kulturelles Engagement und dem Team vom DOK.fest München für die filmreife Kooperation. Von Udo Legner Gesellschafts(t)räume – Kinos als Orte der Begegnung Gerade in Zeiten, die von Verunsicherung und gesellschaftlicher Spaltung geprägt sind, gewännen Kinos als […]

gesamten Beitrag lesen »



Schwarz-Grüne Stadtregierung – schweigen, aussitzen, schönreden!

Von Peter Bommas Man gewinnt langsam den Eindruck, dass die amtierende Stadtregierung nur noch auf dringliches Nachfragen und dann häppchenweise Auskunft gibt zu wichtigen stadtpolitischen Sachlagen. Man unterhält zwar ein aufgepepptes Kommunikationsamt, aber gleichgültig, ob Dauerbaustelle Staatstheater, Trennung mit Kündigung vom Architekturbüro Achatz und anstehende Klage, stillschweigende Verabschiedung der Linie 5 und endgültige Entscheidung zur […]

gesamten Beitrag lesen »



Adios Europa – Kieler Störche beenden FCA-Höhenflug

Eine blamable Bauchlandung beendete den Traum der Thorup-Truppe von Höherem. Statt der erhofften Revanche für den Hinrunden-Tiefpunkt bei den Kieler Störchen setzte es gegen den Aufsteiger aus dem hohen Norden auch beim Rückspiel in der ausverkauften WWK-Arena eine enttäuschende 1:3 Niederlage. Von Udo Legner Welch große Hoffnungen die bislang so erfolgreiche Rückrunde bei den FCA-Fans […]

gesamten Beitrag lesen »



Rumble in the jungle – white water race in Augsburg und Markkleeberg

Am ersten Maiwochenende findet in Markkleeberg bei Leipzig Teil Zwei der Sichtungsrennen des Deutschen Kanu-Verbands (DKV) statt – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2025 in Perth, Australien. Bereits eine Woche zuvor blickte die Slalomwelt nach Augsburg, wo auf der traditionsreichen Olympiastrecke von 1972 der Auftakt der Qualifikationsserie stattfand. Von Rob Zagler Für […]

gesamten Beitrag lesen »



Großes Kino zum Auftakt der Augsburger Europawochen

Mit der Vorführung des Dokumentarfilms „Surf on, Europe!“ hatten die diesjährigen Europawochen einen gelungenen und vielversprechenden Start. Sowohl der Film als auch die anschließende Podiumsdiskussion begeisterte das zahlreich erschienene und größtenteils junge Publikum. Von Udo Legner In seinem Grußwort zur Eröffnung der Europa Wochen betonte Welterbe-, Sport- und Kulturreferent Jürgen Enninger die große Bedeutung eines […]

gesamten Beitrag lesen »



« neuere Artikel ältere Artikel »

DAZ heute

Kurznachrichten

bfg-Kaffeenachmittag zum Thema „Trennung von Staat und Kirche“



Am Mittwoch, den 1. Juli, lädt der Bund für Geistes­­­freiheit (bfg) Augsburg K.d.ö.R. wieder zu seinem traditio­­­nellen, offenen Kaffee­­nachmittag in das bfg-Zentrum in der Haunstetter Straße 112 ein. Der Nachmittag widmet sich dem Thema „Trennung von Staat und Kirche“. Ab 16 Uhr sind Mitglieder sowie alle interes­­­sierten Bürge­rinnen und Bürger herzlich willkommen, in geselliger Runde […]

gesamten Beitrag lesen »



Lange Nacht der Wissenschaft: Forschen, Staunen und Mitmachen – kostenlos in der Augsburger Innenstadt



Am Samstag, 4. Juli 2026, verwandelt sich die Augsburger Innenstadt von 18.30 bis 23 Uhr in eine lebendige Wissens­landschaft. Zur vierten „Langen Nacht der Wissen­schaft“ laden die Uni­versität Augsburg, die Tech­nische Hochschule Augsburg und die Stadt gemeinsam ein – der Eintritt ist frei. Von Bruno Stubenrauch Kein Numerus Clausus, kein Stu­dien­ab­schluss nötig: Wer immer schon mal „Uni­luft […]

gesamten Beitrag lesen »



swa Kunden­center am 2. Juli ab 15.30 Uhr geschlossen



Das Kunden­center der Stadt­werke Augsburg (swa) am Königs­platz bleibt am Donnerstag, 2. Juli, ab 15.30 Uhr wegen einer betrieblichen Veranstaltung geschlossen. Ab Freitag, 3. Juli, steht es ab 8 Uhr wieder offen. Wer am Donnerstag­nachmittag persönliche Beratung benötigt, sollte den Besuch auf einen anderen Tag verlegen. Telefonisch sind die swa-Mitarbeitenden weiterhin erreichbar – unter 0821 6500-6500. Fahr­plan­auskünfte und aktuelle Informationen […]

gesamten Beitrag lesen »



DLRG warnt vor Blaualgen am Weitmannsee



Bei Unter­suchungen des Land­rats­amts Aichach-Friedberg wurde am Weit­mann­see in Kissing die Blaualgen­gat­tung Tychonema nach­ge­wie­sen. Die DLRG warnt Bade­gäste und rät ins­be­sondere vom Baden mit Hunden und Klein­kin­dern ab. Die Gefahr ist mit bloßem Auge oft nicht er­kenn­bar. Im Gegen­satz zu vielen anderen Blaualgen bil­det Tychonema keine sicht­baren grünen Teppiche an der Wasser­ober­fläche. Die Alge wächst […]

gesamten Beitrag lesen »



„Wenn der Regen tanzt“ – Benefiz­konzert für das St. Vinzenz-Hospiz



Am Sonntag, 12. Juli 2026, um 18 Uhr lädt der Kirchen­chor St. Paul zu einem Benefiz­konzert in die Kirche St. Martin in Augsburg-Oberhausen ein. Der Eintritt ist frei – Spenden kommen dem St. Vinzenz-Hospiz Augsburg e.V. zugute. Von Bruno Stubenrauch Unter dem Motto „Wenn der Regen tanzt“ verspricht der Abend ein abwechslungsreiches Programm: Bekannte Klassiker wie „Singing in […]

gesamten Beitrag lesen »



Suche in der DAZ

  

DAZ Archiv

Juli 2026
M D M D F S S
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031