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Freitag, 10.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Vorhang zu – viele Fragen offen!

Zur Debatte um das Brechtfestival 2012

Die Sitzung des Kulturausschusses am 31. Juli wurde dramatisch. Ausgangspunkt der Diskussionen war der Antrag der Grünen zum Defizit des diesjährigen Brechtfestivals, sowie Anfragen der Linken. Wir kritisierten die intransparente Vergabe von Freikarten. Denn 41% der Karten der kostenpflichtigen Veranstaltungen waren Freikarten (1666 von 4032 Karten, darunter 292 für die Presse). Trotz erneuter Nachfrage, nannte der Kulturreferent die Kriterien der Vergabe und wer die Karten erhalten hatte nicht.

Pikanter Hintergrund dieser Kritik: Im Oktober 2011 hat die Bürgerversammlung die Vergabe von 30% der Karten des Brechtfestival zu deutlich ermäßigtem Preis für Menschen mit geringen Einkommen beantragt. Die LINKE hatte diesen Antrag unterstützt und darüber hinaus mit dem Sozialpass eine ähnliche Forderung gestellt. Kulturreferent Grab, der Freikarten für Stadträte als kostenneutral bewertet, wies diese Forderung zurück, da dies zu einem Defizit beim Festival führen würde. Nun wurde dieses Defizit auch so erreicht, ohne das es Menschen mit geringem Einkommen zugute gekommen ist. DIE LINKE wird sich aber weiterhin für diese Forderung einsetzen.

Ein Loch ist im Eimer

Als Gründe für das Defizit wurden vom Festivalleiter Lang vor allem unerwartete Kosten (z.B. bei Technik und Übernachtungen) in Höhe von 26.900 Euro, Mindereinnahmen bei Sponsoring (25.000 Euro) und Kartenverkäufen (10.700 Euro) angegeben. Unklar bleibt beim Defizit, warum überhaupt 1374 Freikarten vergeben wurden, da ja einige Veranstaltungen sehr schnell ausverkauft waren und das gesamte Festival vom Leiter und Peter Grab trotzdem als großer Erfolg beim Publikum verkauft wurde. Besonders unverständlich ist, warum ausgerechnet bei einer der teuersten Veranstaltungen (dem Konzert des Rundfunkorchesters, Kartenpreis 35 Euro) 75 Prozent Freikarten, z.T. an Ehrengäste, vergeben wurden.

Um der Kritik zu entgegnen, sein Festival habe überregional zu wenig Beachtung gefunden, ließ Lang eine 243 Seiten dicke Pressemappe (einseitig bedruckt) vorlegen. Karl-Heinz Schneider (SPD) verstieg sich zu der Ansicht, die Kritiker müssten sich angesichts dieser Pressemappe schämen. Tatsächlich besteht die Pressemappe überwiegend aus Berichten von Augsburger Medien, einigen dpa-Meldungen und anderen Regionalmedien wie z.B. Aichacher Nachrichten und Südwestpresse. Besonders nett ist die Meldung eines „Nordbayerischen Kuriers“, der nach der Aufzählung einiger Veranstaltungen des Brechtfestivals eine sehenswerte Inszenierung von Bert Brecht lobte – am Volkstheater in München! Für wenig Souveränität von Dr. Lang spricht, dass er dieses Jahr die kritische Berichterstattung einer Augsburger Internetzeitung und anderer Kritiker nicht in der Pressemappe aufnahm.

Themaverfehlung

Völlig rätselhaft war die Darstellung von Lang und einigen Stadträten, DIE LINKE würde sich mit dem Brechtfestival inhaltlich nicht auseinandersetzen oder gar ein Brechtfestival verhindern wollen. Brecht ist für linke Kultur eine zentrale Figur, deshalb liegt Augsburger Linken daran, dass das Leben und Werk von Brecht in einer Weise gewürdigt wird, die dem bedeutendsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts gerecht wird. Brecht ist das geistige Eigentum von niemand oder von allen; daher ist eine politische Instrumentalisierung oft versucht worden, konnte ihm aber dauerhaft nichts anhaben. Etwas anderes ist es, ihn unter Berufung auf den „neuen Brecht“ von politischer Anstößigkeit zu säubern. Spätestens wenn man Langs Rede vom „neuen Brecht“ zum x-ten Mal gehört hat, weiß man, dass es sich nicht um eine historische Persönlichkeit, sondern ein Marketingprodukt handelt. Das neue politische „Persil“ wäscht störende Rottöne heraus.

Deshalb hat Dr. Lang sein selbstgestecktes Ziel, mit Brecht und Politik „ans Eingemachte“ zu gehen, verfehlt. Bezüge auf aktuelle politische Ereignisse, die die Welt bewegen, wurden gerade nicht gewagt. Es wäre ein leichtes gewesen, Brechts Auseinandersetzung mit Krieg, Finanzspekulation, sozialer Ungerechtigkeit und Faschismus auf aktuelle Ereignisse zu beziehen – Afghanistankrieg, Eurokrise, NSU-Morde etc.

Diese Kritik kann Lang nicht reflektieren und bezieht die Kritik von der LINKEN an seinem provinziellen Festivalkonzept auf die durchaus beachtliche Leistung Augsburger Künstler. Hier unterliegt Lang aber einem entscheidenden Missverständnis: Spätestens im Zeitalter des Internet ist Provinzialität keine Frage des geographischen Standorts, sondern des geistigen Standpunkts.

 

Stadtratsgruppe DIE LINKE

Stadträte

Alexander Süßmair

Benjamin Clamroth

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Kulturrat spricht sich gegen Mitgliedschaft im Kulturbeirat aus

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Theater: „Wirtschaftsplan ein Märchenbuch“

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Welche Strategie?

Welche Strategie?
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Dass aber vielleicht auch die Nazis jubeln, weil diesmal ihre Strategie aufgegangen ist, erklärt Wolfgang Walter.

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