Alle Jahre wieder die Pilgerschaft zu den Drei Königinnen in der Jakobervorstadt. Um dann von Kurt Idrizovic begrüßt zu werden mit der Wetterprognose des Abends. „Dreißig Prozent“, sagte er beim Auftakt der diesjährigen Veranstaltungsreihe, „das ist gar nichts.“
Von Halrun Reinholz
Wer nicht rechtzeitig da ist, muss sich mit einem Platz unter mehr oder weniger Baumschutz begnügen – ein Risiko, wenn es denn doch mal regnet. Die sicheren überdachten Plätze sind erfahrungsgemäß lange vor Beginn der Veranstaltung belegt. – Auf dem Programm stand ausnahmsweise nicht Literatur, sondern Sprachwissenschaft. Gerald Huber, Sprachwissenschaftler und BR-Redakteur, hat sich der Erforschung des Bairischen verschrieben. Mit seiner „Bairischen Wortkunde“ liegt ein unterhaltsames, aber durchaus ernst gemeintes Plädoyer für die selbstbewusste Verwendung bairischer Wörter im Alltag vor. Daraus las er einige Passagen vor und führte den Beweis, dass das Bairische nicht nur das wahre Hochdeutsch (im sprachwissenschaftlichen Sinn als Unterscheidungsbegriff vom Niederdeutschen) ist, sondern auch als kelto-romanisches Entwicklungsprodukt der Ausdruck gewachsener Kulturverschmelzung. Ganz im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen, dass der bairische Dialekt vom Aussterben bedroht sei, folgte ein erkennbar dialektkundiges Publikum aktiv und amüsiert Hubers Ausführungen zur Herkunft der Wörter. Das bairisch-schwäbische Grenzgebiet, in dem sich Augsburg befindet, spielte in der Argumentation hoch- / niederdeutsch keine Rolle, sodass auch die Schwaben sich in der großbairischen hochdeutschen Kulturfamilie heimisch fühlen konnten. Und überhaupt sei man ja hier in einer alten Römerstadt, Augusta Vindelicum, als Provinzhauptstadt per se kulturelles Zentrum. Das ging den Augsburgern runter wie Öl. Doch bei aller Frotzelei ging es dem Sprachwissenschaftler natürlich nicht um die Abwertung anderer Sprachformen oder Dialekte, sondern um die Schärfung des Sprachbewusstseins, das in Bayern (oft im Einklang mit Duden & Co) fremde Wörter („Brötchen“) als „hochdeutsch“ empfindet und die eigene „Semmel“ (ein edles Gebäck aus weißem Mehl, simila) verschämt als minderwertigen Regionalismus brandmarkt. Das Selbstbewusstsein, das den Bayern fehle, sei paradoxerweise in Österreich vorhanden. Hier haben sich bairische Sprachvarietäten in einem eigenen Staatsgebilde zusammengefunden, weshalb bairischer Wortschatz als Standard gilt – von der Weichsel bis zum Topfen. Die Internationalität, die das Bairische durch seine Einbindung in den kelto-romanischen Kulturkreis verkörpert, spiegelte sich auch im Repertoire der virtuosen Akkordeonistin Maria Reiter wider, ihre „musikalischen Fußnoten“ bewegten sich souverän zwischen Schnaderhüpfern und argentinischem Tango und rissen das Publikum mit. Die 30 Prozent hatten diesmal übrigens zugeschlagen, es gab zwei kurze Regengüsse („Duscherer“), doch das tat der guten Laune keinen Abbruch.
Tröstlich, dass die Reihe erst angefangen hat. Es gibt noch drei Lichtblicke im zu erwartenden Augsburger Sommerloch. Am 2. August kommt Friedrich Ani, bekannt als Schöpfer des Krimikommissars Süden und liest, begleitet vom gypsy jazz trio „alegresse“ aus seinen Kurzgeschichten. Am 9. August präsentiert Bernhard Butz, unterstützt von Michaela Dietl am Akkordeon, ein „Bayerisches Quartett“ aus Ludwig Thoma, Ludwig Ganghofer, Lena Christ und Oskar Maria Graf. Und am 30. August kommt wieder mal Dirk Heßerer mit einem Spagat von Brecht bis Karl Valentin „zwischen Plärrer und Oktoberfest.“ Das wird dann im wahrsten Sinne des Wortes die „Schlussfanfare“ sein, mit dem Saxofon- und Trompetenduo Take Two. Also wieder mal viel Bayerisches bei den Drei Königinnen in diesem Sommer. Oder Bairisches? Den Unterschied hat Gerald Huber auch erklärt: Bairisch ist die Sprache, Bayern der Staat. Biergarten bildet eben.
Frontex-Rösler durfte nicht sprechen – und Theater war, was es sein soll
Von Frank Heindl
Gerade noch hatte man an diesem sonnigen Freitagnachmittag im „Weissen Lamm“ zusammengesessen und über Flüchtlingstheater gesprochen. Cornelia Lanz, Leiterin und Ideengeberin des Opernprojektes „Zaide“, das am kommenden Donnerstag in der Brechtbühne Premiere feiert, und der DAZ-Redakteur. Eine der Hauptdarstellerinnen, erfuhr man bei dieser Gelegenheit, ist seit Donnerstag ausgefallen – mitten in den Proben hatte sie erfahren, dass [...]
Sind diese drei Stadträte eine Fraktion?
Thomas Lis, Beate Schabert-Zeidler, Rudolf Holzapfel (v.l.)
Bereits am Montag, den 27. Juni teilten Schabert-Zeidler, Rudolf Holzapfel und Thomas der Verwaltung mit, dass sie eine neue Fraktion gebildet haben. Damit wäre ihrer Auffassung nach alles erledigt gewesen, da man laut Geschäftsordnung des Stadtrates gehandelt habe. OB Gribl hätte den Stadtrat davon nur unterrichten müssen. Fertig! Dieser Verwaltungsvorgang habe nichts damit zu tun, ob die Mehrheit des [...]
Kostenreduzierung liegt noch weit unter den Zielvorstellungen
Gegen sechs Stimmen hat der Stadtrat in seiner gestrigen Sitzung nach dreistündiger Debatte einen Grundsatzbeschluss zur Generalsanierung des Theaters Augsburg gefasst. Damit ist der Weg frei für das rund 200 Millionen schwere Jahrhundertprojekt.
Durchweg Lob für die Verwaltung und den anwesenden Architekten gab es von den Fraktionen der Regierungsbank für ihre bisher geleistete Arbeit. Die Vertreter der Opposition kritisierten hingegen das Procedere, ein Projekt dieser [...]
Der Fritz Lang-Klassiker von 1931 „M- Eine Stadt sucht einen Mörder“ mit Peter Lorre als Kindermörder, dem der aufgebrachte Pöbel auf den Fersen ist, kann heute noch durch seine präzise Gesellschaftsbeschreibung und seine kontrastreichen Schwarz-Weiß-Bilder überzeugen. Eine Serie von Anschlägen auf menschliche Skulpturen sorgt seit einigen Tagen in Gersthofen für eine aufgebrachte Atmosphäre. Von Siegfried […]
Die Kresslesmühle war in den siebziger und achtziger Jahren ein Bürgerhaus mit politischer Zielsetzung. Diese Tradition soll nun wieder aufgegriffen werden. Dass die Geschichte des Bürgerhauses Kresslesmühle nicht nur eine Erfolgsgeschichte, sondern auch eine Geschichte des Scheiterns war, gehört zu den versteckten Geheimnissen der Stadt, weshalb ein Wiederbelebungsversuch mit viel Skepsis zu betrachten ist. Kommentar […]
Die Kresslesmühle kommt nach 17-jähriger Trägerschaft durch die Kulturhaus Kresslesmühle gGmbH wieder in städtische Hand. Zuständig ist für die „Mühle“ in Zukunft das Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt. Dies hat der Ausschuss für Organisation, Personal, Migration und Interkultur und Vielfalt in seiner letzten Sitzung entschieden. Das erste in Augsburg bürgerschaftlich organisierte Kultur- und Begegnungshaus […]
Eine kurze Chronik zu einem unvermeidlichen Abschied Kommentar von Siegfried Zagler Juliane Votteler – Foto: Siegfried Kerpf In Sachen Augsburger Theaterchefin existiert jede Menge „Flüsterpost“. Damit sind Aussagen auf der Gerüchte-Ebene und nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Bewertungen bezüglich des Führungsstils und der kommunikativen Kompetenz der Intendantin gemeint. Bewertungen, die man weder laut sagen noch […]
Die neuen (Spar)Ideen zur Planung bezüglich der Theatersanierung, die im Frühjahr 2017 beginnen soll, waren bis vergangenen Mittwoch unter Verschluss. Als Gast der Sonderversammlung der Grünen zur Theatersanierung plauderte Kulturreferent Thomas Weitzel ein wenig aus dem Nähkästchen. So sehe eine Beschlussvorlage von CSU und SPD vor, auf den turmartigen Neubau auf der Westseite des Großen […]
Nachdem Peter Grab die Ausschussgemeinschaft Pro Augsburg/WSA verlassen hat, liegen der DAZ Informationen vor, die die Prognose ermöglichen, dass Pro Augsburg in Bälde wieder mit Fraktionsstärke im Stadtrat sitzt. Die Spekulationen, dass der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Augsburger Rathaus-AfD, Thomas Lis, beim Verein Pro Augsburg eintritt, verdichten sich immer stärker zu einem prognostizierbaren Ereignis, das am […]
Eliane Elias blieb beim Jazzsommer eher konventionell Von Frank Heindl
Auf ihrer Website prangen Fotos von Eliane Elias, die teilweise nicht nur gekünstelt, sondern regelrecht verkrampft wirken. Vielleicht mag sie das. Was sie nicht mag, hat sie am Mittwoch im Augsburger Botanischen Garten deutlich gemacht: Mit dem Handy fotografierende Zuschauer. Das störte die Stimmung und setzte Akzente fernab der Musik – die trotz einigem Hörenswerten doch eher enttäuschte. […]
Dass der ehemalige Augsburger Bürgermeister Peter Grab bei der AfD andockt, hat viele überrascht. Doch möglicherweise steckt hinter dieser Aktion mehr als die übliche Gedankenlosigkeit. Kommentar von Siegfried Zagler Die Kapriolen, die Peter Grab als Kultur-Bürgermeister schlug, waren fast durchgehend peinlich – und amüsant, weil mit ihnen ein Dilettantismus in die Stadt schwappte, den man […]
Die CSU im Augsburger Stadtrat hat am Dienstag, 5. Mai 2026, Leo Dietz als Fraktionsvorsitzenden wiedergewählt. Die Wahl fiel einstimmig aus. Stellvertreter wurden Matthias Fink, Ruth Hintersberger und Peter Uhl. Dietz will mit klarer Kante, politischer Erfahrung und einem starken Team an seiner Seite seine Stadtratsfraktion führen und die Interessen der Stadt mit Nachdruck vertreten, mit […]
Am Freitag, 8. Mai 2026, verwandelt sich das Staatliche Textil- und Industriemuseum (tim) in Augsburg in eine Bühne für zeitgenössische Musik. Von 19 bis etwa 24 Uhr erwartet die Besucher ein rauschendes Musikfest mit Begegnungen zwischen renommierten Protagonisten der Neuen Musik-Szene und spannenden regionalen Künstlern. Von Bruno Stubenrauch (Ausschnitt Veranstaltungsplakat) Im Mittelpunkt steht eine lebendige Kommunikation […]
Am Samstag, 9. Mai 2026, um 15.00 Uhr lädt das Clowness Theater ins Kulturhaus Abraxas ein: „Glucks, die Drachenbezwingerin“ ist ein humorvoll‑clowneskes Stück für Kinder ab vier Jahren und Erwachsene. Von Bruno Stubenrauch Das Stück – ideal für einen Familiennachmittag – handelt von Mut, Großzügigkeit und der Überwindung von Angst. In einer Zeit, in der die […]
Im Rahmen der Eröffnung des Westparks am 9. Mai präsentiert eine Projektgruppe um Thomas Hecht und Stefan Sandner die Planungen für einen „Vermessungsgarten“ auf der Freifläche nördlich des Theaters Abraxas. Von Bruno Stubenrauch Anlass ist das 225. Jubiläum der Gründung des Topographischen Bureaus im Jahr 1801 – der Beginn der systematischen Vermessung Bayerns. Der Vermessungsgarten soll […]
Das St. Vinzenz-Hospiz in Oberhausen bietet wieder Begegnung und Austausch bei Kaffee oder Tee an. Im Trauer-Café des St. Vinzenz-Hospiz Augsburg e.V. können Trauernde in entspannter Atmosphäre bei einer Tasse Kaffee oder Tee und einem Stück Kuchen einfach da sein, zuhören oder sich mit anderen Betroffenen austauschen. Das Angebot wird von qualifizierten ehrenamtlichen Trauerbegleitenden begleitet. […]