„Zuhören, verstehen, gestalten“: Tatjana Dörfler ist Kulturreferentin
Am Montag, 4. Mai, wurde die SPD-Stadträtin Tatjana Dörfler zur neuen Kulturreferentin der Stadt Augsburg gewählt. Ihr Referat umfasst neben Kultur auch die Bereiche Bildung, Wissenschaft und Welterbe. Wer ist die neue Referentin, und welche Schwerpunkte setzt sie? Ein Blick auf die Vorstellungsrede, mit der sich Tatjana Dörfler dem Stadtrat präsentierte.
Von Bruno Stubenrauch

Plakat zur Kommunalwahl 2026
Mit einem klaren Anspruch auf inhaltliche Verzahnung und strategische Weiterentwicklung hat Tatjana Dörfler das Amt übernommen. In ihrer Rede zeichnete sie das Bild einer Verwaltungseinheit, in der Bildung und Kultur nicht nebeneinanderstehen, sondern sich gegenseitig stärken.
„Kultur und Bildung gehören zusammen. Sie ergänzen sich und sie stützen sich da, wo es drauf ankommt“, betonte sie und stellte damit ihr zentrales Leitmotiv vor. Das Doppelreferat versteht sie als bewusste strukturelle Entscheidung mit Zukunftsanspruch.
Breite fachliche Basis und Führungserfahrung
Fachlich bringt die Juristin eine ungewöhnlich breite Qualifikation mit: Neben zwei bayerischen Prädikatsexamina verfügt sie über einen Masterabschluss im Bildungs- und Hochschulmanagement, den sie mit Bestnote abgeschlossen hat. Bildung, so ihr Verständnis, sei nicht nur eine pädagogische, sondern auch eine organisatorische und strategische Aufgabe.
Ihre berufliche Laufbahn ist eng mit Augsburg verbunden: 14 Jahre lang war sie Kanzlerin der Hochschule Augsburg. In dieser Zeit begleitete sie das Wachstum der Einrichtung, führte über 200 Mitarbeitende und verantwortete als Haushaltsbeauftragte ein Budget von rund 38 Millionen Euro jährlich.
Bis Juni ist sie noch im Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst tätig, wo sie in der Kulturabteilung unter anderem Förderprogramme, Bauprojekte und strategische Entwicklungen verantwortet. Während der Corona- und Energiekrise koordinierte sie mit ihrem Team umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen für Kultureinrichtungen: „Mit meinem Team konnte ich 70 Millionen Euro nach Bayern holen – damit in vielen Bereichen eben das Licht gerade nicht ausgegangen ist.“
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit lag im Kulturbau: Als Baukoordinatorin begleitete sie große staatliche Projekte, darunter „Flaggschiffe“ wie die Generalsanierung des Residenztheaters. Auch im Museumsbereich war sie aktiv, etwa bei der Entwicklung einer Dachmarke für staatliche Museen und der Erschließung neuer Zielgruppen.
Erfahrung im Stadtrat
Neben ihrer Verwaltungserfahrung bringt Dörfler auch kommunalpolitische Praxis mit: Seit 2020 gehört sie dem Augsburger Stadtrat an. Dort war sie bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion und setzte sich unter anderem für Schulbauprojekte und den Ausbau von Betreuungsplätzen ein.
Als Vorsitzende des Wirtschafts-, Beteiligungs- und Liegenschaftsausschusses sammelte sie zudem Erfahrung in moderierenden Rollen und betonte ihre Fähigkeit, fraktionsübergreifend Mehrheiten zu organisieren.
Klare Schwerpunkte für Bildung und Kultur
Inhaltlich skizzierte sie für das Referat klare Prioritäten: Im Bildungsbereich sollen insbesondere Schulneubauten und -sanierungen vorangetrieben sowie Ganztags- und Kita-Angebote ausgebaut werden.
Im Kulturbereich nannte sie zentrale Projekte wie die Fertigstellung des Staatstheaters und die Weiterentwicklung des Römischen Museums. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Zukunft der Freilichtbühne: Diese sei „für viele Augsburgerinnen und Augsburger ein Teil ihres Sommergefühls in dieser Stadt“ und müsse möglichst im laufenden Betrieb saniert werden.
Gleichzeitig hob sie die Bedeutung der freien Kulturszene hervor, die sie durch neue Förderinstrumente wie ein geplantes „Fair Ticket“ stärken will.
Führungsstil: Dialog und Zusammenarbeit
Entscheidend sei für sie jedoch nicht nur die Umsetzung einzelner Projekte, sondern der Dialog mit den Beteiligten: „Ich möchte zuhören. Ich möchte verstehen und ich möchte mit Ihnen gemeinsam beide Bereiche nach vorne bringen“, beschrieb sie ihren Ansatz.
Auch persönlich gab sie Einblicke: Als Mutter von drei Kindern habe sie gelernt, gerade in lauten Situationen die leisen Töne wahrzunehmen. Ihr Führungsverständnis umriss sie mit einem Bild aus den Bergen, in die sie in ihrer Freizeit gerne geht: Der Erfolg liege nicht allein im Erreichen des Gipfels und einem Foto für Instagram, sondern im gemeinsamen Weg und darin, als Team wieder sicher ins Tal zurückzukehren.
Mit dieser Mischung aus Verwaltungserfahrung, politischer Praxis und einem auf Kooperation ausgerichteten Führungsstil übernimmt Tatjana Dörfler eines der zentralen Referate der Stadt Augsburg. Mit ihrer Wahl verbindet sich nun der Anspruch, die klar formulierten Ziele in den kommenden Jahren auch gegen mögliche Widerstände in konkrete Politik für Augsburg zu übersetzen.