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Dienstag, 05.05.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

AWO Schwaben kritisiert geplanten Sozialabbau im Bund

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Schwaben hat die jüngsten Kürzungs­pläne der Bundes­regierung im sozialen Bereich scharf kritisiert. Hintergrund ist ein internes Sparpapier aus dem Bundes­kanzleramt mit einem Volumen von mindestens 8,6 Milli­arden Euro. Betroffen wären unter anderem die Kinder- und Jugendhilfe sowie die Ein­gliede­rungs­hilfe.

Von Bruno Stubenrauch

Brigitte Protschka, Präsidentin der AWO Schwaben, sieht die Politik in der Pflicht, Menschen mit geringen und mittleren Einkommen zu entlasten. (Foto: AWO Schwaben / Stefan Trebing)

Das umstrittene Papier mit dem Titel „Effi­zien­ter Res­sour­cen­einsatz bei Leistungs­ge­setzen“ kur­siert seit Ende März in Regie­rungs- und Länder­kreisen. Es ent­hält unter ande­rem die Strei­chung indi­vidu­eller Schul­assi­stenzen für behin­derte Kinder und die Kür­zung des Unter­halts­vor­schusses für Allein­erzie­hende.

Sozialverbände kriti­sieren, dass die Ver­hand­lungen hinter ver­schlos­senen Türen geführt werden und Fach­verbände nicht einbezogen seien. Die Liste enthält zahlreiche Einsparideen – besonders heftig umstritten sind die Vorschläge zur Ein­gliede­rungs­hilfe: Demnach könnten indi­vidu­elle Schul­assi­stenzen für Kinder mit Be­hinderung ersatzlos ge­strichen oder durch soge­nannte Pool-Lösungen ersetzt werden. Einzelne Schulen hätten dann nur noch einen Betreuer für alle betrof­fe­nen Kinder.

„Reichensteuer rauf, Belastungen runter“

Brigitte Protschka, Präsidentin der AWO Schwaben, verlangt einen Kurswechsel: „Starke Schultern müssen mehr tragen als schwächere. Deshalb wird es unver­zichtbar sein, große Vermögen mehr in die Ver­ant­wortung zu nehmen, sprich zu belasten.“ Sie fordert eine Reichen­steuer, um kleine Einkommen zu entlasten. Eine bloße Streichung von Leistungen ohne sozialen Ausgleich lehnt die AWO entschieden ab.

Dieter Egger, Vorstands­vorsitzender der AWO Schwaben, warnt zudem davor, die Eigen­anteile für Heim­bewohner weiter zu erhöhen. Die AWO spricht sich seit Jahren für die Deckelung des Eigen­anteils an den Heimkosten aus. Die geplanten Kürzungen gefähr­deten den sozialen Frieden in Deutschland, so Protschka.

Die AWO Schwaben wurde 1927 gegründet und gehört mit rund 100 Ein­richtungen – darunter 37 Kinder­tages­ein­richtungen, 22 Seni­oren­heime und zwei Fach­kliniken – zu den größten sozialen Dienst­leistern in Schwaben.