Augsburger Wahrzeichen als Dauerbaustelle
Warum die Sanierung des Perlachturms teurer und länger wird
Die Sanierung des Augsburger Perlachturms entwickelt sich zu einer Geduldsprobe für Stadtpolitik und Bürger. Laut Beschlussvorlage für den Bauausschuss am Donnerstag klettern die Gesamtkosten für das Großprojekt auf knapp 11 Millionen Euro. Auch der Zeitplan gerät weiter ins Wanken: Mit einer Fertigstellung ist erst im Frühjahr 2028 zu rechnen.
Von Bruno Stubenrauch

Wer am Rathausplatz vorbeiläuft, sieht das Augsburger Wahrzeichen seit geraumer Zeit in Baugerüste gehüllt. Ursprünglich war geplant, die Arbeiten im Herbst 2027 abzuschließen. Doch unvorhergesehene Mängel an der Bausubstanz und ein gravierender Zwischenfall im Bauablauf werfen den Zeitplan nun um ein gutes halbes Jahr zurück.
Der Domino-Effekt im Nadelöhr
Hauptursache für die aktuelle Verzögerung ist die Insolvenz der beauftragten Baumeisterfirma. Was auf einer gewöhnlichen Großbaustelle oft kompensiert werden kann, führt beim Perlachturm zu einem Ketteneffekt: Wegen der extremen räumlichen Enge im Inneren des Turms können die einzelnen Gewerke nicht parallel, sondern nur strikt nacheinander arbeiten.
Fällt ein zentraler Baustein aus, steht die gesamte Kette still. Die Folge waren ein monatelanger Baustillstand, eine aufwändige EU-weite Neuausschreibung sowie eine ungeplante Winterpause. Allein durch Standzeiten für Kräne, Gerüste und rechtliche Begleitung entstanden direkte Folgekosten von rund 330.000 Euro.
Verdeckte Mängel aus der Nachkriegszeit
Neben dem logistischen Stillstand offenbart der Turm selbst überraschende Schwachstellen. Beim Rückbau des Natursteingeschosses und der Turmkuppel zeigten sich tiefe Risse im Gestein – viele Steine müssen nun kostenintensiv saniert oder komplett ausgetauscht werden.
Zudem traten verdeckte Baumängel sowie unzureichend behobene Kriegsschäden zutage. Um die Statik des Turms dauerhaft zu sichern, verlangte die Prüfstatik zusätzliche Verankerungen und Vernadelungen im alten Mauerwerk. Zusammen mit notwendigen Anpassungen an der neuen Stahltreppe schlägt dieser Bereich mit rund 700.000 Euro an Mehrkosten zu Buche.
Wie das Millionenloch gestopft werden soll
Insgesamt beläuft sich der finanzielle Mehrbedarf auf 2,0 Millionen Euro – davon 1,4 Millionen Euro für bereits bekannte Kostensteigerungen und 600.000 Euro als Risikopuffer bis zum Bauende im Jahr 2028. Zur Deckung greift die Stadtverwaltung auf ein Sammelsurium verschiedener Töpfe zurück:
- 800.000 Euro kommen als Zuschuss aus der Stiftungsrücklage des Friedrich-Prinz-Fonds;
- 428.700 Euro sollen aus städtischen Grundstücksverkäufen bereitgestellt werden;
- 133.500 Euro werden frei, weil sich der Bezug einer anderen städtischen Immobilie verzögert und Mietkosten eingespart werden;
- 139.800 Euro steuern Spenden von Unternehmen und Privaten bei.
Ob und in welcher Höhe sich übergeordnete Fördergeber an den Mehrkosten beteiligen, wird derzeit noch verhandelt. Fest steht jedoch: Die Entscheidung liegt nun beim Stadtrat, der in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause am 30. Juli über die Nachfinanzierung abstimmen muss, damit die Bauarbeiten ohne weiteren Stillstand weitergehen können.




