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Donnerstag, 25.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Mozartfest: Zum ersten Mal Mozart und „Wohin? Wo soll ich hin?“

Die „Spurensuche“ setzt sich fort und zum ersten Mal ist auch Mozart angekommen – im Deutschen Mozartfest zu Augsburg: „Wohin? Wo soll ich hin?“ Als hätte Ino in der Telemann’schen Flucht-Kantate mit dem Klippensprung Mozart an der Hand in den himmlischen Jubel des Mozartfestes geführt.

Von Andrea Huber

Mozartfest im Kleinen Goldenen Saal: La Stagione Frankfurt unter Michael Schneider, mit Nuria Rial (Soproan). Foto (c) DAZ

Mozartfest im Kleinen Goldenen Saal: La Stagione Frankfurt unter Michael Schneider, mit Nuria Rial (Soproan). Foto (c) DAZ


So abrupt Georg Philipp Telemann in seiner dramatischen Kantate „Wohin, wo soll ich hin?“ mit dem Text seines Lieblingsdichters Carl Wilhelm Ramler gleich mit den ersten Tönen die Schwester von Zeus’ Geliebter von der Klippe springen ließ, so jugendlich und kaum je moderner kommt seine unkonventionelle Musik daher. Die Vielschichtigkeit in Telemanns musikalischem Schaffen erreicht hier – in seinem 84. Lebensjahr – einen Höhepunkt.

Deutsche Kontrapunktik, italienische Melodramatik, französische Rhetorik – all das galt es zu verwirklichen. Nuria Rial (Sopran) gelang die Partie der Ino am vergangenen Sonntagabend, 21. Mai 2017, 19.30 Uhr im nicht ganz ausverkauften Kleinen Goldenen Saal mit Leichtigkeit. Trotz großer Dramatik und ausschweifender Koloraturen in der Musik wirkte sie unangestrengt und intonierte rein und natürlich strahlend. Schade nur, dass sie meist dem wohlgeformten Ton vor der Textverständlichkeit den Vorzug gab und so gerade die inhaltliche Komponente der Fluchtdramatik darunter litt.

La Stagione Frankfurt, Ensemble für Alte Musik, bereitete Nuria Rial unter ihrem Leiter Michael Schneider einen Klangteppich, den es bei den Übergängen in den Rezitativen jedoch behutsam mit der Sängerin abzustimmen galt, was nicht immer in der erwarteten Homogenität gelang.

Da Telemanns Kantate so jäh mit dem dramatischen Höhepunkt beginnt, wird der Konzertabend mit seiner Ouvertüre (Suite) in D-Dur, TWV 55:D23, eingeleitet. Die neun Suitensätze, von der festlichen Ouvertüre über Menuet zur romantisch-klagenden Plainte und weiteren Tanzsätzen bis hin zur abschließenden Fanfare hätten etwas mehr Leuchtkraft und jugendlich anmutende Spielfreude gut vertragen, um mit einer differenzierten Interpretation den Zuhörer wirklich vom ersten bis zum letzten Ton mitreißen zu können. Telemanns kompositorischer Ideenreichtum jedenfalls hätte genügend Material dafür hergegeben.

Simon Pickel möchte mit dem diesjährigen Deutschen Mozartfest auch einem Bildungsauftrag  nachkommen. Wie er in der Begrüßung des Konzertes andeutete, kommt nun zum ersten Mal Wolfgang Amadeus Mozart ins Spiel. Die Sinfonie Nr. 21 (KV 134) mit ihren vier Sätzen Allegro, Andante, Menuetto, und Allegro bot das „La Stagione Frankfurt“ bis auf kleine Unsauberkeiten in der zweiten Violine homogen und mit warmem Klang, bereichert von den Hörnern, die mit Flöten und Fagott einen wertvollen Bläserapparat bildeten.

Telemanns Ouvertüre in D-Dur und sein wohl letztes Werk, die dramatische Solokantate „Ino“, mit der frischen Sinfonie Nr. 21 (KV 134) des jungen Mozart in der Mitte des Konzerts zu kombinieren, ist auf jeden Fall ein spannender Gedanke.

Das Konzertpublikum dankte mit langanhaltendem Applaus.

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