Medici
DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Mozartfest: Deutsch-französisches Jazz-Gipfeltreffen im Glaspalast

In der seltenen Kombination der beiden mehrstimmigen Instrumente Klavier und Akkordeon waren am Samstagabend im Rahmen des Augsburger Mozartfestes 2017 Michael Wollny & Vincent Peirani im H2-Zentrum für Gegenwartskunst zu Gast.

Von Andrea Huber

Mozartfest 2017: Jazz-Duo Michael Wollny & Vincent Peirani. Foto (c) DAZ

Mozartfest 2017: Jazz-Duo Michael Wollny & Vincent Peirani. Foto (c) DAZ


Nicht nur als Duo sind die beiden mehrfachen Echopreisträger auf ihrem Gebiet auf höchstem Niveau überzeugend. Aber gerade in ihrem innigen Zusammenspiel ergänzen sich die Virtuosen auf grandiose Weise und versetzten am Samstagabend das Publikum im Glaspalast in einen wunderbaren Zustand des musikalischen Hochgenusses. Als „ungewöhnlich“ beschrieb Pianist Michael Wollny deren Auftritt in Augsburg: Noch nie haben sie auf einem Mozartfest gespielt, zweitens habe sie der besondere Konzertraum des Glaspalastes begeistert und schließlich drittens gehöre selbst für Jazzmusiker die späte Uhrzeit (Beginn 22.30 Uhr) eines Konzertauftritts nicht zur Routine.

Im H2-Zentrum für Gegenwartskunst, dessen weiträumige Akustik sich auch Dank des mitgereisten Pariser Tonmeisters zu einem brillanten wie funkelnden Konzertraum entwickelte, gaben sie die Stücke ihres ersten Duo-Albums „Tandem“ zum Besten. Sie vereinen darin sowohl eigene Kompositionen als auch Coverversionen verschiedenster Genres – von Samuel Barbers „Adagio for Strings“ bis „Hunter“ von Björk – unter dem Überbegriff des Jazz. Nach allen Seiten offen fließen Klassik, Jazz, Rock & Pop, Minimal Music, Indie und Neue Musik in ihre Stücke mit ein und betreten damit Neuland: Ihr Miteinander in ihrer eigenen Improvisationssprache entzieht sich jeder Kategorisierung.

Michael Wollny wird nicht ohne Grund als bedeutendster Jazzpianist unserer Zeit gehandelt. Seine virtuose Technik und sein Ideenreichtum – percussiv-rhythmisch, vertrackte Läufe und doch mit zartem Gespür für das Lyrische bis hin zum buchstäblichen Saitenstreicheln – machen ihn zum Jazzpianisten, dem von der Fachjournaille das Attribut „weltklasse“ nicht selten ans Revers geheftet wird. Der französische Akkordeonist, Sänger und Komponist Vinvent Peirani steht ihm mit seiner erstaunlichen Klangvielfalt und seinem lebendigem Spiel voller Empfindsamkeit auf Knopfakkordeon, Accordina und im Gesang in nichts nach.

Und so war es nicht verwunderlich, dass den beiden Musikern der Extraklasse im H2 mit ihrer unbändigen Spielfreude ein präziser und intensiver instrumentaler Dialog gelang, der das Publikum für einhundert kurze Minuten verzauberte.

Stehender und langanhaltender Applaus.



Suche in der DAZ

  

DAZ Archiv

Dezember 2018
M D M D F S S
« Nov    
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  
Malzeit
300 Millionen
Buergerbueros