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DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

7. Sinfoniekonzert: Wind un Wej

Klagelieder von den Domsingknaben und den Philharmonikern

Traditionell ist zwar eher der triste November den Klagegesängen vorbehalten, doch die Augsburger Philharmoniker haben ihr Mai-Konzert diesem tristen Thema verschrieben. Anlass ist die 6. Sinfonie von Mieczyslaw Weinberg für Knabenchor und Orchester, die in deutscher Erstaufführung in der Kongresshalle zu hören war. Weinberg ist als Komponist weitgehend unbekannt geblieben, was nicht zuletzt an seiner Biographie liegt. Der polnische Jude, 1919 in Warschau geboren, geriet auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in die Sowjetunion, wo er auf Umwegen Schostakowitsch und Rostropowitsch kennenlernte. Sein Werk war geprägt von den traumatischen Erlebnissen der beiden Diktaturen, der nationalsozialistischen und der stalinistischen, wenn er auch in der Sowjetunion durchaus einige Erfolge als Komponist feiern konnte.

Die in der Kongresshalle gezeigte 6. Sinfonie für Knabenchor und Orchester ist bestimmt von einer sehr expressiven Poesie des Leidens. Melancholisch die vom Chor dargebotenen Gesänge „Die Geige“, „In rotem Lehm ist ein Graben ausgegraben“ sowie „Schlaft, ihr Menschen“. Für diese Erstaufführung kooperierte Domonkos Héja mit den Augsburger Domsingknaben. Eine Institution, die sich mittlerweile international einen Namen gemacht hat. Der Chor unter der Leitung des rührigen Reinhard Kammler durfte den ersten Teil des Konzerts a capella ebenfalls mit Klagegesängen von der Renaissance bis in die Gegenwart bestreiten. Ein etwas ungewohntes Szenario für die Konzertbesucher, die zunächst nicht recht wussten, ob sie nach den einzelnen Liedern klatschen sollen – die routinierte Choreografie war darauf ausgelegt. Doch das sind nur die Begleiterscheinungen einer hochkarätigen Darbietung, wie man sie in Augsburg von den Domsingknaben gewohnt ist. Das Zusammenspiel im zweiten Teil bei Weinbergs Sinfonie war auch hochklassig und auf Augenhöhe. Kein vergnügliches Musikerlebnis, aber ein bewegendes.



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