Konflikt-Kulmination in der Brechtbühne
Frontex-Rösler durfte nicht sprechen – und Theater war, was es sein soll
Von Frank Heindl
Gerade noch hatte man an diesem sonnigen Freitagnachmittag im „Weissen Lamm“ zusammengesessen und über Flüchtlingstheater gesprochen. Cornelia Lanz, Leiterin und Ideengeberin des Opernprojektes „Zaide“, das am kommenden Donnerstag in der Brechtbühne Premiere feiert, und der DAZ-Redakteur. Eine der Hauptdarstellerinnen, erfuhr man bei dieser Gelegenheit, ist seit Donnerstag ausgefallen – mitten in den Proben hatte sie erfahren, dass ihr Vater in Syrien erschossen worden war. Man redete darüber, wie Politik und Krieg sich erschreckend aktuell im Theater wiederfinden können, was Kunst tun kann, um Menschen zu helfen, zu sensibilisieren – und welche Strukturen es dafür braucht.

„Fuck Frontex“ – lautstarke Demonstranten haben in der Brechtbühne eine Diskussion mit Frontex-Chef Klaus Rösler verhindert.
Die Unterhaltung war fesselnd, trotzdem brach man sie ab und eilte schnell nach drüben zur Brechtbühne, wo gerade auf Einladung des Augsburger Friedensbüros Klaus Rösler mit dem Publikum diskutieren sollte. Rösler ist operativer Direktor von Frontex – jener Organisation, die nicht nur Verbrecher, sondern auch Flüchtlinge von Europas Grenzen fernhalten soll. Jener Organisation, der viele Mitverantwortung geben am Tod von tausenden im Mittelmeer, jener Organisation, der Hans-Werner Kroesinger sein Doku-Theaterstück „FRONTex Security“ gewidmet hatte, das vor zwei Wochen im Großen Haus als Gastspiel gezeigt wurde.
Ein „Leichenberg“ vor der Brechtbühne (mehr …)