CONTRA Sommernächte
Sommernächte: Rekordzahlen, aber auch lange Gesichter
Die 10. Jubiläumsausgabe der Augsburger Sommernächte lockte drei Tage lang über 125.000 Menschen in die Innenstadt. Während die Veranstalter von einem vollen Erfolg sprechen, hinterließen das Musikkonzept und insbesondere die neue Einbeziehung des Stadtmarkts bei vielen Gästen eine herbe Enttäuschung.
Von Bruno Stubenrauch
„Besondere Atmosphäre zwischen Marktständen, Gastronomie und historischem Innenstadtflair“: Stadtmarkt um 23 UhrVom 25. bis 27. Juni feierte Augsburg die Rückkehr seines größten Stadtfests. Begünstigt durch tropische Nächte mit rund 25 Grad um Mitternacht zählte Augsburg Marketing an den drei Tagen eine beachtliche Kulisse. Hinter den Kulissen sorgten täglich mehr als 500 teils ehrenamtliche Einsatzkräfte und über 100 Gastronomiebetriebe für den Ablauf des Großevents. Auf den insgesamt 16 Bühnen präsentierten sich zudem über 280 Künstlerinnen und Künstler.
Dröhnende Bässe statt Musikvielfalt
Trotz der offiziell gelobten musikalischen Bandbreite – die von traditionellen Acts wie der Presley Family bis hin zu regionalen Größen reichte – stieß die akustische Umsetzung vor Ort auf deutliche Kritik. Statt klarer Sounds dominierten in vielen Bereichen der Festzone extrem laute, bass- und beatlastige Tonmischungen, bei denen die eigentlichen Musikstücke für das Publikum kaum noch zu erkennen waren.
Ernüchterung auf dem Stadtmarkt: Geschlossene Rollläden statt Party-Stimmung
Besonders viel Kritik erntete die mit großen Vorschusslorbeeren bedachte Einbeziehung des Augsburger Stadtmarkts. Im Vorfeld als „lebendiger Ort für regionale Qualität und besondere Erlebnisse“ angekündigt, bot sich den Besucherinnen und Besuchern in der Realität ein völlig anderes Bild. Die Zusage, dass zahlreiche Beschicker ihre Stände mit verlängerten Öffnungszeiten bis Mitternacht offenhalten würden, entpuppte sich als Trugschluss.
So war am Freitagabend um 22 Uhr zunächst der Zugang zum Marktbereich wegen Überfüllung vor der Musikbühne auf unbestimmte Zeit nicht möglich; um 23 Uhr waren dann etwa 80 Prozent der Stände komplett geschlossen. Wer noch auf ein kulinarisches Erlebnis hoffte, blickte in der Fleischhalle lediglich auf heruntergelassene Rollläden, während in der Viktualienhalle gähnende Leere herrschte.
Offizielles Lob kontrastiert mit der Realität
Wer abseits des offiziellen Lobes von Oberbürgermeister Dr. Florian Freund, der von spürbarem Zusammenhalt und Begeisterung sprach, sowie Marketing-Leiter Ekkehard Schmölz, der das Fest als „etwas ganz Besonderes“ rühmte, hinhörte, vernahm vor Ort auch deutlich Frust. Das Versprechen eines pulsierenden, verlängerten Treffpunkts auf dem Stadtmarkt erfüllte sich schlichtweg nicht. Am Ende bleibt bei diesem Jubiläum der Eindruck zurück, dass der immense Werbeaufwand und die tatsächliche Qualität vor Ort weit auseinanderlagen.