DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Sonntag, 28.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

CONTRA Sommernächte

Sommernächte: Rekordzahlen, aber auch lange Gesichter

Die 10. Ju­bi­lä­ums­aus­gabe der Augsburger Som­mer­nächte lockte drei Tage lang über 125.000 Men­schen in die In­nen­stadt. Wäh­rend die Ver­an­stal­ter von einem vol­len Er­folg spre­chen, hin­ter­lie­ßen das Mu­sik­kon­zept und ins­be­son­dere die neue Ein­be­zie­hung des Stadt­markts bei vielen Gästen eine herbe Ent­täu­schung.

Von Bruno Stubenrauch

„Besondere Atmosphäre zwischen Markt­ständen, Gastronomie und historischem Innen­stadt­flair“: Stadtmarkt um 23 Uhr

Vom 25. bis 27. Juni feierte Augsburg die Rück­kehr seines größ­ten Stadt­fests. Be­güns­tigt durch tro­pi­sche Nächte mit rund 25 Grad um Mit­ter­nacht zählte Augsburg Mar­ke­ting an den drei Tagen eine be­acht­liche Ku­lisse. Hinter den Ku­lis­sen sorg­ten täg­lich mehr als 500 teils ehrenamtliche Ein­satz­kräfte und über 100 Ga­stro­no­mie­be­triebe für den Ab­lauf des Groß­events. Auf den ins­ge­samt 16 Büh­nen prä­sen­tier­ten sich zu­dem über 280 Künst­le­rin­nen und Künst­ler.

Dröhnende Bässe statt Musikvielfalt

Trotz der of­fi­zi­ell ge­lob­ten mu­si­ka­li­schen Band­breite – die von tra­di­ti­on­el­len Acts wie der Presley Fa­mily bis hin zu re­gi­o­na­len Grö­ßen reichte – stieß die ak­u­sti­sche Um­set­zung vor Ort auf deut­liche Kri­tik. Statt kla­rer Sounds do­mi­nier­ten in vielen Be­rei­chen der Festzone ex­trem laute, bass- und beat­la­stige Ton­mi­schun­gen, bei denen die ei­gent­li­chen Mu­sik­stücke für das Pub­li­kum kaum noch zu er­ken­nen waren.

Ernüchterung auf dem Stadtmarkt: Geschlossene Rollläden statt Party-Stimmung

Be­son­ders viel Kri­tik ern­tete die mit gro­ßen Vor­schuss­lor­bee­ren be­dachte Ein­be­zie­hung des Augsburger Stadt­markts. Im Vor­feld als „leb­en­di­ger Ort für re­gi­o­nale Qua­li­tät und be­son­dere Er­leb­nisse“ an­ge­kün­digt, bot sich den Be­su­che­rin­nen und Be­su­chern in der Re­al­i­tät ein völ­lig an­de­res Bild. Die Zu­sage, dass zahl­reiche Be­schicker ihre Stände mit ver­län­ger­ten Öff­nungs­zei­ten bis Mit­ter­nacht of­fen­hal­ten wür­den, ent­puppte sich als Trug­schluss.

So war am Frei­tag­abend um 22 Uhr zunächst der Zugang zum Marktbereich wegen Überfüllung vor der Musikbühne auf unbestimmte Zeit nicht möglich; um 23 Uhr waren dann etwa 80 Pro­zent der Stände kom­plett ge­schlos­sen. Wer noch auf ein ku­li­na­ri­sches Er­leb­nis hoffte, blickte in der Fleisch­halle le­dig­lich auf her­un­ter­ge­las­sene Roll­lä­den, wäh­rend in der Vik­tu­al­ien­halle gäh­nende Leere herrschte.

Offizielles Lob kontrastiert mit der Realität

Wer ab­seits des of­fi­zi­el­len Lobes von Ober­bür­ger­mei­ster Dr. Flo­rian Freund, der von spür­ba­rem Zu­sam­men­halt und Be­gei­ste­rung sprach, sowie Mar­ke­ting-Leiter Ek­ke­hard Schmölz, der das Fest als „etwas ganz Be­son­de­res“ rühmte, hin­hörte, ver­nahm vor Ort auch deutlich Frust. Das Ver­spre­chen eines pul­sie­ren­den, ver­län­ger­ten Treff­punkts auf dem Stadt­markt er­füllte sich schlicht­weg nicht. Am Ende bleibt bei diesem Ju­bi­läum der Ein­druck zu­rück, dass der im­mense Wer­be­auf­wand und die tat­säch­liche Qua­li­tät vor Ort weit aus­ein­an­der­la­gen.