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Montag, 29.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Der König Kandaules: Einstand des neuen GMD mit einer Opernrarität

Zufällig fiel mir in Wien im Schaufenster eines Reisebüros ein Angebot auf: „Opernraritäten in Bayern: König Kandaules in Augsburg“. Für Wiener wohl eine Reise wert. Für Augsburger steht diese Opernrarität als erste Musiktheaterpremiere der Spielzeit im Programm. Damit präsentiert sich der neue GMD Domonkos Héja seinem Publikum erstmals als Operndirigent.

Von Halrun Reinholz

Musikalisch ist „König Kandaules“ alles andere als leichte Kost. Alexander Zemlinski schrieb sie 1935 bis 1939, floh aber dann in die USA, ohne sie zu vollenden. Dort fand er keinen Markt für diese Art „ultramoderner“ Oper vor, deshalb blieb sie unvollendet. Erst 1996 fand sich eine Vollender, Anthony Beaumont, sodass das Werk in Hamburg uraufgeführt werden konnte. Seither gab es nur wenige Aufführungen. Anthony Beaumont war bei der Premiere in Augsburg dabei.

Die Handlung der Oper ist märchenhaft: König Kandaules hat eine schöne Frau, Nyssia. Er darf sie aber nur allein sehen, vor anderen Menschen trägt sie einen Schleier. Kandaules will aber, dass alle die Schönheit seiner Frau bewundern, deshalb zwingt er sie, sich vor seinen Höflingen zu entschleiern. Gleichzeitig wird in einem Fisch, der im Schloss serviert wird, ein Ring gefunden. Der Fischer Gyges wird geholt. Kandaules sieht in ihm seinen Gegenpol: Ein Mensch ohne Bedürfnisse, der sich mit seiner Armut arrangiert hat. Der Ring, der die Gabe hat, seinen Träger unsichtbar zu machen, bringt Kandaules auf die Idee, dass Gyges seine Frau sehen soll, ohne selbst gesehen zu werden. Gyges schaut nicht nur zu, sondern bietet Nyssia eine außergewöhnliche Liebesnacht, während sie glaubt, ihren Mann bei sich zu haben. Als Nyssia die Wahrheit erfährt, überwindet sie ihre Verwirrung schnell und entschließt sich, ihren Mann zu bestrafen, der sie unwissentlich zum Seitensprung gezwungen hat. Gyges tötet ihn und wird von Nyssia zum König gekrönt.

Regisseur Sören Schuhmacher präsentiert ein Märchen, das bekannte Sagenmotive (Nibelungen, Amphitryon) enthält. Im ersten Teil sind die Darsteller nicht zufällig wie Schneewittchen und die sieben Zwerge im gleichnamigen Disney-Film aufgemacht – die Zwerge mit überdimensionalen Ohren, Schneewittchen mit schwarzen Haaren und roter Schleife im Haar wird im zweiten Teil dann das aus dem Film bekannte blaue Kleid anziehen. Einfühlsam, mit viel Freude am Detail  und unter Ausnutzung der Bühnentechnik hat das Regie-Team (Bühne: Paul Zoller, Kostüme: Annette Braun, Licht: Kai Luczak) die Handlung dem Publikum näher gebracht. Nicht wenige Premierenbesucher gingen zwar in der Pause, die Ausharrenden erlebten jedoch im zweiten Teil eine deutliche Steigerung der Spannung und Dramatik.

Die wenig eingängige Musik war für die Sänger eine Herausforderung, die sie mit Bravour meisterten. Sally du Randt  brillierte stimmlich und darstellerisch als Nyssia. Oliver Zwarg, Sänger des Jahres 2007 und nicht zum ersten Mal in Augsburg, erwies sich als Glücksgriff für die Rolle des Gyges. Mathias Schulz verkörperte die Titelrolle souverän. Bemerkenswert auch die Nebenrollen der Höflinge, wo außer Ensemblemitgliedern auch ein Student der LMU (Fabian Langguth) und der Eleve der neuen Spielzeit (Georg Festl) positiv in Erscheinung traten. Domonkos Héja hat mit seinem Einstand ein Meisterwerk geliefert, das auch überregional gute Resonanz fand. Eine durch und durch stimmige Aufführung.

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