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Freitag, 30.07.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Hereinspaziert ins Herz der Finsternis

Am Samstag, den 26. September startet das Stadttheater in der Brechtbühne (19.30 Uhr) in die neue Saison mit dem Trend-Stück “Die lächerliche Finsternis” von Wolfram Lotz.

Hauptfeldwebel Oliver Pellner und Unteroffizier Stefan Dorsch von der Bundeswehr haben einen Auftrag: Sie sollen Oberstleutnant Karl Deutinger ausfindig machen, der irgendwo in der Wildnis auf Abwege geraten ist. Ein Luftschlag soll den Abtrünnigen dann eliminieren. Mit einem Patrouillenboot fahren sie den Fluss Hindukusch hinauf, durch die undurchdringlichen Urwälder Afghanistans. Bald lassen sie die letzten Reste der vermeintlichen Zivilisation hinter sich. Sie begegnen Blauhelmsoldaten, die die Coltanernte überwachen, einem fahrenden Händler, der den Verlust seiner Familie im Balkankrieg als Verkaufsargument nutzt, einem Missionar, den am Islam hauptsächlich die Verhüllung von Frauenkörpern stört – und schließlich auch Karl Deutinger. Doch zu diesem Zeitpunkt hat die Reise längst auch schon die beiden Soldaten verändert. Ihre Expedition hat sie weit über alles hinausgeführt, was sie wissen wollten, über die Welt, sich selbst und die Grausamkeit der Natur – nicht der umgebenden, sondern der eigenen (un)menschlichen Natur. Und für jeden wird sie auf eine andere Art zu einer Reise ohne Wiederkehr.

Wolfram Lotz wurde 1981 geboren und studierte in Konstanz und Leipzig. 2011 wählte ihn “Theater heute” zum Nachwuchsdramatiker des Jahres. Seine Über- und Fortschreibung von Joseph Conrads Herz der Finsternis und Francis Ford Coppolas Apocalypse Now! verbindet bittere Karikaturen der globalisierten Welt mit absurder Komik und Reflexionen über die Möglichkeiten des postmodernen Theaters. Inszeniert wird “Die lächerliche Finsternis” von Michael von zur Mühlen (Foto). Der 1979 geborene Regisseur studierte Musikwissenschaften und Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin und Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler” Berlin. Seit 2004 inszeniert er in den Bereichen zeitgenössisches Musiktheater, Oper und Schauspiel, u. a. an der Staatsoper Stuttgart, der Volksbühne Berlin, am Theater Heidelberg und an der Deutschen Oper Berlin.