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Freitag, 16.01.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Streit um Bundeswehr-Werbung auf Augsburgs Straßenbahnen

Die Forderung des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW), Bundeswehr-Werbung von Augsburger Straßenbahnen zu verbannen, stößt auf scharfen Widerspruch von FDP und Pro Augsburg. Während das BSW die Kampagne als unvereinbar mit dem Selbst­verständnis Augsburgs als Friedens­stadt kritisiert, verteidigen die beiden Parteien die Werbung ausdrücklich.

Von Bruno Stubenrauch

Streitpunkt Bundeswehr-Werbung auf Straßenbahnen (Foto: BSW)

Das BSW argumentiert, die verwendeten Slogans ver­harmlosten mili­tärische Gewalt und zeichneten ein verzerrtes Bild des Soldaten­berufs. Öffentliche Verkehrs­mittel seien kein geeigneter Ort für mili­tärische Rekru­tierungs­bot­schaften, insbesondere mit Blick auf junge Menschen. Zudem fordert die Partei eine Rück­besinnung der Bundeswehr auf einen engen Verteidi­gungs­auftrag und lehnt Auslands­­einsätze, Aufrüstung und eine mögliche Wieder­einführung der Wehrpflicht ab.

„Kein Frieden durch Wehrlosigkeit“

Die Reaktion von FDP und Pro Augsburg ließ nicht lange auf sich warten. Iris Steiner, die gemeinsame Ober­bürger­meister-Kandidatin des Bündnisses für die Kommunal­wahl 2026, bezeichnete den Vorstoß als „mehr als weltfremd“. Werbeverbote würden die Sicherheit Deutschlands nicht erhöhen.

„Frieden schafft man nicht, indem man skrupel­losen Diktatoren wie Putin zeigt, wie wehrlos man ist“, so Steiner. Angesichts der welt­politischen Lage – auch mit Blick auf die USA unter Donald Trump – benötige Deutschland eine starke Bundeswehr zur Abschreckung. Damit diese ihren Auftrag erfüllen könne, sei die Werbung um neues Personal als Arbeitgeber in öffent­lichen Verkehrs­mitteln ein „gutes Signal“.

Historischer Rückgriff auf den Religionsfrieden

Besonders scharf weist Steiner die Argu­mentation zurück, Militär­präsenz wider­spreche der Tradition Augsburgs als Friedens­stadt. Sie zieht eine histo­rische Parallele zum Augsburger Religions­frieden: Dieser habe bereits die Reichs-Exekutions­ordnung beinhaltet, die mili­tärisches Eingreifen vorsah, um den Frieden gegen kriegerische Fürsten wieder­herzustellen.

Bundeswehr-Werbung stehe daher nicht im Widerspruch zur Friedensstadt Augsburg, sondern lasse sich historisch begründen. Eine einsatzbereite Bundeswehr sei die Voraussetzung für ein Leben in Sicherheit – und Werbung für sie gehöre somit auch in das Stadtbild einer Friedensstadt.

Der Konflikt zeigt, wie stark sicherheits- und friedens­politische Fragen bereits jetzt den Ton im Vorfeld der Kommunalwahl 2026 prägen.



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